Vereinssitzungs- Rückblick

Im Folgenden wird an vergangene Vereinsitzung erinnert. Dies geschieht anhand der entsprechenden Ausschnitte aus den Vereins-Jahresberichten  die z. T. durch Bildern oder Vidoclips (von  Vereinsmitglied Dr. M. Eichler u.a.) ergänzt wurden.


2004


Die Jahreshauptversammlung fand am 27. Januar im Stadtarchiv statt, zu der 15 Mitglieder und ein Gast kamen.

Im öffentlichen Teil referierte Vereinsmitglied, Herr Ingenieur Joachim Schneider, über die „Quartiere und Baumaßnahmen der Sowjetarmee in Frankfurt (Oder) (veröffentlicht in H. 1/2004). Erstmals wurde eine Bestandaufnahme der von der Sowjetarmee genutzten bzw. gebauten Gebäude in der Oderstadt vorgelegt. Der Bogen spannte sich von der vorgefundenen Situation 1945 über Baumaßnahmen in- und außerhalb der Kasernenanlagen, die Nutzung des Bahnhofs als Truppenumschlagplatz bis hin zu Wohnbauten im Stadtgebiet. Weitere Hinweise und Ergänzungen gaben die Herren Voigt, Krause und Reiß.

Danach zeigte Vereinsmitglied, Dr. Michael Eichler, einen weiteren Teil der Videodokumentation zu den Exkursionen des Historischen Vereins.


Am 24. Februar sprach im Stadtarchiv Herr OMR Dr. Klaus Eichler in seinem fünften Teil über „Von der Festung zur Lazarettstadt 1945 – 1949“. Vor ca. 30 Anwesenden gab der Referent anhand von mehreren Dias einen weiteren Einblick in die Medizingeschichte der ersten Nachkriegsjahre.

In einem weiteren Beitrag erinnerte Dr. Klaus Eichler an den 55. Todestag von Prof. Dr. August Bier (veröffentlicht in H. 1/2004).


Auf der nächsten Sitzung am 30. März, wiederum im Stadtarchiv, berichtete Herr Dr. Jürgen Pfeiler (Storkow) über die Erlebnisse seines Vaters, die er überschrieb mit „Eine Postanweisung vom 3. April 1945 – letztes Lebenszeichen von Volkssturmmann Ernst Pf. Über persönliche Post als Quelle historischer Forschungen“. Einleitend berichtete Dr. Pfeiler über seine Kindheit und Jugend in Frankfurt (Oder) bis zu seiner Evakuierung am 6. Februar 1945. Vom Vater blieben Karten und Briefe von Februar bis April 1945 erhalten, aus denen der Referent vortrug. Er war Schreiber im Bataillons­stab von Major Kuhrock im Raum Güldendorf. Die vorgetragenen Passagen beinhalteten interessante Informationen zur Festungsgeschichte und persönliche Erlebnisse.

Vereinsmitglied, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, informierte im Anschluss über die Ausstellung zu Architekt Martin Kießling, über den bevorstehenden Archivtag und über die Absicht, einen Förderverein für das Stadtarchiv gründen zu wollen.


Die Sitzung am 27. April fand im Kurfürstensaal des Museums Viadrina statt, zu der neben 12 Mitgliedern auch acht Gäste erschienen waren. Thema war die Geschichte des Kaisersaales der Aktien-Brauerei, zu dem Vereinsmitglied, Herr Tino Scheuner, zuerst sprach (veröffentlicht in H. 1/2004). Herr Scheuners Ausführungen beruhten auf Recherchen in der im Stadtarchiv vorliegenden Frankfurter Oderzeitung.

Herr Schneider informierte in einer Ergänzung über ehemalige Gebäude auf dem Gelände der Aktien-Brauerei, des späteren Lichtspieltheaters der Jugend. Wesentlich er­weitert wurden diese Aussagen durch Vereinsmitglied, Herrn Orthopädie-Schuhmachermeister Günter Wilke, der auf Grund seiner jahrelangen Bauakten-Recherchen im Stadtarchiv die Baugeschichte des Kaisersaales noch weiter präzisieren konnte (beide Beiträge veröffentlicht in H. 1/2004).

Anschließend stellte Vereinsmitglied, Herr Restaurator Bernhard Klemm, in einem DIA-Vortrag „Historische Gasthäuser, Herbergen und Lokalitäten in Frankfurt (Oder)“ vor. Er konnte dabei aus seiner reichhaltigen Ansichtskartensammlung schöpfen.

Zum Abschluss erinnerte Dr. Klaus Eichler an den 245. Geburtstag des Mediziners Dr. Karl August Wilhelm Berends.


 Zur Sitzung am 25. Mai im Museum VIADRINA kamen 26 Personen. Es sprach in einem reich bebilderten Vortrag Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, über die Geschichte des jüdischen Friedhofes in Frankfurt (Oder). U.a. konnte er auf Quellen aus dem Zent­rum Judaicum Berlin zurückgreifen, darunter ein Bericht des letzten Friedhofgärtners Billerbeck. Ausgehend von der Lage dieser Begräbnisstätte und ihrer frühen Nutzung (= eine der ältesten jüdischen Friedhöfe Mitteleuropas) berichtete er über die Verwen­dung der Grabsteine im Słubicer Straßenbau bis zur symbolischen Wiedererrichtung durch die Aufstellung nachgebildeter Grabsteine. Erwähnenswert ist, dass die Stadt Słubice das Friedhofsgelände als jüdisches Eigentum der jüdischen Gemeinde in Sczeczin (Stettin) rückübertrug.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt erinnerte Vereinsmitglied, Herr Manfred Krause, an den 245. Todestag von Ewald Christian v. Kleist, der nach der Schlacht von Kunersdorf 1759 seinen Verwundungen in Frankfurt (Oder) erlag.


Nach der Sommerpause fand die nächste Sitzung am 28. September wiederum im Museum VIADRINA statt. Herr Ing. Joachim Schneider, hielt einen Vortrag über die „Geschichte der Frankfurter Ziegeleien im 19. und 20. Jahrhundert“, zu dem 16 Mitglieder und 18 Gäste gekommen waren. Nach einer kurzen Einleitung zur Herstellung von Ziegeln und deren Verwendung sowie zu den Tonvorkommen in Frankfurt ging er zu den ältesten Ziegeleien über. U.a. sprach er über die Ratsziegelei, die in einem Plan von 1738 eingezeichnet war. Die Anzahl der Ziegeleien stieg von fünf im Jahre 1848 auf 17 im Jahre 1882 und zeugte von der regen Bautätigkeit im 19. Jh.. Die meisten der in der Stadt vorkommenden Teiche haben ihren Ursprung in ehemaligen Tongruben dieser Betriebe.


Am 26. Oktober stand ein Vortrag von Vereinsmitglied , Frau Dr. Vera Kliemann, auf der Tagesordnung. Vor 22 Anwesenden sprach sie über „Ausgrabungen im Junker­haus“. Die unter Leitung der Referentin durchgeführten archäologischen Untersuchun­gen über den langen Zeitraum der Sanierungen im Junkerhaus erbrachten einige neue, tlw. sensationelle Ergebnisse. Insbesondere sind die Bauphasen der östlich vorgela­gerten Gebäudeteile und das Auffinden des einzigen am Originalplatz liegenden Stadtmauerrestes hier zu nennen, ebenso Teile des gepflasterten mittelalterlichen Wehrganges und ein hölzerner Bohlenweg aus dem 13. Jh..


20 Personen hörten am 23. November die interessanten Ausführungen von Herrn Joachim Schneider über „Historische Baumbestände im 19. und 20. Jahrhundert in öf­fentlichen Anlagen und privaten Gärten Frankfurts“. Mit diesem Beitrag unterstrich der Referent seine vielseitigen Interessen. Er stellte die These auf, dass die Frankfurter historischen Baumbestände wegen des Fehlens einer königlichen Residenz und entsprechender Park- und Gartenanlagen dem Frankfurter Bürgertum zu verdanken sind. Er belegte dies mit der Umgestaltung und Bepflanzung der Wallanlagen zum Bürger­park, der Aufwertung des Baumbestandes um 1900 und der Anpflanzung „einer Flut“ von fremdländischen Gehölzen in Privatgärten nach 1990. Neben den zahlreichen Dias hatte Herr Schneider auch viele Blätter-, Samen- und Gehölzproben zur Anschauung mitgebracht.


Auf der letzten Sitzung des Jahres 2004 am 14. Dezember, zu der elf Mitglieder und 13 Gäste erschienen, sprach Herr Bernhard Klemm über „Die Schifffahrt auf der Oder im Raum Frankfurt“. Wiederum konnte Herr Klemm viele Bilder aus seiner umfangreichen Ansichtskartensammlung verwenden. Zunächst machte er einige topografische Anga­ben zur Oder. Dann gab er einen Überblick über die Schiffstypen, die den Fluss befuh­ren, wonach Ausführungen über Schifferkneipen folgten. Von zahlreichen Besonder­heiten konnte er berichten, z.B. von einem Lastkahn des Reeders Klepsch mit Namen „Viadrus“ sowie von den Zeichen an den Schornsteinen der Dampfschiffe, die den Eigner weithin verrieten.


2005


Die Jahreshauptversammlung fand am 25. Januar im Museum VIADRINA statt. Anwesend waren 17 Mitglieder und weitere neun Gäste.

Zuerst gab es einen öffentlichen Teil, in dem Vereinsmitglied, Herr Ingenieur Joachim Schneider, über „Das Militär in der Dammvorstadt und die spätere Entwicklung der historischen Militärbauten in Słubice“ referierte (veröffentlicht in H. 2/2005). Nach der preußischen Heeresreform 1860 bewarb sich Frankfurt (Oder) um die Stationierung von weiterem Militär im Stadtgebiet. 1867 forderte der Magistrat die Einwohner der Dammvorstadt auf, „die Unterbringung der neuen Garnison durch Errichtung geeigne­ter Ställe und hinreichender Wohnungsräume möglichst zu erleichtern.“ Anhand zahlreicher Dias ging der Referent auf die Nutzung aller in der Dammvorstadt errichteten militärischen Gebäude ein. Dank der profunden Ortskenntnisse und der langjährigen Beschäftigung mit der Frankfurter Militärgeschichte hat Herr Schneider eine sehr detailreiche und aussagefähige Studie damit vorgelegt.


Die Februarsitzung musste auf Grund der Krankheit des Referenten ausfallen.


Die Sitzung am 15. März fand gemeinsam mit dem Verein der Freunde und Förderer des Museums VIADRINA statt. Als Referent sprach im Museum VIADRINA  Herr Diplom-Geologe Rainer Schulz vom Landesamt für  Geologie über „Brandenburg im Eiszeitalter. Der geologische Aufbau Ostbrandenburgs“. Der außerordentlich reich bebilderte und mit vielen Karten, Schnitten und Gesteinsproben ergänzte Vortrag gab einen beindruckenden Blick in die geologische Entwicklung unserer Region. Die überaus zahlreich erschienenen Gäste – insgesamt kamen 68 Personen - wurden auf viele geologische Besonderheiten aufmerksam gemacht, an denen man sonst einfach aus Unkenntnis vorbei ging.


Zur nächsten Sitzung trafen sich die Mitglieder am 26. April, auf der zunächst der Vorsitzende, Herr Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert, auf das 15-jährige Bestehen unseres Historischen Vereins einging (veröffentlicht in H. 1/2005). In seiner Rückschau stellte er fest, dass es dem Verein dank seiner Mitglieder gelungen ist, 15 Jahre kontinuierlich Stadtgeschichte aufzuarbeiten, die in regelmäßiger Vereinsarbeit öffentlich gemacht und anschließend in den vereinseigenen „Mitteilungen“ publiziert wurde. Ein Glas Sekt auf das Jubiläum rundete diese Erinnerung ab.

Das Hauptreferat des Abends hielt Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, der den abschließenden Teil seiner langjährigen Forschungen zum Thema „Von der Festung zur Lazarettstadt“ vortrug. Er stellte weitere medizinische Einrichtungen und Personen vor, die sich um die medizinische Versorgung im Nachkriegs-Frankfurt verdient gemacht haben. Danach bilanzierte der Referent seine über sechs Teile gehenden Studien (veröffentlicht in H. 2/2005), die er in einer besonderen Publikationsreihe selbst herausgab. Dr. Eichler regte an, im Museum VIADRINA eine Gedenktafel für die im Junkerhaus, dem damaligen Seuchenlazarett des Städtischen Krankenhauses, von 1945 bis 1948 tätigen Diakonissinnen, Schwestern und Ärzte anzubringen. Abschließend wies er auf den 90. Todestag von Prof. Dr. Friedrich Loeffler, dem „Vater der Virologie“, hin.


Am 31. Mai kamen die Vereinsmitglieder wieder im Museum VIADRINA zusammen. Für den Vortrag des Abends konnte dank der Vermittlung von OMR DR. Klaus Eichler Herr Dr. Werner Groß (Berlin) gewonnen werden. Er berichtete über seine persönlichen „Erlebnisse bei der Sanitätsstaffel des Frankfurter Fliegerhorstes und als dienstverpflichteter Arzt im Heimkehrerlager Gronenfelde“. 1939 führte es Dr. Groß erstmals zum Fliegerhorst Frankfurt (Oder), wo er für die medizinische Absicherung während des Flugbetriebes eingesetzt war. Das zweite Mal kam er als Potsdamer Arzt dienstverpflichtet für zwei Wochen 1948 ins Heimkehrerlager Gronenfelde, wo seine Aufgabe darin bestand, den Heimkehrern aus russischer Gefangenschaft die uneingeschränkte Transportfähigkeit zu bescheinigen oder diese in ein Krankenhaus einzuweisen. Ebenso beschickte er den vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz gestellten Lazarettzug Genf.

Zum Abschluss seiner Ausführungen berichtete er über einen Mann, der sich im Nachkriegs-Frankfurt und dann in Berlin (West) als Arzt ausgab und sich dabei Verdienste erwarb, ohne je Medizin studiert zu haben. In Frankfurt (Oder) brachte er es bis zum Kreisarzt. Dies kann man nachlesen in seinen Erinnerungen „Der falsche Chefarzt von Berlin. Die Lebensbeichte eines Mediziners, den die Not das Helfen  lehrte“ von Walter Günther und Friedhelm Werremeier.

Erwähnenswert ist, dass 20 Gäste an dieser Veranstaltung teilnahmen, die z.T. persönliche Beziehungen zu den dargestellten Ereignissen hatten.


Nach der Sommerpause verfolgten am 27. September 12 Mitglieder und 24 Gäste im Stadtmuseum die interessanten Ausführungen unseres Vereinsmitgliedes, Herrn Horst Voigt, über „Die Kampfmittelberäumung in Frankfurt (Oder) und Umgebung nach dem Zweiten Weltkrieg“. Zu seinem Vortrag präsentierte der Referent den Anwesenden zahlreiche Originalstücke wie Minen, Zünder und Granaten, natürlich alles entschärft, sowie eine bildliche Darstellung der Minensuche aus der Heimatstube Lebus. Gekommen waren auch drei Zeitzeugen, Mitarbeiter des ehemaligen Munitionsbergungsbetriebes, die in der Diskussion aus ihrem eigenen Erleben berichteten. Die z.T. erstmals gezeigten Bilder be­reicherten die Ausführungen zu einem bislang kaum beachteten Nachkriegsthema. Gezeigt wurden auch Ausschnitte aus dem Film „Bombenkerle“ des Frankfurter AFC. Die Fragestellung des Referenten, ob auf Grund einer Hochrechnung der gefundenen Blindgänger auf die insgesamt 1945 auf Frankfurt (Oder) abgeworfenen Bomben und die daraus resultierenden Zerstörungen geschlussfolgert werden kann, sollte weiter nachgegangen werden.

Vortrag von Vereinsmitglied Horst Voigt Austellung im Foyer

Danach wies OMR Dr. Klaus Eichler in einem Kurzbeitrag auf den 60. Todestag des ehemaligen ärztlichen Leiters des Lutherstiftes, Prof. Dr. Ludwig Pernice, hin.


Am 25. Oktober fand die nächste Sitzung statt, zu der zehn Mitglieder und 22 Gäste kamen. Das Referat hielt Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, „Zur Telefongeschichte Frankfurts und Słubices“. Der zeitliche Bogen reichte von den Anfängen der Telefonie bis zur Digitalisierung in der Oderstadt. Zahlreiche Dias, eine kleine Entwicklungsreihe von Telefonapparaten, Wahlgeräten u.Ä. veranschaulichte sehr eindrucksvoll den Anwesenden die technische Entwicklung auf diesem Gebiet. Durch seine Sachkunde – Herr Reiß war auf diesem Gebiet selbst beruflich tätig – brachte der Vortragende auch dem Laien dieses Kapitel Frankfurter Technikgeschichte näher. Zahlreiche ehemalige Arbeitskollegen ergänzten oder bestätigten die Ausführungen des Referenten.

Vereinsmitglied Herr Eckard Reiß beim Vortrag.

Alte Telefoneapparate.

 


Mit der Sitzung am 22. November kam es in der Gaststätte „Seeterrasse“ zu einer angenehmen Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Tzschetzschnow-Güldendorf e.V.. Gekommen waren über 40 Mitglieder und Gäste beider Vereine.

