Bericht über die Gründung des "Historischen Vereins zu (Oder) e.V."

Bereits im Dezember des vergangenen Jahres wurde der Gedanke geboren,  in Frankfurt (Oder) einen Geschichtsverein zu gründen.

In den bisherigen Organisationen und Gesellschaften, die sich mit der Erforschung und PopuIarisierung der Geschichte befaßten, konnte unseres Erachtens die insgesamt stark diskreditierte Geschichtswissenschaft nicht erneuert werden. Zu sehr war die geschichtswissenschaftliche Forschung zur Magd der Politik degradiert worden. Heimatliebe und -verbundenheit waren und sind häufig nur noch leere Worthülsen.

Hier gilt es, sich unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen von Lokalem, Regionalem, Nationalem und Internationalem der Pflege, Erforschung und Aneignung des historischen Erbes in seiner ganzen Breite und Differenziert sowie aus allen geschichtlichen Epochen zuzuwenden. Ein kleines Gründungskomitee, dem Wolfgang Buwert, Dr. Manfred Kalbweit, Dr. Martin Schieck und Oberarchivar Ralf-Rüdiger Targiel angehörten, entstand und erarbeitete erste Vorstellungen für die Satzung eines künftigen Historischen Vereins. Erweitert durch die Mitgliedschaft von Regina Bellmann und Sabine Greiner wurde ab Januar 1990 die Gründung des Vereins konkret vorbereitet. Entsprechend der zu diesem Zeitpunkt noch gültigen Vereinsgesetzgebung wurde die beabsichtigte Gründung beim Rat der Stadt Frankfurt (Oder) angemeldet.

Der Entwurf der Statuten wurde erarbeitet, gemeinsam um Inhalte und Organisationsfragen gerungen und gestritten. Sollte der "Historische Verein für Heimatkunde zu Frankfurt an der Oder"  wiedergegründet oder ein "Neuer Historischer Verein zu Frankfurt (Oder)" ins Leben gerufen werden? Wie arbeitet ein selbständiger Verein, wie finanziert er sich?

Fragen über Fragen, die im Vorfeld einer Vereinsgründung zu klären waren.

Der Gründungsversammlung wurde dann der Vorschlag unterbreitet, einen "Historischen Verein zu Frankfurt (Oder) e.V." zu gründen, der eine gemeinnützige, unabhängige und örtliche Vereinigung sein soll und an die Traditionen des Historischen Vereins für Heimatkunde zu Frankfurt an der Oder anknüpft. Die restaurierte und wieder in alter Schönheit entstandene Sakristei der Frankfurter Marienkirche, die heute den Namen Michael Prätorius Saal trägt, bildete den äußeren Rahmen für die erste aber dennoch bedeutungsvolle Zusammenkunft von ca. 30 Frankfurtern, die ihrem gemeinsamen Interesse, der Beschäftigung mit der eigenen Geschichte, künftighin in einem Verein nachkommen wollen. Im Verlauf des Abends wurde an diesem 26. März 1990 von den Anwesenden der "Historische Verein zu Frankfurt (Oder) e.V." gegründet, die Satzung verabschiedet und der Vorstand gewählt.

Besonders die Diskussion zur Satzung, die während der Versammlung von den Teilnehmern gemachten Vorschläge und änderungen zeugten vom Engagement für das künftige Wirken in Verein, von aktiven, selbstbewußten Mittun im Interesse dar uns selbst gegebenen Aufgabenstellung. Humanismus und historische Wahrheit, das sind die beiden Grundpfeiler der Tätigkeit der Mitglieder des 'Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e.V.", zu denen sich die Anwesenden der Gründungsversammlung bekannten. Um ein interessantes, vielseitiges und inhaltsreiches Vereinsleben zu gestalten, wollen sich die Mitglieder mit eigenen Beiträgen in die Tätigkeit des Vereins einbringen und selbst "zur Erforschung der Geschichte Frankfurt (Oder) und Umgebung in ihrer gesamten historischen Breite, zur Verbreitung von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und zur Förderung des geschichtlichen Interesses in der Öffentlichkeit (Satzung) beitragen.
 

Dr. Schieck, Schriftführer

Artikel aus dem 1. Heft 1990 der "Mitteilungen des Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e.V.", dem ersten Heft des neu gegründeten Vereins überhaupt. Die beiden Fotos sind von der Gründungsversammlung in der Sakristei der Frankfurter Marienkirche am 26.3.1990 (H.- W. Funk/ Stadtarchiv Frankfurt (Oder)).