Zunächst sahen die Anwesenden die Filmdokumentation über den Festumzug zum 775. Jubiläums Güldendorfs, der unter aktiver Mitwirkung vieler Güldendorfer gestaltet worden war. Das Referat hielt Vereinsmitglied, Herr Manfred Krause, selbst in Güldendorf wohnend. Mit zahlreichen Dias gab Herr Krause einen Überblick über die facettenreiche Dorfgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dabei konnte er sich auf die von unserem ehemaligen Vereinsmitglied, Dr. Manfred Kallweit, angelegte Chronik von Güldendorf sowie die Festschrift stützen.

 Vereinsmitglied Manfred Krause † beim Vortrag.

Güldendorfer Geschichte in Bildern.

 


Die abschließende Dezember-Sitzung am 13.12.2005 fand wieder im Museum VIADRINA statt. Zum Vortrag unseres Vereinsmitgliedes, Herrn Dipl.-Restaurator Bernhard Klemm, waren elf Mitglieder und fünf Gäste gekommen. Aus seiner umfangreichen Ansichtskartensammlung, die auch die östlich der Oder gelegenen Kreise des ehemaligen Regierungsbezirkes Frankfurt (Oder) umfasst, hatte er diesmal Postkarten von „Ausflugstätten des Sternberger Landes“ ausgewählt. Interessant waren dabei die Gegenüberstellungen von historischen und heutigen Aufnahmen, die die nach wie vor vorhandenen Reize dieser Orte veranschaulichten. Heute z.T. in Naturschutzgebieten gelegen, stellte Herr Klemm entlang von drei Odernebenflüssen, der Eilang, der Pleiske und der Griesel, Mühlen, Förstereien, Gutshäuser, Gaststätten u.a. Objekte vor.

 
Vereinsmitglied Restaurator Bernhard Klemm beim Vortrag.

 


2006


Die Jahreshauptversammlung fand am 24. Januar wieder im Museum VIADRINA statt. Anwesend waren 14 Mitglieder und fünf Gäste.

Im öffentlichen Teil sprach Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, über drei Mediziner, deren Leben eng mit der Frankfurter Nachkriegsgeschichte verbunden ist: Dr. Max Petermann, Prof. Dr. Dr. Ernst-Günther Schenck und Dr. Dr. Rolf Bernstein.

Dr. Petermann, ein stadtbekannter Arzt (die Petermannsche Villa ist vielen Frankfurtern noch in guter Erinnerung), dessen Todestag sich zum 60. Male jährte, machte sich um die Betreuung und Leitung des Seuchenlazaretts verdient, das bekannterweise im Gebäude des heutigen Museums eingerichtet worden war (veröffentlicht in H.. 2/2006)

Prof. Dr. Dr. Schenck kam als kriegsgefangener Arzt aus Berlin nach Frankfurt und betreute die kranken deutschen Kriegsgefangenen im Lazarett der Hindenburg- und Hornkaserne.

Dr. Dr.  Bernstein war ebenfalls als kriegsgefangener Arzt in der Oderstadt tätig. Schenck und Bernstein haben ihre Erinnerungen in Buchform festgehalten, aus denen der Referent Passagen vortrug. Sie verdeutlichen die äußerst schwierige Lage der medizinischen Versorgung der Kriegsgefangenen und zugleich das große Engagement der betreuenden Ärzte.


Die am 28. Februar durchgeführte Sitzung fand wie auch zu den nächsten Terminen im Museum VIADRINA statt.

Als Referent sprach Vereinsmitglied, Herr Dr. Horst Engelke,  zum Thema „Wie ehemalige Schüler das Friedrichs-Gymnasium in der NS-Zeit sehen“. Er stützte sich vor allem auf die Erinnerungsberichte ehemaliger Gymnasiasten in der Festbroschüre  „XAIPE“ (= „Seid gegrüßt“), die zum 300-jährigen Schuljubiläum erschienen war.


Vereinsmitglied Dr. Horst Engelke beim Vortrag.

Nach der Durchsicht der Berichte entwickelte Dr. Engelke für seine Ausführungen fünf Leitfragen, u.a. warum Eltern sich für das Friedrichs-Gymnasium entschieden und welche  Rolle Kriegstraditionen an der Schule spielten. Die von ihm entwickelten Kriterien erlaubten es dem Autor, die subjektiven Erlebnisberichte zu analysieren.


Am 28. März sprach der stellvertretende Direktor und Vorstandsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, über einen unberechtigten Rauswurf aus dem Junkerhaus. Anwesend waren 12 Mitglieder und 12 Gäste.


Vereinsmitglied Dr. Martin Schieck.

Eingebettet in einen kurzen Abriss der Bau- und Nutzungsgeschichte des Junkerhauses war eine Episode aus dem 17./18. Jh.. Aus verschiedenen Akten des Brandenburgischen Landeshauptarchivs sowie des Geheimen Preußischen Staatsarchivs in Berlin konnte der Referent die kuriose Geschichte des Rauswurfs  von Prof. v. Runckel rekapitulieren. Der heute recht merkwürdig anmutende Fall brachte die Zuhörer mehrfach zum Schmunzeln.


In der Sitzung vom 25. April berichtete Herr Dipl.-Lehrer Peter Staffa über ein Projekt des Friedrichs-Gymnasiums – „Building brigdes“.  Im Rahmen dieses Projektes hat das Gymnasium Kontakte zu Schulen in Gütersloh, Polen, Israel und Palästina. So kam auch der Kontakt zu einem jüdischen Friedrichs-Gymnasiasten zustande, Hermann Arndt, der mit seiner Familie Deutschland während der Nazizeit  verlassen musste. Bekannt wurde er viel später als Mitglied des MOSSAD und als Verantwortlicher für die Aufspürung und Verhaftung von Adolf Eichmann in Argentinien. Herr Staffa konnte mit Schülern ihn, der jetzt Zvi Aharoni heißt, in England besuchen. Die Schüler interviewten ihn, und dabei entstand ein Film, der nun aufgeführt wurde.

 
Dipl.-Lehrer Peter Staffa


Die Sitzung am 30. Mai, zu der 25 Personen anwesend waren, bestand aus drei Referaten. OMR Dr. Klaus Eichler erinnerte an den 50. Todestag von Dr. Gottfried Benn, der einen Teil seiner Schulzeit am Friedrichs-Gymnasium absolvierte und später neben seiner medizinischen Ausbildung und Tätigkeit zu einem bedeutenden wie widersprüchlichen Schriftsteller avancierte.

 

Vereinsmitglied, Herr Carsten Roman Höft, stellte die Aktion „Stolpersteine in Frankfurt (Oder)“ vor. Er referierte über Nissel Weißmann und Albert Fellert, die von den Nazis deportiert und umgebracht wurden..

Vereinsmitglied Carsten Roman Höft.

Als Dritter sprach Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider, über „Der Kampf um Lebus im Februar 1945“. Dazu zeigte der Referent Fotos und Luftbilder. Herr Schneider hat eine Menge Material zusammengetragen und stellte manche Fakten erstmals der Öffentlichkeit sehr detailliert vor.


Vereinsmitglied Ing. Joachim Schneider.


Referenten auf der Sitzung am 26. September waren die Mitglieder, Herr Eckard Reiß und Herr Manfred Krause.

Herr Reiß widmete sich der Geschichte des Friedhofes in der Frankfurter Dammvorstadt. Die erste schriftliche Erwähnung des Dammfriedhofes berichtete über seine Verwüstung im Dreißigjährigen Krieg. Die Anlage eines neuen Friedhofes war wegen Grundwasserproblemen notwendig geworden, die Einweihung erfolgte 1814. Im Jahre 1928 wurde die erweiterte, nunmehr als Waldfriedhof bezeichnete Anlage eingeweiht. Die Erweiterung sollte Bestattungen für weitere 60 Jahre ermöglichen. Die letzte deutsche Beerdigung fand dort am 25. Januar 1945 statt, die ersten beiden polnischen Bestattungen erfolgten am 14. Juli 1945.

Herr Krause sprach anschließend über das 100-jährige Jubiläum der Feuerwehr in Tzschetzschnow-Güldendorf. Er machte Ausführungen über die Struktur und Organisation der Feuerwehr und stellte Anekdoten  vor. Die erste Feuerwehr bestand aus 15 Mann.

Danach informierte Herr Höft darüber, dass bisher sieben „Stolpersteine“ in Frankfurt (Oder) verlegt worden sind und erinnerte an das Schicksal von Opfern der NS-Gewaltherrschaft.


Auf der Oktober-Sitzung am 25.10. referierte Herr Dr. Horst Engelke „Zur Geschichte der Städtischen Oberschule“. Die erste Information über die Existenz einer Schule in Frankfurt (Oder) stammt aus dem Jahre 1341, sie trug mehrere Namen, u. a. Ratsschule, Schule in der Oberstadt, Lateinschule. Der erste Standort dieser Schule lag an der Südmauer des Friedhofs von St. Marien. Im 15. Jh. unterrichteten ein Rektor und zwei Gesellen die Schüler. Eine Zäsur in der Schulentwicklung bildete die Einführung der Reformation 1539.



Vereinsmitglied Dr. Horst Engelke beim Vortrag.

Mit seinen zwei Beiträgen ist durch Dr. Engelke nach langer Zeit wieder die Frankfurter Schulgeschichte ergänzt worden.


 Auf der Sitzung am 21. November erinnerte OMR Dr. Klaus Eichler an die 50. Wiederkehr der Nobelpreisverleihung für Medizin an Prof. Dr. Werner Forßmann, der auch in Frankfurt (Oder) als Arzt tätig war.

Den Hauptbeitrag des Abends bildete ein von Vereinsmitglied, Herrn OA Ralf-Rüdiger Targiel,  gemachter „Spaziergang durch Frankfurt (Oder) 1939“. Über 100 Postkartenaufnahmen des Verlages Schöningh & Co. erlaubten einen Blick auf und in die Oderstadt vor 1945. Die Scans stammten von originalen Glasnegativen des Verlages, die sich mittlerweile im „Haus Brandenburg“ der Landsmannschaft Berlin-Brandenburg in Fürstenwalde befinden und dort von Herrn Targiel und zuvor schon Anfang der 90-er Jahre von unserem Mitglied, Herr Restaurator Bernhard Klemm, entdeckt worden waren. Auf Grund der hervorragenden Qualität der Glasnegative konnte der Referent mit den hochauflösenden Scans den anwesenden 24 Mitgliedern und Gästen so manche Details zeigen. Von Blicken vor die Fensterscheibe einzelner Geschäfte bis hin zu auf den Postkarten nicht sichtbaren Retuschen reichte die Palette.


Für die Sitzung am 12. Dezember konnte dank der Vermittlung von Vorstandsmitglied, Herrn OA Targiel,  als Referent Herr Stephan Brather gewonnen werden,  Dipl.-Restaurator am Brandenburgischen Landesdenkmalamt Wünsdorf. Die Veranstaltung fand erstmals in den Räumen der Gedenkstätte „Opfer politischer Gewaltherrschaft“ in der Collegienstraße statt, einem ehemaligen Frankfurter Gefängnis.  Anwesend waren neun Mitglieder und 12 Gäste.


Referent Herr Stephan Brather.

Herr Brather, der ein Aufbaustudium an der Europa-Universität VIADRINA, Lehrstuhl Schutz europäischer Kulturgüter absolviert, erforschte mit zwei weiteren Studenten im Rahmen einer Belegbarbeit die Bau- und Nutzungsgeschichte des Betsaales des St. Spiritushospitals.  Die Ausführungen, die sich auf ein gründliches Aktenstudium als auch auf die bauliche Bestandsaufnahme stützen, erlaubten ein detailreichen Einblick in ein der Öffentlichkeit kaum noch bekanntes Gebäude. Möge seine Arbeit und das Bekanntmachen in der Öffentlichkeit dazu beitragen, dass dieser Betsaal vor dem völligen Zerfall gerettet werden kann. 


2007


Die Jahreshauptversammlung fand am 30. Januar im Museum VIADRINA statt. Anwe­send waren 18 Mitglieder und elf Gäste.

Im öffentlichen Teil sprach Vereinsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, über „Der Eiserne Wehrmann in Frankfurt (Oder)“. Der Wehrmann wurde am 27. Januar 1916 vor dem Rathaus aufgestellt und diente als Kriegsfolgen-Hilfe. Dazu konnte man Nägel aus verschiedenen Materialien und zu unterschiedlichen Preisen erwerben und die Holzplastik damit benageln, so dass die Figur ein metallisches Aussehen bekam. Solche Spendenaktionen gab es in vielen deutschen und auch anderen europäischen Städten. Der Verbleib der Figur ist unklar. Es liegt nahe, dass sie beim Brand des Rathauses 1945 Opfer der Flammen wurde.

Anschließend las Vereinsmitglied, Herr Roman Carsten Höft, aus den Erinnerungen von Herrn Prof. Dr. Heinz Vater (Köln) „Kindheit in der Nazizeit“, in denen er seine Erlebnisse in seiner jüdischen Familie in Frankfurt (Oder) schilderte.


Am 27. Februar fand die nächste Sitzung als gemeinsame Veranstaltung mit dem verein der Freunde und Förderer des Museums Viadrina im hiesigen Museum statt. Anwesend waren 13 Mitglieder und 18 Gäste. Herr Dipl.-Archäologe Rainer Schulz sprach anlässlich des 150. Geburtstages über Michael Martin Lienau. Von der Familie Lienau ist ein Wahlspruch noch aus Großvater Michaels Zeiten überliefert:

„Lienau heet ick. Wat recht und god is, Dat weet ick. Gott gew’t dato, dat ick’t ok do!“


Dipl.-Archäologe Rainer Schulz.

Herr Schulz gab mit zahlreichen Bildern einen Abriss des Lebens von Michael Martin Lienau, der im Alter seinen Kaufmannsberuf aufgab und ein Archäologiestudium erfolgreich absolvierte. Seit 1922 war er als staatlicher Bezirkspfleger für die Bodenaltertümer im Stadtkreis Frankfurt (Oder) verantwortlich. Von ihm liegen zahlreiche Aufsätze von Ausgrabungen und zur Vor- und Frühgeschichte der Oderstadt vor.


Für die Sitzung am 27. März konnte der Vereinsvorsitzende Herrn Hans Heilborn (Berlin) gewinnen. Gekommen waren 14 Mitglieder und 21 Gäste. Hans Heilborn (geb. 1924) ist der Sohn des bedeutenden Frankfurter Schuhfabrikanten in der Stadt, Sigmund Heilborn. Herr Heilborn sprach über „Die Familie Heilborn – das Schicksal einer Frankfurter jüdischen Familie“. Er berichtete über die Firmengeschichte, Familiengeschichte und sein eigenes Leben.


Gastreferent Hans Heilborn.

Hans Heilborn war als Überlebender des Holocaust aus dem KZ Theresienstadt nach Kriegsende in seine Heimatstadt zurückgekehrt und begann hier bei der Polizei, später bei der Kripo zu arbeiten. Einige Bilder dokumentierten seinen Lebensweg. Abschließend kritisierte der Referent die inhaltliche Wichtung und Ausgestaltung der Gedenkstätte „Opfer politischer Gewaltherrschaft“ in der Collegienstraße.


 Am 24. April erinnerte zunächst Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, vor 12 Mitgliedern und 16 Gästen an den 140. Geburtstag von Prof. Dr. Albert Albu, einem in Frankfurt geborenen jüdischen Arzt (veröffentlicht in H. 2/2007). In diesem Zusammenhang sprach er auch über die ersten jüdischen Studenten am Ende des 17. Jh. an der Frankfurter Viadrina.
 

Referent Dr. Klaus Eichler.

Referent Ing. Joachim Schneider.

Das Hauptreferat hielt Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider. Er sprach zum Thema „Eine Stadt verliert ihr Antlitz. Zur Zerstörung Frankfurts 1945“. Durch intensive Recherchen, tlw. eigenen Beobachtungen konnte Herr Schneider in einer Hochrechnung feststellen, dass 1945 über Frankfurt (Oder) ca. 1000 Bomben abgeworfen wurden. Er wies bei den vorhandenen Nachkriegsfotos erneut darauf hin, dass es sich dabei nicht um den Originalzustand der Ruinen handelt, sondern um Fotografien aus späteren Jahren. Es ging dem Referenten nicht um ein Aufrechnen und um Schuldzuweisungen für die Zerstörungen, sondern vielmehr um den Umgang mit der Wahrheit.


 Die nächste Sitzung fand am 29. Mai im Stadtarchiv (wie auch alle weiteren Sitzungen) statt. Vereinsmitglied, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, zeigte zunächst einen Film des AFC (= Amateurfilmclub Frankfurt (Oder)) „Gustav, die Umweltschlampe“. Im Hauptreferat sprach er über den „Hebräischen Buchdruck in Frankfurt (Oder) von der Mitte des 16. Jh. bis Anfang des 19. Jh.“. Elf Mitglieder und 7 Gäste verfolgten den Vortrag. Der Referent unterschied zwei Etappen des Buchdrucks, in deren erster zwischen 1551 und 1593 Drucke in Frankfurt entstanden, in denen bereits tlw. hebräische Teile eingefügt waren. Die zweite, viel bedeutendere Etappe begann mit Johann Christoph Beckmann, der jedoch schon 1696 sein Geschäft an Michael Gottschalck übergab. Gottschalck (um 1655 -1734), der erstmalig nach neu ausgewerteten Quellen aus dem Geheimen Staatsarchiv PK Berlin und des Stadtarchivs Frankfurt (Oder) in seinem umfänglichen Wirken dargestellt wurde, brachte die erste Frankfurter Ausgabe des babylonischen Talmuds heraus.


 Am 25. September sprach zunächst Herr OMR Dr. Klaus Eichler vor zehn Mitgliedern und 16 Gästen zum 60. Todestag von Hermine, zweite Ehefrau von Wilhelm II. Hermine hielt sich nach Kriegsende bis 1947 in Frankfurt (Oder) auf, verstarb hier und wurde im Antikentempel im Park zu Sanssouci in Potsdam beigesetzt. In einem anschließend gezeigten Video wurden die Ereignissorte in Saabor (Kreis Grünberg, heute Zabór) und Schloss Doorn im Rahmen einer Exkursion mit der ehemaligen Sekretärin der Kaiserwitwe vorgestellt.

Das Hauptreferat hielt Herr Landschaftsarchitekt BDLA Jürgen Kleeberg (Berlin). Er sprach im Zusammenhang mit dem Gartendenkmal Lennépark und dessen etappenweisen Wiederherstellung über die Befestigungsanlagen an der Westseite der Stadt unter dem Thema „Die mittelalterliche Stadtbefestigung in Frankfurt (Oder) – Archäologie und Gartendenkmalpflege“.


Gastreferent Landschaftsarchitekt Jürgen Kleeberg.

Bei der Rekonstruktion der Feldsteinmauer am Wassergraben nahe der alten leerstehenden Schule kamen Reste der Befestigungsanlage, darunter Fundamentreste eines Rondells zutage. Voran stellte der Referent historische Pläne von der etappenweisen Anlage des Lennéparks (Wege- und Wasserbau, Bepflanzungsplan, Vegetationspläne).


Am 30. Oktober referierte Herr Ing. Joachim Schneider vor ca. 20 Teilnehmern zu einem außergewöhnlichem Thema, „Von Bach bis Wagner. Das Schaffen Frankfurter Militärorchester um 1900“. Neben den Bildern stellte er ausgewählte Tonbeispiele vor. Die Militärorchester waren ein fester Bestandteil des Musiklebens in der Stadt. Auf dem Repertoire standen Konzerte mit klassischer Musik und die musikalische Begleitung von Aufführungen im Frankfurter Stadttheater. Bekannte Aufführungsorte waren damals das Carthausbad, der Viktoriagarten, das Schützenhaus und der Kaisersaal.

Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, informierte anschließend über seine neuesten Recherchen zur Umbenennung der Straßen in der ehemaligen Dammvorstadt durch polnische Behörden in Słubice im Oktober 1945 (veröffentlicht in H. 2/2007).


Die Sitzung am 21. November begann mit einer Gedenkminute für unser verstorbenes Mitglied, Herrn Manfred Krause (+ 4. November). Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern unseres Vereins und trug durch seine Beiträge über Ewald v. Kleist, Tzschetzschnow – Güldendorf  und seinen Gedichten zur Bereicherung des Vereinslebens bei. Danach sprach Vereinsmitglied, Herr Dr. Horst Engelke, in Weiterführung seiner Schulgeschichtsforschung über „Die Städtische Oberschule 1539 bis 1694“. In Gegenüberstellung der Lehrkonzepte vor und nach der Reformation arbeitete er heraus, dass es sich überwiegend um eine „Paukschule“ handelte, die nach der Methode „Vorsagen – Nachsagen – Üben – Einprägen“ funktionierte. Auch wenn sich die Religion und die Unterrichtsinhalte änderten, änderten sich nicht die Lehrmethoden. Die Schulaufsicht hatte nun nicht mehr der Bischof, sondern eine oberste Schulverwaltung.

Aus gegebenen Anlass sprach anschließend Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel zur Frage „Wann kam Hermine, die Witwe des letzten deutschen Kaisers, nach Frankfurt ?“ Der Referent beabsichtigte nicht, diese Frage abschließend zu beantworten, sondern sprach vielmehr über den Quellenwert bisher nicht oder nur wenig genutzter Dokumente des Stadtarchivs zu diesem Thema. Danach ist es wahrscheinlich, dass Hermine von Preußen schon am 3. November 1945 in Frankfurt (Oder) eintraf.


Am 11. Dezember fand die letzte Sitzung im Geschäftsjahr statt, an der zehn Mitglieder und 12 Gäste teilnahmen. Die Vereinsmitglieder, Herr Restaurator Bernhard Klemm und Herr Reinhard Buchholz, sprachen „Zur Bau- und Nutzungsgeschichte der ehemaligen Mädchenberufsschule in der Potsdamer Straße“. Die Ausführungen und gezeigten Bilder beleuchteten die sehr wechselvolle Nutzungsgeschichte und die baulichen Veränderungen. U.a. war das Gebäude 1944/45 als Reservelazarett Nr. 106 genutzt worden und Ende der 50-er Jahre war es die erste Betriebs- und Ausbildungsstätte des Frankfurter Halbleiterwerkes. Heute befindet sich dort das bbw (Berlin-Brandenburger Bildungswerk). Herr OA Targiel  zeigte ein kürzlich vom Stadtarchiv erworbenes Fotoalbum, vermutlich von einer Frankfurter Zahnarztfamilie, das z.T. sehr interessante stadtgeschichtliche Aufnahmen enthält.


2008


Die Jahreshauptversammlung fand am 29. Januar im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 11 Mitglieder und vier Gäste.

Im öffentlichen Teil zeigte Vereinsmitglied, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, zwei Filmebeiträge aus den Beständen des Stadtarchivs, einen DEFA-Augenzeugen aus dem Jahre 1950 und „Ansichtskarten aus Frankfurt“ aus dem Jahre 1977. Anschließend wurden interessante Neuzugänge zur Frankfurter Geschichte vorgestellt. 

Vereinsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, zeigte eine Bass-Tuba der Musikinstrumentenfabrik Altrichter vom Ende des 19. Jahrhunderts, die das Museum Viadrina erworben hatte. Vereinsmitglied, Herr Horst Voigt, präsentierte Originalbriefe aus der Frankfurter Zeit des Architekten Martin Kießling. Herr Targiel stellte den Nachlass von dem in Frankfurt sehr bekannten Biologie-Lehrer Gerhard Schmidt – Bio- Schmidt – vor. Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider, informierte über das Buch von Gerald Ramm, „Endstation Oderfront“, zu dem er selbst Beiträge lieferte. Weiterhin machte er die Anwesenden mit einem interessanten vergleichenden Kartenmaterial in der Zeitschrift „Zentrum“ bekannt. Dort sind zwei Stadtpläne von Frankfurt (Oder) aus den Jahren 1925 und 2007 „übereinander montiert“, um die städtebauliche Entwicklung anschaulich zu machen.


Am 19. Februar fand die nächste Sitzung wie auch die folgenden im Stadtarchiv statt, an der 19 Mitglieder und neun Gäste teilnahmen. Zunächst zeigte Herr OA Targiel aus den Beständen des Stadtarchivs ein Video „Bauplatz an der Oder“, in dem es um die Zentrumsbebauung der Oderstadt ging.

Das Hauptreferat hielt Vereinsmitglied, Herr Dr. Horst Engelke, zum Thema „Die Friedrichschule – Rivalin der Lateinschule“. Am 1. Juli 1694 wurde die Friedrichschule eröffnet, dem Geburtstag des Namenspatrons, des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III.. Die Schule gehörte zur reformierten Gemeinde; zahlreiche Professoren der Universität Viadrina waren im Schulaufsichtsgremium. Der Autor hat in seiner vergleichenden Analyse mit der älteren Lateinschule neue Aspekte der Frankfurter Bildungsgeschichte vorgestellt.

Danach zeigte Herr Targiel als Neuerwerbung des Stadtarchivs ein Gemälde von Hans Salzmann.


Auf der Sitzung am 11. März 2008, an der 22 Personen teilnahmen, wurden als neue Mitglieder Herr Udo Harttung (Ingolstadt) und Herr Jens Kleuckling (Frankfurt (Oder)) einstimmig in unseren Verein aufgenommen. Her Harttung ist Nachfahre einer alten Frankfurter Kaufmannsfamilie, die in der Dammvorstadt eine Wachsfabrik betrieb.

Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel hielt das Hauptreferat „Vom Verschönerungsverein in Frankfurt (Oder)“ (veröffentlicht in H. 2/2008). Die Arbeit des Vereins trug wesentlich zur Verschönerung der Oderstadt bei. So wurden auf Vereinsinitiative u.a. der Alinen- Brunnen, der Springbrunnen im Schwanenteich und der Kleist-Turm errichtet. Zur Hebung des Fremdenverkehrs initiierte der Verein erste Stadtführer. Der Referent gab mit zahlreichen Bildern einen Überblick über die Vereinsgeschichte bis hin zur Fusion mit dem Verkehrsverein 1933 und 1941 zum Fremdenverkehrsverein. Mit diesem Beitrag stellte Herr Targiel erstmals den Verschönerungsverein in seiner ganzen Wirkungsbreite vor.


Die Sitzung am 29. April fand im Museum VIADRINA statt. Herr Dr. Martin Schieck stellte den 22 Anwesenden die Sonderausstellung „Verliebt – verlobt – verheiratet“ vor. Die mit zahlreichen Leihgaben, darunter von einer deutschen Familie in Argentinien, dem Stadtarchiv, der evangelischen Kirchengemeinde, gestaltete Hochzeitsausstellung gab interessante Beispiele aus der Oderstadt, die in die Kulturgeschichte des Heiratens eingebettet waren. Erstmals in einer Ausstellung wurden Trauregister verschiedener Konfessionen gezeigt.


 Vereinsmitglied Dr. Martin Schieck führt durch die Ausstellung.

An Hand von Kirchenakten und Hochzeitsordnungen sind ganz verschiedene Hochzeitsvorbehalte bis hin zu Verboten und Ehescheidungen thematisiert worden.

 Die Ecke mir einem "Schnelltest"

Vereinsmitglied Jens Kleuckling bei der "Anprobe".


Die Mai- Sitzung am 27.05.2008 fand wieder im Stadtarchiv statt. Zunächst sahen die 11 Mitglieder und 17 Gäste Ausschnitte aus der Rohfassung eines Filmes, der Frankfurt am 14. April 1990 zeigt.

Frau Jystina Gralak referierte zum Thema „’Zu kleines Brot, zu dünnes Bier’ – unehrliche Handwerker im mittelalterlichen Frankfurt (Oder)“. Ausgehend von der Definition „Fälschung“ und „Warenfälschung“ seit der Antike untersuchte die Autorin im weiteren anhand von schriftlichen Quellen Betrugsfälle im mittelalterlichen Frankfurt.

Herr Targiel stellte zwei neue Publikationen vor: „Das jüdische Brandenburg“ und „Das Feuerwehrwesen in Frankfurt (Oder) und Umgebung“. Im erstgenannten Buch sind im Essayteil Beiträge zu jüdischen Studenten an der Viadrina und zum hebräischen Buchdruck in der Oderstadt von Herrn Targiel enthalten. 


Am 30. September 2008 fand die erste Sitzung nach der Sommerpause statt, an der 17 Personen teilnahmen. Wiederum zeigte Herr Targiel vorweg einen Film aus der Sammlung des Stadtarchivs. „Treffpunkt Atelier“ berichtete 1968 von einem Besuch beim Bildhauer Walter Kreisel.

Herr Dr. Horst Engelke sprach über „Frauen und Mädchen in der Bildung“, indem er nach einer allgemeinen Einführung in die Bildungsgeschichte der Frauen erstmals für Frankfurt (Oder) konkrete Aussagen zur schulischen Bildung der Mädchen vorstellte.

1556 gab es in Frankfurt für kurze Zeit eine erste Jungfernschule, dann erst nach 1800 eine Schule für höhere Töchter. In seinen weiteren Ausführungen beleuchtete er die Schulentwicklung für Mädchen in verschiedenen Etappen bis zum Kleist-Lyzeum.

Herr Targiel stellte anschließend vier Einzelporträts aus dem Nachlass des Kunstlehrers Petersen vor.


Zur Sitzung am 28. Oktober kamen 15 Mitglieder und 32 Gäste. Es sprach Herr Horst Voigt zum Leben des Architekten Hanns Martin Kießling. In einem ersten Teil berichtete er über die Familiengeschichte und Entwicklung Kießlings bis 1921. Die gemeinsam mit dem Verein „DenkMal Kießling- Haus“ durchgeführte Veranstaltung fand ein sehr großes Interesse.


Referent Vereinsmitglied Horst Voigt.


 Auch am 18. November referierte Herr Horst Voigt über Hanns Martin Kießling, dieses Mal vor 36 Teilnehmern. Im Mittelpunkt des zweiten Teils seiner umfangreichen Arbeit über den Architekten stand das Leben und Wirken Kießlings in Frankfurt (Oder). Mit den Ostmarkbauten setzte Kießling markante städtebauliche Akzente in der Stadt, die heute unter Denkmalschutz stehen. Herr Voigt konnte in beiden Referaten zahlreiche neue Erkenntnisse präsentieren, die in den beiden gemeinsamen Sitzungen mit dem Verein „DenkMal Kießling-Haus“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Die Vorträge ergänzte der Autor mit einer kleinen Präsentation von Originalen aus dem Nachlass Kießlings.   


Die Sitzung am 9. Dezember besuchten 14 Personen. Sie fand im Museum VIADRINA statt, wo Frau Dr. Sonja Michaels, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, ihre Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit der diesjährigen Weihnachtsausstellung „Weihnachtsbaumschmuck gestern und heute“ vorstellte.

Anschließend wurden die Filme „Frankfurt-Impressionen“ und „Machen Kleider Leute?“ gezeigt.

Herr Dr. Martin Schieck stellte das neue Jahrbuch 2008/09 des Fördervereins des Museums VIADRINA vor. Enthalten ist die Dissertation von Frau Dr. Monika Kilian-Buchmann „Frankfurt (Oder) im 13. und 14 Jh.. Untersuchungen zur Bevölkerungsstruktur und Siedlungsentwicklung“. Das Geschäftsjahr fand seinen Ausklang mit Kaffee und Dresdner Stollen.


2009


Die Jahreshauptversammlung fand am 27. Januar im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 17 Mitglieder und 11 Gäste.

Im öffentlichen Teil zeigte der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, aus der Sammlung des Stadtarchivs einen Film aus dem Jahre 1972 zur Verkehrsplanung im Bezirk Frankfurt (Oder).

Frau Anita Schmoll (Frankfurt (Oder)) hielt anschließend einen Vortrag über die Entwicklung, Bebauung und Nutzung des heutigen Messegeländes in Westkreuz. Die Geschichte des Messegeländes, die sie vor allem mit privaten Fotoaufnahmen illustrierte, reichte von der einstigen Ackerfläche bis zum Neubau der Messehalle I.


Wie bei den meisten anderen Sitzungen tagte der Verein am 24. Februar auch wieder im Stadtarchiv. Referent war Vereinsmitglied, Herr Horst Voigt, der im dritten Teil seiner Studien zum Leben und Wirken des Architekten Hanns Martin Kießling über seine Kölner und Danziger Zeit bis zur Verdrängung aus dem Amt durch die Nationalsozialisten berichtete. Anwesend waren 24 interessierte Zuhörer, darunter Mitglieder des Vereins DenkMal Kießlinghaus e.V..


Gleich in der nächsten Sitzung am 31. März stellte Her Voigt den vierten Teil seiner Forschungsergebnisse vor. Im Mittelpunkt standen die Planung und der Bau des Mausoleums für den abgedankten Kaiser Wilhelm II. in Doorn und Kießlings letzte Lebensjahre. 33 Personen kamen zu diesem Vortrag.

Zu beiden Vorträgen zeigte der Referent zahlreiche Abbildungen, darunter viele, die in Frankfurt noch nicht bekannt waren, die er von der Tochter des Architekten erhalten hatte. Mit seinen langjährigen Forschungen gelang es Herrn Voigt, bisherige Forschungsdefizite in der Frankfurter Architekturgeschichte zu schließen.


Die Sitzung am 28. April fand im Museum Viadrina statt, an der 12 Mitglieder und 33 Gäste teilnahmen. Vereinsmitglied, Herr Eckhard Reiß, stellte neue Forschungsergebnisse zur Geschichte des Frankfurter jüdischen Begräbnisortes unter dem Titel „Der gute Ort – der jüdische Friedhof Frankfurter (Oder) – Słubice“ vor. In seiner Friedhofgeschichte ging der Vortragende insbesondere auf die letzte Nutzungszeit bis 1945 ein. Die letzte jüdische Beerdigung fand 1944 statt.


Referent Vereinsmitglied Eckhard Reiß.

In einem weiteren Teil seiner Ausführungen berichtete er über die Aktivitäten und Probleme zur Wiederherstellung der Friedhofsanlage. Hervorzuheben ist auch, dass sich Herr Reiß als Frankfurter Bürger persönlich in dieser Angelegenheit sehr aktiv engagiert.

Besonders interessant waren seine Aussagen zur Zerstörung der Frankfurter Synagoge. Nach seinen Erkenntnissen brannte der Baukörper 1938 während der Reichspogromnacht zwar innen aus, überstand aber die Zerstörungen und Brandschatzungen 1945. Selbst auf einem Foto von 1946 steht die Synagoge noch. Vermutlich ist sie erst nach 1948 mit der Niederlegung der übrigen Ruinen von den neuen Stadtoberen abgerissen worden. Herr Reiß regte an, den Text auf dem Synagogenstein zu präzisieren.


Die Maisitzung am 26.05.2009 fand wiederum im Museum Viadrina statt. Vor 11 Mitgliedern und neun Gästen erinnerte Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, an den 125. Jahrestages der Entdeckung des Diphtherie-Erregers durch den in Frankfurt (Oder) geborenen Prof. Dr. Friedrich Loeffler.

Im Hauptteil führte Vereinsmitglied, Frau Dr. Vera Kliemann, durch die von ihr kuratierte Ausstellung „Von der Eiszeit bis zur Stadtgründung – Spurensuche im Oderland“. Seit langem gab es damit wieder eine Ausstellung zur Archäologie in Frankfurt (Oder).

Außerdem wurden an diesem Abend einstimmig zwei neue Mitglieder aufgenommen: Herr Dipl.-Kaufmann Joachim Wagner (Meerbusch), dessen Vater als Arzt in Frankfurt wirkte, und Herr Ralf Look (Frankfurt (Oder)), der als Journalist bei der Märkischen Oderzeitung tätig ist.


Nach der Sommerpause fand die nächste Sitzung am 22. September wieder im Stadtarchiv statt. Zu ihr kamen 17 Mitglieder und 11 Gäste. Vereinsmitglied, Herr Roman Carsten Höft, informierte über die Verlegung von „Stolpersteinen“ in Frankfurt (Oder). Diese Aktion begann am 08. Mai 2006 und erinnert in der Regel an den letzten bekannten Wohnort von Personen in Frankfurt (Oder), die von den Nazis deportiert, ermordet oder verfolgt wurden. Neben den bereits verlegten 24 Steinen berichtete er über die Verlegung weiterer 18 Steine am 12. November (= 1) in Słubice und 13. November 2009 in Frankfurt (Oder) (= 17). Als Beispiel stellte Herr Höft „Das Schicksal der jüdischen Familie Rosenbaum aus Frankfurt (Oder)/ Amsterdam“ vor.


Am 13. Oktober führten die Vereinsmitglieder, Herr Dr. Martin Schieck und Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, sowie Frau Dr. Sonja Michaels 14 Mitglieder und acht Gäste durch die im Museum Viadrina  gezeigte Ausstellung „Mirakel des Hauses Brandenburg“. Stadtarchiv, Museum Viadrina und Kleist-Museum hatten anlässlich der 250. Wiederkehr der Schlacht bei Kunersdorf in einem gemeinsamen Projekt eine Ausstellung gestaltete, die an zwei Orten zu sehen war. Der zweite Teil der Ausstellung im Kleist-Museum trug den Untertitel „Mein Herz ist wund, doch darf ich’s nicht bekennen...“ und hatte Leben und Tod von Ewald v. Kleist zum Inhalt. 

"Mirakel des Hauses Brandenburg" im Museum Viadrina.

Herr Buwert, trug ergänzend einige Passagen aus einem Vortrag vom 15. August 1861 vor. Der königliche Regierungsarchivar Einbeck referierte damals über „Hauptmomente aus dem Leben des Dichters und Helden Ewald Christian von Kleist und Geschichte seines zum 24. August 1861 renovirten Denkmals“. Da dieser Vortrag nicht in der Reihe der damaligen Vereinsmitteilungen publiziert wurde, wollen wir ihn in einer unserer Vereinsmitteilungen mitteilen.


„Meine ‚unfreiwillige Reise’ von Frankfurt (Oder) nach Bautzen. Ein Erlebnisbericht mit Dokumenten und Bildern“ – so lautete der Titel des Vortrages von Herrn Dieter Rother (Essen) am 17. November im Stadtarchiv. Herr Rother berichtete von seinen Erlebnissen in Frankfurt (Oder), wo er wegen angeblicher „konterrevolutionärer Propaganda“  vom sowjetischen KGB verhaftet, von einem sowjetischen Militärtribunal zu „10 Jahren Freiheitsentzug im Arbeits- und Besserungslager, mit Einzug des Vermögens“ verurteilt wurde und im berüchtigten „Gelben Elend“ in Bautzen und im „Roten Ochsen“ in Halle/ Saale verbüßen musste. U.a. machte der Referent auf den Widerspruch zwischen der Verfassung der DDR 1949 und der Praxis 1950 am Beispiel seiner Abholung durch deutsche Behörden und seine unrechtmäßige Übergabe an Sowjetorgane in der Sophienstraße aufmerksam.


 Am 15. Dezember fand die letzte Veranstaltung im Kalenderjahr statt. Vereinsmitglied, Frau Dr. Sonja Michaels, führte durch die von ihr erarbeitete und gestaltete Ausstellung „Heimliche Männerträume – Faszination Modelleisenbahn“ im Museum Viadrina. Neben Modelleisenbahnen gab es auch Informationen zur Frankfurter Eisenbahngeschichte und für die Anwesenden ein Gläschen Glühwein.


2010


Die Jahreshauptversammlung fand am 26. Januar im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 15 Mitglieder und vier Gäste.

Im öffentlichen Teil zeigte der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, aus dem Bestand des Stadtarchivs Filmaufnahmen vom 14. April 1990. Damals wurde der bauliche Zustand Frankfurts in einem Spaziergang mit einer Videokamera festgehalten.

Anschließend sprach unser Vorstandsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, über die „Junkerstr. 10. Von der Böttcher-Gesellen-Herberge zur Gaststätte ‚Oderterrasse’“. Zum einen zeigte der Referent die architektonisch- bauliche Entwicklung von den ältesten, in den Bauakten erhaltenen Zeichnungen des frühen 18. Jh. bis zu den Privataufnahmen des letzten Gaststättenbetreibers in den 50-er Jahren des 20. Jh.. Zum anderen ging er auf das Herbergswesen, insbesondere der Böttchergesellen ein. Zahlreiche Bilddokumente veranschaulichten die Darstellung eindrucksvoll.


Am 23. Februar sprach unser Vereinsmitglied, Herr Horst Voigt, über „Wildenhagen ─ der Name dieses Dorfes steht für das Massenselbstmord-Drama kurz vor Kriegsende“ (veröffentlicht in H. 1/2010). Anwesend war dazu eine Zeitzeugin, Frau Adelheid Nagel geb. Schmarr (jetzt Frankfurt (Oder)), die ihre Kindheit in Wildenhagen (heute Lubin) jenseits der Oder verlebte. Sie hatte über ihre Erlebnisse ein Buch unter dem Titel „Mein Leben“ herausgegeben, auf das der Referent Bezug nahm und Auszüge daraus vortrug.

Referent Vereinsmitglied Horst Voigt.

Zeitzeugin Frau Adelheid Nagel (rechts).

In der Nacht des 31. Januar 1945 nahmen sich fast alle Frauen Wildenhagens in einer Art Angstpsychose vor der anrückenden Roten Armee das Leben. Zuvor töteten sie auch ihre Kinder. Darunter sollte auch Adelheid Schmarr sein, die aber am nächsten Tag von russischen Soldaten gerettet wurde. Insgesamt nahmen sich von den etwa 480 Einwohnern 86 bis 100 Menschen das Leben.

Nach den einführenden Worten zeigte Herr Voigt die Filmdokumentation „Die Nacht von Wildenhagen“, die der WDR und arte 2004 ausgestrahlt hatten. An der Veranstaltung nahmen 30 Personen teil.

Damit wurde ein Thema angeschnitten, das für die Frankfurter Geschichte bisher auch noch nicht aufgearbeitet ist.


Die Sitzung am 31. März fand dieses Mal im Museum Viadrina statt. Gekommen waren etwa 30 Personen.

Anlässlich der Gründungsversammlung des Historischen Vereins am 26. März 1990 stießen die Anwesenden zunächst auf dieses Jubiläum mit einem Glas Sekt an.

In einem Kurzbeitrag informierte dann Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, über die Arbeit und die Auflösung des Kreisverbandes der Heimkehrer, Kriegsgefangenen, Vermisstenangehörigen (VdH) (veröffentlicht in H. 1/2010). Die Unterlagen des Kreisverbandes wurden inzwischen dem Stadtarchiv übergeben.


Kriegsveteran Erich Schreiber zwischen Vereinsvorsitzenden Dipl.- Lehrer Wolfgang Buwert /(links)
und Vereinsmitglied Dr.Klaus Eichler (rechts).

Im Hauptteil berichtete Herr Erich Schreiber (Frankfurt (Oder)) über seine „Zeit der Entscheidungsfindung“. Er war Wehrmachtsoldat und machte die Schlacht um Stalingrad mit, die er als Kriegsgefangener überlebte. Weiterhin erzählte er über seine persönlichen Erfahrungen an der Antifa- Schule in Tschuma.


Am 27. April fand die nächste Sitzung statt. Im Kurfürstensaal des Museums Viadrina referierte Herr Dipl.-Architekt Christian Nülken (Frankfurt (Oder)) vor 11 Mitgliedern und neun Gästen über „Cornelys Reykwart: sein architektonisches Wirken in Brandenburg und Anhalt“.


Referent Dipl.-Architekt Christian Nülken.

An einer originalen Wirkungsstätte Reykwarts, nämlich dem Junkerhaus in Frankfurt (Oder), erfuhren die Anwesenden interessante Details und Zusammenhänge aus dem Leben und Wirken des Architekten und Baumeisters. Unter seiner Leitung erfolgte der barocke Umbau des Junkerhauses im 17. Jh..


Auch die Maisitzung am 11.05.2010 wurde wieder im Museum Viadrina durchgeführt. 13 Mitglieder und acht Gäste nahmen daran teil. Referent war Herr Dieter Rother (Essen), der seine Kindheit und Jugendzeit in Frankfurt verbracht hat und der bereits 2009 bei uns einmal sprach (veröffentlicht in H. 2/2009). „Frankfurt (Oder) – Biegen und zurück“ nannte er seinen Vortrag, in dem er über seine Erinnerungen an die Evakuierung, Rückkehr und ersten Nachkriegsjahre sprach. 1997 legte er dazu noch einmal zu Fuß denselben Weg zurück, den er mit seiner Mutter und seinem Bruder bis 1948 oftmals gegangen war. Biegen war das Ziel. Dort halfen sie auf einem Bauernhof, um Nahrungsmittel zu erhalten, die in den schweren Jahren das Überleben sichern halfen.


Referent Herr Dieter Rother beim Vortrag.


Nach der Sommerpause traf sich der Verein am 28. September erneut im Kurfürstensaal des Museums Viadrina. 14 Mitglieder und sechs Gäste waren zu dieser Veranstaltung gekommen.


Vereinsmitglied Ing. Joachim Schneider.

Am Anfang machte Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider, einführende Be­merkungen zu den „Stationen auf den Schicksalswegen der Kriegsgefangenen“. Dazu stellte er ein von ihm entwickeltes Schema zu den „Wegen der Kriegsgefangenen und Heimkehrer“ vor (veröffentlicht in H. 1/2010).

Den Hauptteil des Abends bestritt Frau Heidemarie Bucki (Sangerhausen), Tochter des ehemaligen stellvertretenden Leiters des Heimkehrerlagers Gronenfelde, Paul Rösch. Sie las aus ihrem Buch „Das Lager. Über das größte Heimkehrerlager des Ostens in der vergessenen Stadt Frankfurt/Oder und den Überlebenskampf einer jungen Familie“. Ihr Anliegen war es dabei. Leser anzusprechen, die mit der Heimkehrer- Problematik nichts zu tun hatten und diese jetzt dafür zu interessieren.


Autorin Frau. Heidemarie Bucki bei der Buchlesung.

Dafür hatte sie eine feminin-emotionale Schreibweise gewählt, tlw. aus dem Blickwinkel eines Kindes. Mit ihrem Buch ging es Frau Bucki auch darum, die Leistungen der Stadt Frankfurt (Oder) als „Schlüsselstadt“ für die Heimkehrer wieder mehr in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Der Historische Verein beschäftigt sich bereits seit über 15 Jahren intensiv mit dieser Thematik und unterstützt deshalb Frau Buckis Anliegen.


Die Sitzung am 26. Oktober fand wieder im Stadtarchiv statt. Herr Michael Annuß, Bauamtsleiter der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder), sprach vor 17 Anwesenden zum Thema „Frankfurt (Oder) – Stadt im Wandel. Entwicklung seit 1990 und Ausblick bis 2030“. Er stellte die Sanierungs- und Entwicklungsgebiete der Stadt vor: 1. ehemalige Altstadt, 2. südöstliches Stadtzentrum, 3. Fischerstr./ Walter- Korsing- Str., 4. Gubener Str./ Lindenstr. und 5. Altberesinchen. Mit zahlreichen graphischen Darstellungen ging er auf die Entwicklungsziele, die Investitionen und die Herausforderungen bis 2030 ein. Ausgehend von einer Einwohnerzahl von 59.290 Menschen im Jahre 2010 prognostizierte Herr Annuß für 2030 ca. 48.000 Einwohner.

In der Diskussion regte Herr Schneider zusätzlich eine Erinnerungstafel für Alexander v. Humboldt auf dem Universitätsplatz an.

Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel stellte anschließend in einem Kurzbeitrag Prof. jur. Samuel Stryk anlässlich seines 300. Todestages vor. Der aus Lentzen/ Elbe stammende Stryk hatte in Frankfurt (Oder) studiert und 1672 eine Professur an der Juristischen Fakultät übernommen. 144 Drucke von ihm sind im Stadtarchiv überliefert. Sein später an der Hallenser Universität berühmt gewordener Schüler war der Jurist Christian Thomasius.


Am 23.11.2010 referierte Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel im Stadtarchiv über zwei für die Frankfurter Stadtgeschichte bedeutsame Persönlichkeiten. Zu den Beiträgen waren 18 Personen gekommen, darunter der Leiter des Oberstufenzentrums „Konrad Wachsmann“, Herr Bernd Wagner.

Zunächst sprach Herr Targiel über Eduard von Simson anlässlich dessen 200. Geburtstages. Simson war u.a. Präsident der Frankfurter Nationalversammlung und stand an der Spitze der Deputation, die am 03. April 1849 König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone antrug. Seit 03. September 1860 war Simson Präsident des Appellationsgerichtes in Frankfurt (Oder). An Simsons ehemaligen Wohnhaus Halbe Stadt 20 hatte unser Verein am 02. Mai 1991 dank Herrn Targiel die Wiederanbringung der alten Gedenktafel des Historisch-Statistischen Vereins initiiert und organisiert.

Im zweiten Beitrag beschäftigte sich der Referent anlässlich des 30. Todestages mit Konrad Wachsmann. Der 1901 in der Oderstadt geborene Apothekersohn entwickelte sich zu einem bedeutenden Vertreter des industriellen Bauens. Nach seinem Tode am 25.11.1980 in Los Angeles wurde seine Urne auf eigenen Wunsch auf dem Frankfurter Hauptfriedhof am 10.12.1981 beigesetzt. Herr Targiel stellte u.a. auch ein von Wachsmann entworfenes Holzhaus vor, dessen Standort heute unbekannt ist. Er bat die Anwesenden um Mithilfe bei der Standortsuche.


Am 14. Dezember trafen sich 12 Mitglieder zu einem gemütlichen Jahresausklang im Zentrum für Begabtenförderung in der Puschkinstraße bei Glühwein und Spekulatius. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr Jens Kleuckling, ermöglichte uns dieses Zusammensein. Er engagiert sich besonders für dieses Zentrum.


Gemütlichen Jahresausklang im Zentrum für Begabtenförderung.

Frau Dr. Sonja Michaels stellte drei Neuerwerbungen des Museums vor, von denen zwei in der geplanten Ausstellung zur Steingutfabrik Paetsch 2011 zu sehen sein werden. Herr OA Targiel berichtete über den Erwerb des Nachlasses des Musikers Willy Post. Zu Gehör brachte er auch ein humoristisches Gedicht des Architekten Willy Schönfelder (Vater des bekannten Schauspielers Friedrich Schönfelder), der über die Zustände in der Wohnung unter ihm reimte. Er berichtete amüsant über Musikabende, Proben und Unterrichtsstunden der Familie Post.

Dr. Schieck zeigte zwei Fotos aus den Frankfurter Nachkriegsjahren und stellte die Datierung zur Diskussion. Herr Buwert stellte einige neu erworbene Fotos zur Frankfurter Militärgeschichte vor.

Im Anschluss tauschten sich die Mitglieder zu den Vorhaben im Jahr 2011 aus.


2011


Am 25. Januar 2011 fand am altbewährten Sitzungsort, im Stadtarchiv die Jahreshauptversammlung statt. Anwesend waren über 20 Mitglieder und Gäste.

Zuerst zeigte der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, den Film „Messerscharf“ aus der Filmsammlung des Stadtarchivs.

Im öffentlichen Teil sprach unser Mitglied, Herr Dr. Horst Engelke, über „Die Schulreform von 1809 und ihre Auswirkungen in Frankfurt (Oder)“. U.a.stellte er eine Rektorenliste der Frankfurter Lateinschule vor. Nach dem Urteil des Oberpfarrers Christian Wilhelm Spieker kümmerte sich die Frankfurter Stadtverwaltung mehr um kaufmännische Angelegenheiten, weniger um die schulischen Inhalte. Ab 1813 gab es in Frankfurt eine neue Schulstruktur. Mit diesem Referat setzte Dr. Engelke seine Studien zur Frankfurter Schulgeschichte fort.


Die nächste Sitzung fand am 22. Februar 2011 wiederum im Stadtarchiv statt. Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel zeigte den Anwesenden aus der Stadtarchivsammlung zunächst den vom Frankfurter AFC gedrehten Arbeitsschutzfilm „Die eine Sekunde“ aus dem Jahre 1969. Danach sprach Ver­einsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, über Dr. med. Michael Gehring, der im Heimkehrerlager, im Heimkehrerlazarett am Westkreuz, in der ersten Frankfurter Poliklinik und zuletzt als Staatssekretär im Ministerium für Gesundheitswesen der DDR tätig war. Dr. Eichlers Vortrag stand in Zusammenhang mit der 65. Wiederkehr der Eröffnung des Heimkehrerlagers Gronenfelde am 27. Juli 1946.


In der März-Sitzung am 29.03.2011 sprach im Stadtarchiv als Gast, Herr Prof. Dr. em. Dieter Lelgemann, über „Was Ptolemaios über den Viadrus berichtet – Die Entzerrung der antiken Karten mit Hilfe moderner Rechner“. Zu dieser Veranstaltung, die unser Mitglied, Herr Ralf Loock, organisiert hatte, kamen 14 Mitglieder und 27 Gäste.

Referent Prof. Dr. Lelgemann im Stadtarchiv.

Die Einführung zum Referat übernahm ebenfalls Herr Loock. Am Anfang von Prof. Dr. Lelgemanns Referat standen ausführliche Informationen zu den Quellen und zu den bei der Entzerrung der Karten angewandten Methoden. Durch diese Methoden konnten tlw. Genauigkeiten zu heutigen Standorten bis auf 15 Kilometer erreicht werden. Sogar bisher unbekannte Orte könnten dadurch lokalisiert und archäologisch untersucht werden. Prof. Lelgemanns Aussagen wurden für die Anwesenden durch zahlreiche Abbildungen und Karten verständlicher. Nach seinen Erkenntnissen ist zu vermuten, dass die Oder auf Grund von Deutungen der Ptolemei’schen Datenkenntnisse aus dem 16. Jahrhundert fälschlicherweise den Namen „Viadrus fluvius“ erhielt. Der Referent bestätigte damit die schon seit Jahren in Frankfurt bestehenden Hypothesen.


Auf der Sitzung am 19. April 2011 zeigte im Stadtarchiv Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel zunächst wiederum einen Film aus der Sammlung des Stadtarchivs – „Gitarre und Facharbeiterbrief“ aus dem Jahre 1973. Anschließend wurde ein Vorschlag von OMR Dr. Klaus Eichler zur Standortmarkierung des Heimkehrerlagers Gronenfelde diskutiert. (Diese erfolgte am 13.11.2011.) Im Hauptteil führte Herr OA Targiel durch die Ausstellung des Stadtarchivs „Familie Post – ein Leben für die Musik“.

Ausstellung „Familie Post – ein Leben für die Musik“ im Stadtarchiv.

 

Die Grundlage der Ausstellung bildete der dem Stadtarchiv geschenkte Nachlass des Geigenvirtuosen, Orchesterleiters und Musikpädagogen Willy Post, der von einer Praktikantin aufgearbeitet worden war. Zu dieser interessanten und kurzweiligen Ausstellung mit einigen Ausstellungsstücken, die weit über Frankfurt hinaus von Bedeutung sind, kamen 13 Personen.


Die letzte Sitzung vor den Sommerferien fand am 31. Mai 2011 im Kurfürstensaal des Museums VIADRINA statt. Frau Dr. Monika Nakath vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam sprach über „Jüdische Opfer der NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik im Spiegel archivalischer Quellen des BLHA“. U.a. machte sie Ausführungen zu Deportationen von Juden aus Frankfurt (Oder) und dem gleichnamigen Regierungsbezirk. Dazu verwies sie auf die konkreten Aktenbestände im Potsdamer Archiv, deren Auswertung trotz Kriegsverluste weitere Forschungsergebnisse erwarten lassen.


Im September fand keine Vereinssitzung statt.


Zur nächsten Veranstaltung des Vereins wurde am 25. Oktober 2011  wieder in den Kurfürstensaal des Museums VIADRINA eingeladen. 13 Mitglieder und fünf Gäste waren zum Vortrag von Vereinsmitglied, Herrn Udo Harttung, gekommen. In einem reich bebilderten Vortrag stellte der gebürtige „Dämmler“ eine der ältesten Frankfurter Firmen vor. Die Familie Harttung betrieb bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts in der Frankfurter Dammvorstadt eine Wachswarenfabrik. Nach Kriegsende gelang dem Vater von Herrn Harttung auf dem Gelände der Steingutfabrik Paetsch ein Neuanfang. Wegen politischer Diffamierung und Verhaftung verließ die Familie Harttung 1953 nach 192 Jahren und sieben Generationen ihre Heimatstadt Frankfurt (Oder) und die DDR. Interessant waren auch Harttungs Ausführungen zu den verwandtschaftlichen Beziehungen der Frankfurter Familien Harttung, Lienau und Petersen. Als Überraschungsgeschenk überreichte der Referent den Anwesenden eine handgefertigte Wachskerze. Die liebevoll an der Kerze befestigte Widmung erinnert an die Veranstaltung unseres Historischen Vereins am 25. Oktober 2011.


In der November-Sitzung am 22.11.2011, wiederum im Museum VIADRINA, referierte als Gast Frau Dipl.-Archivarin Sabine Hank vom Centrum Judaicum Berlin vor zehn Mitgliedern und vier Gästen über „Martin Salomonski – ein Feldrabbiner aus Frankfurt (Oder)“. Der jüdische Rabbiner, an dessen Schicksal auch ein Stolperstein in der Nähe des Synagogen-Gedenksteins in der Karl-Marx-Straße erinnert, wohnte in der Lindenstr. 6 und war auch Präsident der Hardenberg-Loge. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig als Seelsorger zum Kriegsdienst. Über seine Fronterlebnisse sowie die Tätigkeit jüdischer Rabbiner an der Westfront veröffentliche er zwei Bücher. 1942 wurde Martin Salomonski mit seinen Kindern von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.

Vereinsvorsitzender Herr Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert, Gastreferentin Frau Dipl.-Archivarin Sabine Hank
und Vereinsmitglied Dr. Martin Schieck (v.l.n.r.) im Museum Viadrina.

Danach sprach Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, „Zu den Grabungen am Jüdischen Friedhof“. Ausgehend von dem Anfang der 60-er Jahre noch vorhandenen Friedhof stellte er in chronologischer Reihenfolge die etappenweise Zerstörung und Überbauung der Friedhofsanlage vor. Sehr anschaulich waren neben vielen unbekannten Sichten auf den Friedhof die Überblendungen von Stadtplanausschnitten aus verschiedenen Zeiten. Im ersten Quartal 2012 wird die Publikation „Makon tow – der gute Ort. Jüdischer Friedhof Frankfurt (Oder)/ Słubice“ erscheinen, die Herr Reiß entscheidend erarbeitet hat.


Zum Abschluss des Jahres trafen sich am 13. Dezember 24 Personen in der Sonderausstellung „Vom Aschenbecher bis zum Weihwasserkessel. Die Frankfurter Steingutfabrik Theodor Paetsch“ im Museum VIADRINA. Kuratorin dieser Ausstellung war unser Vereinsmitglied, Frau Dr. Sonja Michaels. Mit vielen Leihgaben trugen die Privatsammler, Vereinsmitglied, Herr MuR Wolfgang Brisch, und Herr Frank Budach, zu dieser sehr erfolgreichen Ausstellung bei. Zunächst berichtete Herr Brisch über das Zustandekommen beider Privatsammlungen. Herr Budach trug Passagen aus den Lebenserinnerungen von Frau Irmgard Paetsch vor, die nach dem Krieg und der Verhaftung und Internierung ihres Mannes den Betrieb leitete. Auch diese alt eingesessene Frankfurter Familie verließ 1953 aus wirtschaftlich-politischen Gründen Frankfurt (Oder) in Richtung Westberlin. Nach den Darstellungen erläuterten die beiden Herren den Anwesenden die Ausstellung. Beeindruckend waren u.a. die vielen Dekore der Tortenplatten und die „Küchenecke“.


2012


Die Jahreshauptversammlung fand am 31. Januar 2012 im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 13 Mitglieder und fünf Gäste.

Im öffentlichen Teil sprach Vereinsmitglied, Herr Restaurator Bernhard Klemm, „Zur Baugeschichte des Lutherstiftes“. In dem sehr gut bebilderten Vortrag stellte er die verschiedenen Bauetappen des Lutherstiftes in der heutigen Heinrich-Hildebrandt-Straße vor. Die Keimzelle dieser Einrichtung befand sich jedoch in der Sophienstr. 60. Dank seiner umfangreichen Ansichtskarten- und Fotosammlung konnte der Referent u. a. auch die Kapelle mit dem ursprünglichen Christusbild und weiteren Ausmalungen zeigen.

Diakonissenhaus des Lutherstiftes Frankfurt (Oder).

Im nichtöffentlichen Teil wurde satzungsgemäß das Geschäftsjahr 2011 abgeschlossen, nach Entlastung des alten Vorstandes der neue Vereinsvorstand gewählt und Maßnahmen, Themen und Termine für das neue Geschäftsjahr des Vereins beschlossen.


Die nächste Sitzung fand am 28. Februar wiederum im Stadtarchiv statt, zu der elf Mitglieder und neun Gäste kamen. Vorstandsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, trug einen Aufsatz von unserem ehemaligen Vereinsmitglied, Herrn Dr. Manfred Kalweit, vor. Sein Thema lautete „Die Entwicklung der NS-Bewegung in Frankfurt (Oder)“. Dr. Kalweit stützte sich vor allem auf schriftliche Quellen des Stadtarchivs, insbesondere auf die Frankfurter Oder-Zeitung.

Vorstandsmitglied, Dr. Martin Schieck, beim Vortrag des Aufsatzes von Dr. Kalweit.

In einem weiteren Beitrag stellte Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, den Dammvorstadt-Verein vor. Ausgangspunkt war ein Artikel zum 50-jährigen Bestehen des Vereins in der Oder-Zeitung, der auf die Erinnerungen einer „Dämmlerin“ basierte (veröffentlicht in H. 2/2011).

Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, stellt den Dammvorstadt- Verein vor.


Die Sitzung am 27. März 2012 stand ganz im Zeichen des „Friedrich – 300“- Jubiläums. Sie fand deshalb im „Kartoffelhaus“ statt, zu der Seine Majestät, König Friedrich der Große, dargestellt von Herrn Peter Thätner, erschienen war.

Vor 15 Mitgliedern und 32 Gästen sprach der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel, über „Friedrichs Besuche in Frankfurt (Oder)“ (veröffentlicht in H. 1/2012). Der Autor stellte über 70 Besuche des Kronprinzen und späteren preußi­schen König in der Oderstadt fest. U.a. zitierte er aus einem Brief des Kronprinzen an Friedrich Wilhelm von Grumbkow vom 27. Dezember 1731. Darin schrieb Friedrich über seine Eindrücke vom Frankfurt-Besuch am Tag zuvor.

1786 fuhr Friedrich der Große letztmalig von Crossen kommend durch Frankfurt (Oder).

In einem weiteren Beitrag beschäftigte sich Herr OA Targiel mit dem Kartoffelanbau in Frankfurt (Oder) und den Kämmereidörfern (veröffentlicht in H. 1/2012). Dieser Vortrag erklärt auch den Sitzungsort „Kartoffelhaus“.


Seine Majestät, König Friedrich der Große, dargestellt von Herrn Peter Thätner,
 im Frankfurter Katoffelhaus.

Unser Vereinsvorsitzender, Herr Dil.-Lehrer Wolfgang Buwert,  während einer "Audienz beim Alten Fritz"
wieder im Frankfurter Katoffelhaus..

Ab 1748 begann in unserer Gegend der sehr zögerliche Kartoffelanbau, so dass der König immer wieder neue Erlasse herausgeben musste. Der Kartoffelanbau fing bei uns also nicht erst mit dem sog. „Kartoffelbefehl“ vom 24. März 1756 an, von dem in der Öffentlichkeit immer wieder behauptet wird, dass der preußische König damit den Kartoffelanbau in Brandenburg anordnete und somit hier 1756 der Anbau begann. Diese Ordre galt jedoch nicht für Frankfurt und die Churmark, sondern nur für Schle­sien. Erst nach 1765 setzte sich allmählich der Kartoffelanbau durch. Der Referent stellte anhand von ausgewerteten Akten des Stadtarchivs die Intensität des hiesigen Kartoffelanbaus dar. Danach hatten die Kliestower die größten Erträge. Amüsiert vernahmen die Zuhörer, dass es sogar Versuche gab, die Kartoffel zu Kartoffelkaffee zu verarbeiten.


Am 24. April sprach im Stadtarchiv Herr OA Ralf Rüdiger Targiel vor 16 Mitgliedern und sechs Gästen „Zum 500. Todesjahr des Humanisten Publius Vigilantius Axungia“ (veröffentlicht in H. 1/2012).

Zuvor gedachten die Anwesenden in einer Schweigeminute unseres am 3. April 2012 verstorbenen stellvertretenden Vereinsvorsitzenden, Herrn Jens Kleuckling.

Axungia, eigentlich Georg Schmerlin, wurde 1485 in Straßburg (Elsass) geboren. Er war der Festredner zur Frankfurter Universitätsgründung. Nach Ausführungen zum Leben des Humanisten stellte Herr Targiel im zweiten Teil seines Vortrags den Teil aus Axungias Rede vor, in dem dieser die Stadt Frankfurt (Oder) beschreibt. Er verfasste damit die erste Stadtbeschreibung Frankfurts. Axungia wurde mit nur 27 Jahren bei Wimpfen ermordet.

Danach stellte Herr OA Ralf Rüdiger Targiel sein neues Buch „Frankfurt (Oder) im Spiegel der Fotografien von L. Haase & Co./ Foto-Fricke“ vor (s. H. 1/2012).

Herr Targiel, der sich mehr als sechs Jahre mit dem Atelier Haase/ Fricke beschäftigt hatte, legte mit dem Buch die erste Geschichte des in Berlin 1856 vom Neustrelitzer Kunsthändler Leopold Haase begründeten, von 1890 bis 1999 in Frankfurt (Oder) etab­lierten Fotoateliers vor. Die weit zerstreute Quellenlage hatte dazu geführt, dass das Atelier trotz vieler Innovationen in der Frühzeit der Fotografie in der fotohistorischen Literatur nahezu vergessen war.


In der Mai-Sitzung am 22.05. sprach im Museum Viadrina vor acht Mitgliedern und elf Gästen Vereinsmitglied, Herr OMR Dr. Klaus Eichler, über „Frankfurter Mediziner und Medizineinrichtungen zur Zeit Friedrichs des Großen“. Ausgehend von dem Lazarett innerhalb der Sternschanze, die sich in der Dammvorstadt befand, über das Lazarett zwischen Gubener Mauerstraße und Logenstraße bis hin zum eigentlichen Garnisonslazarett in der damaligen Fürstenwalder Straße spannte der Referent den inhaltlichen und zeitlichen Bogen.


Nach der Sommerpause stand der große Preußenkönig nochmals auf der Tagesordnung. Am 25.09.2012 sprach im Museum Viadrina vor elf Mitgliedern und elf Gästen Herr Dr. Grzegorz Podruczny über „300 Jahre Friedrich II.: Kunersdorf und das europäische Machtgefüge“. Aus polnischer Sicht stellte er Friedrich II. als König, als Architekt und als Kriegsherr vor. Der eigentliche Forschungsschwerpunkt des Referenten, die archäologische Untersuchung des Kunersdorfer Schlachtfeldes von 1759 nahm dabei einen besonderen Platz ein. Dazu zeigte er umfangreiches Bildmaterial. Sechs weitere Forschungssaisons sollen u.a. Aufschluss über Grablagen der Gefallenen bringen (http://www.kunowice1759.pl/de/schlacht-bei-kunersdorf.html).

Friedrich der Große in der Schlacht bei Kunersdorf. Holzstich nach dem Gemälde von C. Biermann.

Der Vortrag von Frau Dr. Alexandra Kankeleit beschäftigte sich mit einem bildlich dargestellten Pferdsprung des Generals Friedrich Wilhelm von Seydlitz in die Oder. Aus­gangspunkt ihres Beitrages war ein Bild des Frankfurter Künstlers Achim Weidner, das dieser einem Freund zum Geburtstag schenkte.

Im Gegensatz zu ihrer Feststellung im Aufsatz „Friedrich Wilhelm Freiherr von Seydlitz-Kurzbach bei seinem Sprung in die Oder?“ im Buch „Gedanken zum Preußenkönig in den Oderstädten Frankfurt und Słubice – Friedrich Fryderyk 300“, „dass der Brückensprung in die Oder tatsächlich stattgefunden hat“, zog die Referentin jetzt das Resümee, dass die verschiedenen Darstellungen keinen eindeutigen Schluss zulassen, wo und ob überhaupt ein solcher Pferdsprung stattgefunden hat. In der Diskussion zu die­sem Beitrag meldete insbesondere Herr Wolfgang Buwert erhebliche Zweifel am Pferdsprung in die Oder an, die er anhand der Auswertung von Ansichten der Oderbrücke belegte.

In einem abschließenden Beitrag beschrieb der Vereinsvorsitzende, Herr Wolfgang Buwert, „Wie Kronprinz Friedrich zu seinem Kammerdiener Fredersdorf kam“ (veröffentlicht in H. 2/2012). Nicht in Küstrin, wie bis heute oftmals publiziert, sondern in Frankfurt (Oder) lernte Kronprinz Friedrich seinen späteren Kammerdiener kennen. Durch umfangreiche quellenkritische Recherchen konnte Herr Buwert einige weitere, häufig falsch mitgeteilte Angaben ausräumen. Zahlreiche Bilder ergänzten den Vortrag.


In der Sitzung am 30. Oktober, wiederum im Museum Viadrina, gedachten die Anwesenden in einer Schweigeminute unseres am 23. September 2012 verstorbenen Mitglieds, Herrn Orthopädieschuhmachermeister Günter Wilke.

Danach referierte Vereinsmitglied, Herr Eckard Reiß, „Zur Geschichte des Filmpalastes in der Frankfurter Dammvorstadt/ Słubice“ (veröffentlicht in H. 2/2012). Anlass für diesen Vortrag war der geplante Abriss des Gebäudes, den auch eine Initiative Słubicer Bürger nicht verhindern konnte und der inzwischen bis auf die denkmalgeschützte Fassade erfolgte. Vom 17. Januar 1925 mit der ersten Filmvorführung mit dem Film „Carlos und Elisabeth“ bis zum Januar 1945 wurden dort deutsche Filme gezeigt. Der Referent vermutet, dass die Vorführtechnik nach Kriegsende von der russischen Besatzungsmacht abgebaut und im Kino „Pobeda“ in Kruses Festsälen in der Leipziger Straße weiter verwendet wurde. Ab 1948 wurde das Filmpalastgebäude als Kino „Piast“ genutzt. Der polnische Schriftzug „PIAST“ wurde aus der vorhandenen deutschen Bechriftung „F I LM P AL AST“ zusammengesetzt.

Anschließend sprach Vereinsmitglied, Herr Dr. Horst Engelke, „Zur Geschichte der Georgenschule“. Der Schulname geht auf die Lage des Gebäudes im Bereich der St. Georg-Gemeinde und deren Genehmigung zurück. Der letzte Schulstandort war seit 1914 das Hauptgebäude der alten Universität Viadrina in der damaligen Richtstraße. Einige Folien, u.a. mit Schüler- und Lehrerzahlen sowie mit der Anzahl der Räume, wurden dazu eingesetzt. Wiederum hat der Autor damit einen Beitrag zur Frankfurter Schulgeschichte geleistet.


Die nächste Sitzung am 20. November fand wiederum im Museum Viadrina statt. Neun Mitglieder und vier Gäste waren zum Vortrag von Herrn Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert gekommen. In einem ersten Teil beschrieb der Referent den Werdegang des späteren Hitler-Attentäters Erwin von Witzleben bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Bisher wurde das Leben dieses Mannes meist nur im unmittelbaren Zusammenhang mit seiner Beteiligung am Hitler-Attentat mitgeteilt. Im Referat beschäftigte sich der Autor ausführlich mit dessen Kindheit- und Jugendzeit. Auf Grund seiner Erziehung und Ausbildung in den Kadettenanstalten von Wahlstatt und Groß Lichterfelde, die in ihrer Methodik sehr kritisch betrachtet wurden, formten sich bei Erwin von Witzleben Verhaltensweisen und Haltungen heraus, die ihm später kritische Sichtweisen und Bewertungen von Ereignissen und handelnden Persönlichkeiten sowie daraus resultierende Handlungen ermöglichten. Auch die einzige Tochter, Frau Edelgarde Reimer, konnte der Verfasser noch befragen. Der Vortrag wurde durch umfangreiches Bildmaterial bereichert.


Am 12. Dezember fand die letzte Sitzung des Vereins im Kalenderjahr statt. Besucht wurde die Weihnachtsausstellung „Jeden Tag ein Türchen auf... Die bunte Welt der Adventskalender“ im Museum Viadrina. Gekommen waren 15 Personen, die an der Führung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Museums und Kuratorin der Ausstellung, Frau Elisabeth Hammann-Labitzke, teilnahmen. An dieser Ausstellung, die sich mit der Vorweihnachtszeit beschäftigte, haben sich viele Frankfurter mit eigenen Kalendern beteiligt.

Mitglieder des Historischen Vereins beim Besuch der Weihnachtsausstellung im Museum Viadrina.

Schwerpunkt der Weihnachtsausstellung war die Geschichte des Adventskalenders.

 


2013


Die Jahreshauptversammlung fand am 29. Januar 2013 im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 16 Mitglieder und acht Gäste.
Im öffentlichen Teil trugen Herr Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert und Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel Briefe aus dem Jahr 1944 von Stadtrat Karl Brandes an seine Familie vor. Die Briefe befinden sich als Abschriften im Bestand des Stadtarchivs. Auch die aus dem Jahre 1945 gehören dazu, die in H. 1/1995 in unseren Vereinsmitteilungen veröffentlicht wurden.
Karl Brandes (1889 – 1945) war Mitglied der SPD und Stadtrat in Frankfurt (Oder). Aus seinem Amt von den Nationalsozialisten vertrieben, schrieb Brandes sehr ausführlich über die Ereignisse und die Situation in seiner Heimatstadt. Z. B. berichtete er in einem Brief vom 22. Februar 1944 an seinen Sohn Otto über die englische Bombardierung Frankfurts in der Nacht vom 15. zum 16. Februar 1944.

  Jahreshauptversammlung des Historischen Vereins im Stadtarchiv, Präsidium.

 Jahreshauptversammlung des Historischen Vereins im Stadtarchiv, Auditorium.

Im nichtöffentlichen Teil trug der Vereinsvorsitzende, Herr Buwert, den Bericht über die Tätigkeit im Geschäftsjahr 2013 und danach die Schatzmeisterin, Frau Dr. Vera Kliemann, den Kassenbericht für das Geschäftsjahr 2013 vor. Die Kassenprüfer, Herr Dipl.-Restaurator Bernhard Klemm und Herr Dipl.-Historiker Wolfgang Brisch bescheinigten den korrekten und fehlerfreien Umgang mit den Vereinsfinanzen. Die Mitglieder stimmten beiden Berichten einstimmig zu. Damit war der Vorstand entlastet. Danach wurden einige Beschlüsse für 2013 gefasst un es folgte die Diskussion zu den Jahresvorhaben 2013.


Die nächste Sitzung fand am 26. Februar 2013 wieder im Stadtarchiv statt, wie auch die anderen, wenn nicht anders angegeben. Zunächst wurde Herr Jurist Roland Semik als neues Mitglied in unseren Verein einstimmig aufgenommen. Mit Herrn Semik wurde erstmals ein polnischer Bürger aufgenommen.


Aufnahme Herrn Roland Semik als Vereinsmitglied.

Danach referierte Vereinsmitglied, Herr Ing. Joachim Schneider, „Zur Bedeutung von Frankfurt (Oder) im deutschen Fernkabelnetz und dessen Entwicklung von 1920 bis 1995“. 33 Mitglieder und Gäste erhielten durch zahlreiche Bilder und Grafiken erstmals einen Einblick in einen speziellen Bereich der Post- und Technikgeschichte.


Illustrierter Vortrag von Herrn Schneider..

Darüber hinaus konnten dann auch einige interessante Exponate aus der älteren Fernmeldetechnik bewundert werden.


Aufgespleißtes älteres Fernmeldekabelende.


Auf der Sitzung am 26. März 2013 wurde zunächst Herr Ralf Springsguth einstimmig in unseren Verein aufgenommen. Anschließend sprach vor 13 Mitgliedern und zwei Gästen Herr Dipl.-Ing Lothar Meyer [Frankfurt (Oder)] über die „Frankfurter Wassertürme“ (veröffentlicht in H. 1/2013). Im ersten Teil gab der Referent einen Überblick über die Frankfurter Wassertürme im Zeitraum von 1874 bis 1936. Im zweiten Teil beschäftigte er sich sehr detailliert und mit zahlreichen Bildern mit den einzelnen Wassertürmen im Stadtgebiet. Er leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Frankfurter Technik-Geschichte.
 


Die nächste Sitzung fand am 30. April 2013 mit 13 Mitgliedern und drei Gästen statt. Zuerst sprach Herr OMR Dr. Klaus Eichler zum „390. Geburtstag von Johann Sigismund Elsholz“, der in Frankfurt (Oder) geboren wurde. Dieser war u.a. Leibarzt des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm.

Herr OMR Dr. Klaus Eichler beim Vortrag über Johann Sigismund Elsholz.

Herr Wolfgang Buwert referiert über Seydlitz’ Pferdsprung.

Danach referierte Herr Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert über „Seydlitz’ Pferdsprung von der Frankfurter Oderbrücke – Legende oder Wirklichkeit?“ (veröffentlicht in H. 2/2013) Hierbei handelte es sich um eine kritische Auseinandersetzung mit dem von Frau Dr. Alexandra Kankeleit verfassten Aufsatz „Friedrich Wilhelm Freiherr von Seydlitz-Kurzbach bei seinem Sprung in die Oder?“ in der 2012 unter ihrer Redaktion vom Frankfurter Oberbürgermeister herausgegebenen Broschüre „Gedanken zum Preußenkönig in den Oderstädten Frankfurt und Słubice – Friedrich Fryderyk 300“. Durch umfangreiche biografische Recherchen stellte der Referent allein vier Varianten des angeblichen Pferdsprunges in einen Fluss (1x die Spree, 2x die Oder, 1x die Elbe) fest. Anhand zahlreicher Bildvergleiche sowie der angegebenen vier Flussvarianten wies der Referent nach, dass Seydlitz’ Pferdsprung nicht in die Frankfurter Oder erfolgte. 


Die Mai-Sitzung am 28. Mai 2013 fand im Museum Viadrina statt. Vereins- und Vorstandsmitglied, Herr Dr. Martin Schieck, führte durch die von ihm kuratierte Sonderausstellung „Niedergang und Aufstieg. Frankfurt (Oder) im 19. Jahrhundert“. Die erschienenen 22 Mitglieder und Gäste erfuhren Details aus der wechselvollen Geschichte der Oderstadt im 19. Jh. Anhand zahlreicher Dokumente, darunter zahlreiche Leihgaben der Vereinsmitglieder, Herrn Dipl.-Lehrer Buwert und Herrn Dipl.-Restaurator Bernhard Klemm, sowie des Stadtarchivs, wurde in der Ausstellung ein vielschichtiges Bild vom Auf und Ab der Entwicklung der Oderstadt gezeigt.


Die nächste Sitzung fand am 3. September 2013 statt. Vor elf Mitgliedern und 21 Gästen sprach Herr Dr. Herbert Aschenbach (Langewiesen) über seine „Kriegsgefangenschaft und Heimkehr“. Er berichtete sehr detailliert und emotional über seine Gefangennahme als 18-Jähriger bei Tangermünde 1945, den Weg in die Gefangenschaft bis in die Frankfurter Eichhorn-Kaserne, den Aufenthalt in verschiedenen Lagern in der Sowjetunion und seine Heimkehr 1949 nach Deutschland. Seine Erinnerungen wurden auch in Buchform veröffentlicht.


Die Sitzung am 29. Oktober 2013 fand anlässlich der vor 50 Jahren erfolgten Gründung des Amateur- Film- Centrums (AFC) statt. Das Stadtarchiv hatte dazu eine Sonderausstellung vorbereitet, die an diesem Abend eröffnet wurde. Neben 12 Mitgliedern waren 48 Gäste erschienen, darunter zahlreiche ehemalige Mitglieder des AFC.

Sonderausstellung mit 16mm-Film Projektions- und Schnitttechnik im Stadtarchiv.

"Volles Haus" im Stadtarchiv.

Nach den Wortbeiträgen zur Ausstellungseröffnung, darunter auch vom Leiter des Stadtarchivs und stellvertretenden Vereinsvorsitzenden, Herrn OA Ralf-Rüdiger Targiel, bestand die Möglichkeit, sieben Filme aus den Jahren 1958/59 bis 1969 zu sehen, so u.a. den Film „Ein großer Tag in unserer Stadt, 1963“, der zum Besuch von Walter Ulbricht, Nikita Chruschtschow und Józef Cyrankiewicz gedreht worden war.


Auf der Sitzung am 19. November 2013 wurde zunächst Herr Dipl.-Ing. Lothar Meyer einstimmig in unseren Verein aufgenommen.
Anschließend referierte vor 12 Mitgliedern und sechs Gästen Herr Wolfgang Buwert in seinem zweiten Teil über „Erwin von Witzleben. Zum Vorleben eines Attentäters“. Aufwendige Forschungen waren notwendig, um den Weg des Hauptmanns von Witzleben bis zum Oberst und Kommandeur des 8. (Preuß.) Infanterieregiments in Frankfurt (Oder) nachzuzeichnen.


Der Vereinsvorsitzende referiert über Erwin von Witzloeben..

U.a. konnte er auf Informationen von Witzlebens Tochter, Frau Edelgarde Reimer, zurückgreifen und erstmals Fotos aus Witzlebens Frankfurter Zeit, u.a. mit Widmung und Original-Unterschrift, zeigen.


Die letzte Sitzung im Geschäftsjahr fand am 17. Dezember 2013 traditionell bei einem Becher Glühwein im Museum Viadrina statt.

Weihnachtsbesuch des Vereins im Museum.

Typische Weihnachtsgeschenke aus einer Zeit weit vor der Digitalisierung der Kinderzimmer.

Die Kuratorin, Frau Elisabeth Hammann-Labitzke, führte 18 Mitglieder und Gäste durch die Weihnachtsausstellung „Krawatte, Socken und Kochtopf. Der Deutschen liebste Weihnachtsgeschenke...“ Damit griff sie augenzwinkernd an einigen Stellen die immer wieder vorkommenden Missgriffe beim Schenken auf. Allerdings gab es auch Exponate, die beim Wiedererkennen bei einigen Vereinsmitgliedern immer noch Begeisterung auslösten.

 


2014


Das Vereinsjahr begann mit der Jahreshauptversammlung am 28. Januar 2014 im Stadtarchiv. Im Auftrag des Vorstandes hatte dazu der Stellv. Vereinsvorsitzende Herr Ralf-Rüdiger Targiel mit einer Pressemitteilung vom 22. Januar eingeladen. An der Sitzung nahmen 16 Vereinsmitglieder und 7 Gäste teil. Im öffentlichen Teil setzte das Vereinsmitglied Herr Dr. Horst Engelke seine Vorträge zur Frankfurter Schulgeschichte fort, diesmal sprach er zur Entwicklung der Frankfurter oberen Schulen nach 1813. In seinem Vortrag skizzierte er insbesondere die Entwicklung des Staatlichen Friedrichsgymnasiums, zeitweilig die einzige obere Schule, der städtischen Oberschule in ihrem Ausbau zum Realgymnasium sowie der Staatlichen Heinrich- von- Kleist- Schule.

Vereinsmitglied Dr. Horst Engelke bei der Fortsetzung seiner Vortragsreihe über das Frankfurter Schulwesen.

Im Anschluß an diesen Vortrag fand im nichtöffentlichen Teil die Jahreshauptversammlung des Vereins statt.


Die Februarsitzung fand am 25. 2. statt. Im öffentlichen Teil sprach Herr Schneider über das Entstehen der Dammvorstadtkaserne 1935. Anhand einer dem Stadtarchiv von Frau H. Nolte aus Hamburg übereigneten Fotochronik aus dem Besitz ihres Patenonkels, dem Regierungs- und Baurat Otto Heidenreich, skizzierte Herr Schneider die Entwicklungsgeschichte vom ersten Kasernenbau an dieser Stelle in der Dammvorstadt bis zur Errichtung der im Oktober 1935 von der Panzerabwehrabteilung 3 bezogenen Kaserne. (Vgl. Mitteilungen Heft 2/ 2014, S. 5-11).


Die nächste öffentliche Sitzung fand am 9. März, ein Sonntag, statt wie üblich ein Dienstag, im Stadtarchiv statt. Zusammen mit dem Historischen Verein führte das Stadtarchiv den „7. Tag der Archive“ durch. An diesem Tag wurde die Ausstellung „Als ´entartet´1937 aus dem Rathaus vertrieben – Die Berlin-Tzschetzschnower Malerin Elfriede Thum (1886-1952)“ eröffnet, die Ausstellung zur Geschichte des Amateur- Film- Centrums  Frankfurt (Oder) 1963-1990 – mit Filmvorführung „Die Campingschlampe“ – war zu besichtigen und schließlich konnten die Mitglieder einen Blick in das Magazin mit den historischen Standesamtsregistern sowie in den Benutzerbereich werfen.


Am 29. April fand die nächste Sitzung im Stadtarchiv statt. Es waren 13 Mitglieder und 19 Gäste anwesend. Am Beginn der Sitzung musste der Vorstand informieren, dass Herr Prof. Dr. Lotter, auswärtiges Mitglie des Vereins seit 1995, am 9. April in Kassel verstorben war. Prof. Lotter, der seine Jugend in Frankfurt verbrachte, war eines der profiliertesten Mitglieder unseres Vereins. Nach einer Schweigeminute verlas der Vorsitzende einen ausführlichen Nachruf, der auch in der Presse und unseren Mitteilungen veröffentlicht wurde (vgl. Mitteilungen Heft 2/2014, S. 24f.). Nach dem Gedenken an unser verstorbenes Mitglied traten die Mitglieder in die geplante Tagesordnung ein. Als erste Beitrag sahen die Anwesenden das vom Frankfurter Amateurfilm-Zentrum Frankfurt (Oder) 1978 produzierte „Journal der Freundschaft“ Nr. 3. Künftig soll als erster Beitrag der monatlichen Sitzungen jeweils, gleich ob sie im Stadtarchiv oder im Museum stattfinden, ein vom Frankfurter Amateur-Film-Centrum produziertes Filmmagazin mit Beiträgen aus dem einstigen Bezirk Frankfurt (Oder) gezeigt werden. Als nächstes sprach der als Gast aus Guben angereiste Autor und Leiter des Niederlausitzer Verlages Herr Andreas Peter. Er stellte mit Wort und Büchertisch die in seinem Verlag bisher erschienenen geschichtlichen Publikationen und Nachdrucke zur Region, darunter auch Frankfurter Karten und Max Pohlandts (Pseudonym: Max Viadrus) 1927 herausgebrachtes Buch „Lebuser Sagen und Geschichten“ vor.

 

Herr Andreas Peter stellt seine geschichtlichen Publikationen vor.
 

Als Hauptredner des Abends sprach Obering. Dipl.-Ing. (FH) Wolfgang Prietsch aus Berlin zur Geschichte der Hiag-Werke. Für seinen Beitrag über die einst in der Küstriner Straße gelegene Holzverkohlungs-Industrie AG Konstanz, Zweigniederlassung Frankfurt (Oder) bis zu seiner Schließung im Jahr 1954 hatte der Referent vorab in mehreren Archiven, darunter auch im Frankfurter Stadtarchiv recherchiert. Sein Beitrag „Der VEB Hiag-Werke in Frankfurt (Oder). Ein Beitrag zur Frankfurter Industriegeschichte“ ist veröffentlicht in Mitteilungen, Heft 2/ 2014, S. 26-44.

Obering. Dipl.-Ing. (FH) Wolfgang Prietsch aus Berlin referiert zur Geschichte der Hiag-Werke.

 


Die Sitzung am 27. Mai fand im Museum statt. Es waren 13 Mitglieder und 5 Gäste anwesend. Der vom Stellv. Vorsitzenden Herrn Dr. Schieck in seinem Haus eröffneten und geleiteten Sitzung begann im öffentlichen Teil mit der Vorführung der 1978 entstandenen Nr. 4 des „Journals der Freundschaft“. Anschließend referierte Herr Dr. K. Eichler zum Wirken von Medizinprofessor Carl August Wilhelm Berends in Frankfurt, Breslau und Berlin anlässlich dessen 260. Geburtstages. Als Hauptredner hielt Herr Dr. Schieck einen Vortrag „Zwischen guter Nachbarschaft und Streit – die Universität und Stadt Frankfurt im 17. Jahrhundert“. In seinem Vortrag sprach der Referent über die Probleme bei der Ausgestaltung der Rechtsbeziehungen zwischen der Stadt und Universität, die sich aus der jeweils eigenen Jurisdiktion von Hochschule und Kommune ergaben. Zum Abschluss des langen Vereinsabends sprach der Stadt- und Kirchenführer Herr Rainer Schulz über die Glocken von St. Marien – über die alte Mittelglocke, die jetzt den Namen „Maria“ erhalten hat, neu gegossene große Glocke „Osanna“,  sowie die beiden neuen Glocken „Hedwig“ und „Adalbert“.


Die erste Sitzung nach  der Sommerpause fand auf Vorschlag des Vereinsmitglieds Herr Ralf Loock am 30. September im Frankfurter Brauhaus statt. Da eigentlich die räumlichen Bedingungen im Brauhaus nur eine begrenzte Personenzahl von 30 Personen zuließen, bat der Vorstand durch entsprechende Presseinformationen bis zum 2. September um namentliche Voranmeldungen. Es ist der Brauerei zu danken, dass dann durch einen anderen Vortragsraum in der Brauerei allen 45 Interessierten, darunter sieben Vereinsmitgliedern, die Teilnahme ermöglicht wurde. Unter den Teilnehmern waren auch sieben Bürger aus Słubice, für die unser Mitglied Herr Roland Semik am Tisch dolmetschte.

Der Historische Verein trifft sich im Frankfurter Brauhaus.

Wegen der großen Teilnehmerzahl konnte zwar die geplante Werksführung nicht durchgeführt werden, dafür schildete der Brauerei- Direktor für Vertrieb, Marketing und Logistik Herrn Götz Ziaja in seiner Einführung anschaulich die Geschichte und Produktpalette der Frankfurter Brauerei, die heute mit 3 Millionen Hektolitern Bier der neuntgrößte Brauerei-Einzelstandort Deutschland ist. Dabei stellten Herr Ziaja und Braumeisterin Frau Hockun den Anwesenden auch das neue „Edle Festbier“ vor.

Vorstellung des Brauhauses durch Frau Hockun, Herrn Ziaja und Herrn Grzonka (v.l.n.r.).

Nach der umfänglichen Einführung sprach das Vereinsmitglied Herr Dr.-Ing. Fritz Grzonka zur Geschichte des Frankfurter Brauereiwesens. Herr Dr. Grzonka, selbst ein Braufachmann, der einst lange Jahre in der Frankfurter Brauerei an verantwortlicher Stelle gearbeitet hatte, spannte dabei den Bogen vom Ursprung des Bieres bis hin zum Frankfurter Brauwesen im Mittelalter und der Neuzeit.


Die Oktobersitzung fand am 21.10. im Stadtarchiv statt. Es waren 24 Teilnehmer, darunter 10 Gäste anwesend. Kurz vor Eröffnung der Sitzung erfuhr der Vorsitzende vom Tod des auswärtigen Mitglieds Günter Haß aus Bremen, am 7. September in Königslutter verstorben. Die Anwesenden ehrten den Verstorbenen durch eine Schweigeminute. Eine ausführliche Würdigung sollte der nächsten Sitzung vorbehalten bleiben. Das abendliche Programm begann wie üblich mit einer weiteren Ausgabe des AFC „Journals der Freundschaft“ (Nr. 6/ 1978). Die Filmvorführung brachte unter anderem ein Wiedersehen mit dem noch heute in Frankfurt bekannten einstigen Museumsmitarbeiter Herr Berol Kaiser-Reka und der Musikinstrumentensammlung im Museum Viadrina. Die weiteren Vorträge beschäftigten sich thematisch mit der Zeit des Ersten Weltkrieges, dessen Beginn sich zum 100. Mal im vorigen Jahr jährte.

Frankfurter Oderzeitung vom 1. August 1914 mit Hinweis auf bevorstehende Mobilmachung (Quelle Stadtarchiv Ffo.).

Als erster Referent sprach Herr Targiel zum Leben in der Stadt während des Ersten Weltkrieges, über die Zeit von der begeisterten Aufnahme der Verkündung des Kriegszustandes am 31. Juli 1914 auf Frankfurts Marktplatz, die erste amtliche Verlustliste in der Frankfurter Oder-Zeitung am 25. Aug. 1914, über die sich im Lauf des Krieges ständig verstärkende Not in der Stadt bis zur Situation nach Kriegsende. Als zweiter Referent sprach Herr Dr. K. Eichler über Frankfurts Lazarette während des Ersten Weltkrieges. Durch Auswertung von verschiedenen Postkartensammlungen (unter anderem Stadtarchiv und Herrn Klemm) und Akten des Lutherstift und Stadtarchivs gab der Referent einen Überblick über die staatlich organisierte sog. Freiwillige Krankenpflege. Im Bereich des 3. Armeekorps standen am Anfang des Krieges 41 staatliche Reservelazarette, ein Festungslazarett, 86 Vereinslazarette und 33 Genesungsheime zu Verfügung. Im Bereich der Stadt Frankfurt die Reservelazarette I – III mit den ihnen zugeteilten mehr als 15 Lazaretten. (Veröffentlichung noch ausstehend). Zum Abschluss des überreichlich angefüllten Abends stellte Herr Targiel als knapp kommentierte Diaschau ein im Archivbestand überliefertes  dreibändiges Fotoalbum zum Kriegsgefangenenlager Frankfurt 1914 bis 1918 vor. Das Originalalbum konnte an diesem Abend besichtigt werden.


Die nächste Sitzung konnte am 18. November im Stadtarchiv durchgeführt werden. Das Programm begann mit dem Gedenken an unser verstorbenes Mitglied, dem Bremer Schiffsmakler Günter Haß. Herr Targiel verlas einen im Auftrag des Vorstandes erarbeiteten Nachruf, zu dem der Vorstand vom Sohn des Verstorbenen, Herrn Christian Haß, zahlreiche Informationen erhalten hatte (veröffentlicht in den Mitteilungen, Heft 1/2015). Der Nachruf, vorab als Pressemitteilung vom Verein herausgegeben, wurde in der Märkischen Oderzeitung, im Blickpunkt und im Oderlandspiegel veröffentlicht. Im Anschluss verlas Herr Targiel Auszüge aus dem unserem Verein vom Sohn zur Verfügung gestellten, von Günter Hass ab dem 16. Januar 1945 geführten Tagebuch. Der Vorstand plant, mit Ergänzungen unseres Mitgliedes Herrn Schneider, eine Veröffentlichung dieses Tagebuches in unseren Mitteilungen.
Wie gewohnt folgte als erster Sitzungspunkt eine weitere Folge der Reihe „Journal der Freundschaft“ (Nr. 7/ 1978, unter anderem zum Weihnachtsmarkt in Frankfurt). Anschließend sprach das Mitglied Herr Reiß über „Die Oderübergänge der Roten Armee als Ersatz für die im April 1945 gesprengte Oderbrücke“. (veröffentlicht in Mitteilungen, Heft 2/ 2014, S. 19-23). Anlass seines Vortrages über die drei Behelfsbrücken war ein im Stadtarchiv vorhandenes Foto von Walter Fricke, welches er durch die darauf entdeckte Pontonbrücke auf die Zeit bald nach Mai 1945 datierte.


Vereinsmitglied Herr Reiß spricht zu den Oderübergängen nach dem 2. Weltkrieg.

Als Hauptreferent sprach erstmalig im Verein das Mitglied Herr Ralf Springsguth über die Geschichte der Märkischen Maschinenbauanstalt „Teutonia“ GmbH, Beeskower Str. 11/12. Sein Vortrag basierte auf umfangreiche Recherchen in Archiven, Bibliotheken und Museen in ganz Deutschland, in Wien und London. Durch seinen, mit tatkräftiger Unterstützung durch seine Frau Annette Springsguth gehaltenen Vortrag bekamen die Zuhörer einen detailreichen Überblick über die Werksgeschichte bis zum Jahr 1940. Ein Höhepunkt des Vortrages war die praktische Vorführung einer jüngst vom Museum Viadrina erworbenen, für die Verarbeitung von Ziegenmilch gedachten originalen „Titania Separator“ aus den 1930er Jahren.

Vereinsmitglied Herr RSpringsguth demonstriert  die Funktion des Separators.

Der öffentliche Teil des Abends schloss mit der Vorstellung von neuer historischen Schriften zur Region (unter anderem über die „Märkische Post“ in Frankfurt).


Die letzte Sitzung des Jahres 2014 fand wieder, wie in den letzten Jahren gewohnt, im Museum statt. Von Herrn Dr. Schieck organisiert und geleitet trafen sich am 16. Dezember 15 Mitglieder im Museum zur Führung durch die Weihnachtsausstellung des Museums „Es war einmal … Die wundervolle Welt der Märchen“. Die Kuratorin dieser deutsch-polnischen Ausstellung, Frau Dipl.-Kunsthist. Elisabeth Hammann-Labitzke führte sachkundig durch die Ausstellung. Im Anschluss trafen sich die Mitglieder zu einer geselligen weihnachtlichen Diskussionsrunde bei Glühwein.

Gemütliche Runde nach dem Besuch der Weihnachtsausstellung des Museums Viadrina.

 


2015


Das Vereinsjahr begann mit der Jahreshauptversammlung am 27. Januar 2015 im Stadtarchiv. Im Auftrag des Vorstandes hatte der Vereinsvorsitzende Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel mit einer Pressemitteilung vom 21. Januar eingeladen. An der Sitzung nahmen 14 Vereinsmitglieder und 8 Gäste teil. Zu Beginn der Sitzung erhoben sich die Anwesenden für eine Schweigeminute für unser am 26. November 2014 in Lohmar verstorbenes Mitglied Herrn Rudolf Hoffmann von ihren Plätzen. Anschließend würdigte der Vereinsvorsitzende ausführlich dessen Leben und Werk. Die Tragik seines Lebens war, dass er, der als Lehrer - zuletzt Schulleiter in Wahnheide – in seinem Beruf Erfüllung fand, in seiner Geburtsstadt Frankfurt, Opfer der damaligen stalinistischen Verhältnisse wurde. Er, der als Neulehrer, eingesetzt in der Schule des damals zum Frankfurter Kreis gehörigen Brieskow-Finkenheerd, von seinen Schülern anerkannt war, wurde 1947 wegen angeblicher Spionage und Mitwisserschaft verhaftet und in Bautzen und Torgau eingesperrt.

Der Vereinvorsitzende Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel verliest den Nachruf an das verstorbene Vereinsmitglied Herrn Rudolf Hoffmann.

 

Der Nachruf wurde in unserer Internetseite veröffentlicht. Eine gekürzte Fassung des Nachrufes wird im Heft 2/2015 unserer Mitteilungen erfolgen.
 

Der Vortragsteil begann mit der Vorführung der 10. Ausgabe des filmischen „Journals der Freundschaft“ des einstigen Amateurfilm- Centrums Frankfurt (Oder) aus dem Jahr 1979. Danach führte unserer Vereinsmitglied Herr Dr. Horst Engelke seine Vortragsreihe zur Frankfurter Schulgeschichte weiter, diesmal blickte der Referent 70 Jahre zurück und beleuchtete den Neuaufbau des Schulwesens ab Sommer 1945 in der Stadt und dem Kreis Frankfurt (Oder). Ausgehend von der schwierigen Ausgangslage (Frankfurt als besetzte Stadt, neu als Grenzstadt und Durchgangsort für Flüchtlinge, von 12 Volksschulgebäuden zwei rechts der Oder, fünf total zerstört, zwei schwer beschädigt, drei vorübergehend als Lazarett genutzt) schilderte der Referent den schulischen Neubeginn in den drei Stadt- und neun Landschulen sowie den beiden Oberschulen bis zum Jahr 1950.
 

Vereinsmitglied Herr Dr. Horst Engelke berichtet über das Frankfurter Schulwesen ab Sommer 1945.

Im nichtöffentlichen Teil verlas der Vereinsvorsitzende Herr Targiel den Rechenschaftsbericht zum Vereinsjahr 2014 (der gesamte Bericht ist veröffentlicht in den Mitteilungen Heft 1/2015, S. 2ff.). Nach kurzer Diskussion mit ergänzenden Bemerkungen zu weiteren, außerhalb des Vereins erfolgten regionalhistorischen Aktivitäten der Mitglieder Herrn Lothar Meyer und Herrn Wolfgang Buwert wurde der vorgetragene Bericht bestätigt und einstimmig beschlossen. Es folgte der Kassenbericht, vorgetragen von der Schatzmeisterin des Vereins Frau Dr. Kliemann. In seinem anschließend gegebenen Prüfbericht bestätigte der Kassenprüfer Herr Wolfgang Brisch die Ordnungsmäßigkeit der Vereinsrechnung. Der Kassen- und Prüfbericht wurde ohne Diskussion einstimmig angenommen. Danach wurden einstimmig die Beschlüsse gefasst:
• Alle säumigen Beitragszahler erhalten Zahlungsaufschub bis 30. April 2015
• Der Jahresbeitrag bleibt auch 2015 unverändert und beträgt 25,00 € für Vollzahler und 12,50 € für Erwerbslose, Rentner, Schüler, Studenten und Auszubildende.
Anschließend berieten die Mitglieder über das vom Vorstand vorgelegte Jahresprogramm 2015, das mit 13 Stimmen bei einer Stimmenthaltung verabschiedet wurde.
 


An der Februar-Sitzung am 24. Febr. im Stadtarchiv nahmen 15 Mitglieder und 13 Gäste teil. Als erstes sprach Herr Targiel zu den Hexenprozessen in Frankfurt. Nach der Behandlung des für die Prozesse maßgeblichen Buches, des „Hexenhammers“ mit dem konkreten Fragespiegel zur Befragung angeblicher Hexen sowie der peinlichen Halsgerichtsordnung Karl V. von 1532 als Grundlage für Folter und Verurteilung las der Referent aus einem Aktenstück vom 14. Februar 1590 zum Verfahren gegen die 60jährige Walpurg Schulz.

Der Vereinsvorsitzende Herr O.A. Targiel referiert über die mittelalterlichen Hexenprozesse in Frankfurt (Oder).

Danach las Herr Horst Voigt aus Briefen des Architekten Martin Kießling (1879-1944) die sich im Original in seinem Besitz befinden. Er besprach die Briefe vom April 1916, mit denen der Architekt seiner Ehefrau über die Geschehnisse im Baltikum berichtete. Herr Voigt begann damit seine auf drei Lesungen veranschlagte Lesereihe mit Kießlings Briefen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.

Architekt Martin Kießling (Quelle Foto: RBB).


Zum Abschluss des Vereinsabends informierte Herr Targiel noch über einen Vortrag von Herrn Joachim Schneider im Haus Brandenburg in Fürstenwalde am 12. März über „Johann Gottfried Piefke – ein neumärkischer Musiker“. Außerdem berichtete er über die Bemühungen von Herrn Michael Hoffmann von der Ortsgruppe GDL zur Wiederherstellung der Inschriften am Eisenbahnerdenkmal Frankfurt (Oder).
 


Die nächste, für den 31. März geplante Sitzung sollte dem Thema „125 Jahre Stadtarchiv als öffentliches Archiv“ gewidmet sein. Der Vorsitzende Herr Targiel, zugleich Leiter des Frankfurter Stadtarchivs, wollte in seinem Vortrag an die Bemühungen des alten Historischen Vereins erinnern, der durch seine Beschwerden erreichte, dass das von der Stadt vernachlässigte Archiv mit Hilfe des Geheimen Staatsarchivs geordnet und schließlich am 20. Juli 1890 der Stadt neu übergeben wurde. Seitdem ist das seit dem 13. Jahrhundert existierende Archiv öffentlich nutzbar. Leider musste wegen Erkrankung des Referenten die Sitzung ausfallen. Das Thema sollte noch einmal zur Sprache kommen. Am 1. August beteiligte sich unser Verein am Öffentlichkeitstag des Stadtarchivs anlässlich des Jubiläums. Unter anderem gab es einen gut besuchten Stadtrundgang „Vom Rathaus bis zur Bürgerschule“ – vorbei an allen bisherigen Standorten des Archivs – und den Bild-Vortrag „762 Jahre Archiv – 125 Jahre öffentliches Stadtarchiv“.
 


Die Aprilsitzung (28. April) fand im Museum statt. Der Stellvertretende Vorsitzende Herr Dr. Schieck konnte zu dieser Sitzung 16 Mitglieder und 11 Gäste begrüßen. Den Anwesenden wurde ein silberner, innenvergoldeter Pokal vorgestellt, den der 1816 aus dem Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters geschiedene Karl Heinrich Endell (1776-1843) „von der dankbaren Frankfurter Bürgerschaft als Abschiedsgeschenk erhalten hatte“. Herr Dr. Schieck hatte diesen Deckelpokal - wiederum aus Spenden finanziert - auf einer Berliner Auktion für das Museum Viadrina ersteigert. Für 13.000 € war es ihm gelungen, dieses wertvolle Objekt der Frankfurter Stadtgeschichte zurück in unsere Stadt zu holen.

Pokal für den ehemaligen Frankfurter Oberbürgermeisters von 1816.


Danach stellte Herr Dr. Schieck die Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungs- und Ausstellungsprojektes von Museum und Europauniversität vor, wobei unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Gangolf Hübinger und Herrn Dr. Schieck Studenten der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) die Entwicklungen an der Heimatfront im Ersten Weltkrieg am Beispiel unserer Oderstadt untersuchten. Das Projekt wurde als Ausstellung und in gedruckter Form im Jahrbuch des Museums veröffentlicht. Die Führung durch die Ausstellung geschah unter Beteiligung von Studenten.
 



Die nächste Sitzung, die am 12. Mai stattfand, wurde wieder im Museum durchgeführt. An dieser Sitzung nahmen 15 Mitglieder und neun Gäste teil. Als erster Referent sprach Herr Bernhard Klemm. In seinem Vortrag „Karitative Einrichtungen in Frankfurt an der Oder“ sprach er über die Stätten kirchlicher und kommunaler Fürsorge. Sie dienten der öffentlichen Alten- und Armenpflege. Die ältesten waren die Frankfurter Hospitäler, das Georgenhospital (1312), das Heiliggeisthospital (1354) sowie das Jakobihospital (1454).

Vereinsmitglied Herr Klemm spricht im Museum über Frankfurt karitative Einrichtungen.


Danach übernahm Herr Voigt das Rednerpult. Zuerst verlas er die gekürzte Fassung des Beitrages von Herrn Dr. Dr. Siegbert Rummler, Hamburg, „Administration, Medizinalwesen und geburtshilflicher Progress im 18. Jahrhundert“ (wird in Heft 2/2015 der Mitteilungen veröffentlicht). Der Autor behandelte dabei besonders die Ausbildung der Hebammen und sprach zur Rolle des Frankfurter Kriegs- und Steuerrates bei der Propagierung des Unterrichts der Hebammen, der Beschaffung von Geburtsstühlen und anderes.

Vereinsmitglied Herr Voigt verliest einen Beitrag von Herrn Dr. Dr. S. Rummler.

Herr Voigt beschloss den Abend mit der zweiten Lesung aus Briefen von Martin Kießling. Diesmal stellte er fünf Briefe vom Juli 1916 vor, in denen Kießling über die Situation an der Front im Baltikum berichtete.
 


Die erste Sitzung nach den Sommerferien fand wie geplant am 22. Sept. statt. Dazu waren 13 Mitglieder und 14 Gästen in das Stadtarchiv gekommen. Der Vereinsabend war dem 200. Geburtstag des bedeutenden Frankfurter Militärmusikers Johann Gottfried Piefke am 9. Sept. 2015 gewidmet. Als Hauptreferent hatte Herr Schneider es erneut übernommen, über Leben und Werk von Johann Gottfried Piefke zu sprechen. Herr Schneider, der sich schon seit 1992 mit dem Musiker beschäftigt (vgl. Mitteilungen Heft 1/1993), stellte in den Mittelpunkt seines mit zahlreichen Musikbeispielen angereicherten Vortrages, Piefkes Frankfurter Zeit ab 1835. Das Werk von J. G. Piefke, zuletzt Musik-Direktor und Direktor der gesamten Musik des III. Armee- Korps, umfasst weit mehr als nur Militär-Märsche. Seine Musik und seine Auftritte bestimmten seiner Zeit das öffentliche Musikgeschehen.

Vereinsmitglied Herr Schneider trägt über den Militärmusiker Piefke vor.

Seine Werke sind noch heute unvergessen. Piefke verstarb am 25. Januar 1884 in Frankfurt. Im Anschluss an den mit großem Interesse verfolgten Vortrag sprach Herr Targiel über das bekannte Brustbild des Musikers von einem unbekannten Fotografen. Es ist ein Ausschnitt aus einer Fotografie, die Piefke mit dem Ehrentaktstock in der Hand, sitzend in Uniform und Auszeichnungen zeigt. Diese Fotografie wurde 1875 im Berliner Fotoatelier L. Haase & Co, Unter den Linden, gefertigt. Die Firma zog später nach Frankfurt (Oder), dabei handelt es sich um das bis 1999 aktive Fotoatelier Foto-Fricke.
Dem Vortragsteil schloss sich ein nichtöffentlicher Teil an, bei dem die anwesenden Mitglieder einstimmig die Aufnahme von Herrn Dr. Billert aus Frankfurt (Oder) als Mitglied unseres Vereins beschlossen. Herr Voigt übergab dem neuen Mitglied einen kompletten Satz unserer bisherigen Vereinsmitteilungen.
 


Am 27. Okt. fand die nächste Sitzung unseres Vereins statt. An diesem Abend waren 10 Mitglieder und sechs Gäste in das Stadtarchiv gekommen. Zuerst wurde wieder eine Ausgabe des AFC- Journals der Freundschaft gezeigt. In der gezeigten 15. Ausgabe von 1980 ging es um die 21. Bezirksmesse (MMM), Einsatz von Lastenhubschraubern im Bezirk, die jährliche „Ernteschlacht“ und schließlich die 22. DDR-Meisterschaften im Orientierungstauchen in Frankfurts Helenesee. Der erste Referent der Sitzung war Herr Klemm, der zur Geschichte und Restaurierung der Heilandskapelle sprach. Als freischaffender Restaurator beschäftigte er sich seit 2013 im Rahmen seiner Restaurierungsarbeiten intensiv mit der Entstehung, dem ursprünglichen Aussehen sowie der baulichen Entwicklung des 1915 überwiegend von russischen Kriegsgefangenen errichteten Bauwerks. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde bei Frankfurt, Gronenfelde, ein Mannschaftslager als Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Lagerkommandant war General von Trützschler-Falkenstein. Die heutige Heilandskapelle diente als Kirchenhaus sowie als Lesehalle. In seinem Vortrag berichtete Herr Klemm auch über neue Erkenntnisse, die er in Verbindung mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege erlangte. So konnte er nachweisen, dass sich das nun wieder an seinem ursprünglichen Platz befindliche, restaurierte Altargemälde vom Kunstmaler W. Thieme aus Berlin-Neukölln geschaffen wurde. Zwar blieben trotz vertiefender Recherchen zur Entstehung des heutigen Baudenkmals offene Fragen, doch konnte Herr Klemm in seinem mit Spannung erwarteten Vortag die bisher bekannte Baugeschichte präzisieren. Anschließend referierte Herr Dr. Klaus Eichler zum Wirken vom Geheimen Medizinalrat Dr. med. Ernst Krüger. Dabei konnte er bisher unbekannte Fotografien aus dem Besitz von Frau Brigitte Walther aus Hannover, der Tochter von Dr. Krüger zeigen.

Vereinsmitglied Herr Dr. Eichler spricht über den Geheimen Medizinalrat Dr. Krueger.

In seinen chronologisch angelegten Vortrag skizzierte Herr Dr. Eichler dessen Lebensweg als Arzt auf drei Kontinenten. 1931 zog Dr. Krüger nach Frankfurt, errichtete sich in der Lennéstraße das heute noch vorhandene Haus Nr. 99. In Frankfurt – eigentlich als Ruhesitz gedacht – begann seine dritte Arbeitsetappe – eine eigene Praxis, als leitender örtlicher Luftschutz-Arzt und schließlich bald nach der Befreiung der Stadt am 23. Apr.1945 als Leiter des städtischen Gesundheitsamtes. Dr. Krüger verstarb in Frankfurt am 9. Mai 1954.
 


Die nächste Sitzung konnte am 24. November im Stadtarchiv durchgeführt werden. Unter den 24 Teilnehmern, darunter 11 Vereinsmitglieder, konnten zwei Bürger unserer polnischen Nachbarstadt Słubice begrüßt werden. Nach der traditionellen Filmaufführung am Beginn des Vereinsabend (AFC-Journal der Freundschaft Nr. 16 vom Mai 1980 aus dem Stadtarchiv) sprach als Hauptreferent Herr Roland Semik in deutscher und polnischer Sprache über den Garten- und Landschaftsarchitekten Friedrich Wilhelm Hirsch (1887-1957) und seine Frankfurter Projekte, den von ihm 1925 geplanten Grünanlagen am Anger und bald danach geplanten Grünanlagen im Ostmarkstadion in der einstigen Dammvorstadt. Herr Semik, der zu ersten Mal als Mitglied im Historischen Verein einen Vortrag hielt, stellte seinem Beitrag zwei Filme voran. Gemeinsam mit Herrn Dr. Michael Eichler hatte er mit einer Drohnenkamera den heutigen Frankfurter Anger sowie das Stadion in Słubice gefilmt. Die Filme wie auch die nachfolgenden Ausführungen fanden bei den Anwesenden eine überaus interessierte Aufnahme.

Frankfurter Anger.

Stadion Słubice.

In der sich anschließenden Diskussion vermutete Herr Joachim Schneider, dass die einstige Rodelbahn am Elfensteig ebenfalls von F. W. Hirsch geschaffen wurde und regte an, das Słubicer Stadion zur eindeutigen Kennzeichnung als „Waldstadion“ oder „ehem. Ostmarkstadion“ zu bezeichnen. Danach sprach Herr Schneider über die Wiederentdeckung des schon 1738 auf der Knüppelschen Karte in der Verlängerung des Gronenfelder Weges vermerkten Egelphuhls. Der im 19. Jahrhundert infolge des Braunkohlenabbaus verlandete Pfuhl ist heute wieder existent, vermutlich geschah dies infolge der Umleitung des Regenwassers beim Bau des Spitzkrug-Multi-Centers Mitte der 1990er Jahre. Mittels mathematischer Projektion wies Herr Schneider nach, dass es sich bei der heutigen Wasserfläche an der Westseite der Perleberger Straße um den Ort des alten Pfuhls handelt.
 


Die letzte Sitzung des Jahres 2015 fand traditionell wieder im Museum statt. Von Herrn Dr. Schieck organisiert, trafen sich am 15. Dezember 11 Teilnehmer, darunter 8 Mitglieder im Museum. Bei einem Glas Glühwein ließen sich die Mitglieder und Gäste von Frau Dr. Sonja Michaels als Kuratorin der Schau „Damit spielten Kinder in der DDR“ durch die Weihnachtsausstellung des Museums führen.

Weihnachtsausstellung des Museums Viadrina über Kinderpielzeug "Made in GDR".


Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Herr Schneider, der in Kontakt mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam gekommen war, in einer Sitzung vorschlug, die in unseren Mitteilungen veröffentlichten Beiträge zur Militärgeschichte zusammenzufassen und dem Zentrum zur Verfügung zu stellen. In Übereinstimmung mit den weiteren Autoren, den Herren Voigt, Eckard Reiß und Dr. K. Eichler sandte er am 16. Sept. 2015 diese militärgeschichtlichen Forschungsergebnisse zusammen mit weiteren bei ihm vorhandenen Erlebnisberichten nach Potsdam.

 


2016


Es begann mit der Jahreshauptversammlung am 26. Januar 2016 im Stadtarchiv, zu der mit einer Pressemitteilung vom 18. Januar eingeladen wurde. Die Sitzung, an der 18 Mitglieder und 15 Gäste teilnahmen, begann mit dem Film „Frankfurter Streiflichter“. Der von Vereinsmitglied Herrn Eckard Reiß in den 1960er Jahren selbst gedrehte 8 mm Film, der im Original im Stadtarchiv hinterlegt ist, zeigt wertvolle Dokumentaraufnahmen von Frankfurt und Słubice, darunter auch die letzten bekannten Aufnahmen vom Jüdischen Friedhof.

Danach las Vereinsmitglied Herr Horst Voigt ein weiteres Mal aus den bei ihm vorhandenen Originalbriefen des Architekten, Regierungs- und Baurates Martin Kießling und beendete damit seine im Vorjahr begonnene Lesereihe mit Kießlings Briefen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.

Den öffentlichen Teil beendete Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel mit dem Vortrag über das vor 500 Jahren von Nicolaus Teymler geschriebene zweite Frankfurter Stadtbuch. Teymler, der von 1497 bis 1539 als Stadtschreiber im Dienst der Stadt war, vermerkte in dem mit einer Buchmalerei (Christus Rückkehr zum Weltgericht) versehenen prachtvollen Band detailliert sämtliche Rechts- und Vermögensverhältnisse der Stadt (sh. Mitteilungen Heft 1/2016, S. 17ff.). Danach versammelten sich die anwesenden 18 Vereinsmitglieder zum nichtöffentlichen Sitzungsteil.

Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel präsentiert das im Stadtarchiv vorhandene zweite Frankfurter Stadtbuch.

 


Auf der nächsten Sitzung am 23. Februar, zu der 47 Personen (dar. 14 Mitglieder) in das Stadtarchiv kamen, sprach der Stellvertretende Vereinsvorsitzende, amt. Direktor der Städtischen Museen Herr Dr. Schieck über den Beginn des umfassenden Restaurierungs- und Ausstellungsprojektes „Bürger-Pfarrer- Professoren. St. Marien in Frankfurt (Oder) und die Reformation in Brandenburg“. Anfang Mai 2017 werden an verschiedenen Standorten in Frankfurt Ausstellungen beginnen, mit denen die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag des Beginns der Reformation im Land Brandenburg ihre Eröffnung finden. Dazu wird auch eine Spendenaktion durchgeführt, mit dessen Erlös die sich einst in der Marienkirche und heute in der St. Gertraudkirche befindlichen Epitaphien restauriert werden sollen. Herr Dr. Schieck berichtete dann auf jeder Sitzung vom Fortgang der Vorbereitungen und dem Spendenstand.

Der Stellvertretende Vereinsvorsitzende, amt. Direktor der Städtischen Museen Herr Dr. Schieck spricht über das Projekt zum mReformationsjubiläum.

Anschließend sprach Vereinsmitglied Herr Lothar Meyer über den Wasserturm der Gasanstalt Am Graben (sh. Mitteilungen, Heft 1/2016, S. 13ff.) Der Vortrag über den 1905 errichteten Wasserturm versteht sich als Ergänzung seines im Heft 2/ 2013 veröffentlichten Beitrages über Frankfurts Wassertürme. Dem Vortragsteil schloss sich eine nichtöffentliche Mitglieder-Hauptversammlung an. Da auf Forderung des Finanzamtes die Vereinssatzung in einigen Punktes verändert werden musste, hatten 11 Mitglieder und damit mehr als das erforderliche Drittel der Mitglieder die Einberufung der außerordentlichen Hauptversammlung beantragt. Zwar erfolgte die Einberufung der Versammlung satzungsgerecht, es wurde jedoch mit den 13 anwesenden Vereinsmitglieder nicht das erforderliche Quorum von 2/3 der Mitglieder erreicht, weshalb die Satzungsänderungen für die nächste Mitgliederversammlung zurückgestellt werden mussten.

Vereinsmitglied Herr Lothar Meyer referiert über die Frankfurter Wassertürme


 

Die nächste Sitzung fand zum veränderten Termin am 5. April im Museum statt. Anwesend waren 13 Mitglieder und 24 Gäste. In der von Herrn Dr. Schieck geleiteten Sitzung sprach das Vereinsmitglied Herr Dr. Andreas Billert über „Frankfurt (Oder) im 21. Jahrhundert, doch anders als man denkt oder eher  - als man es macht“. Seinem reich illustrierten Vortrag folgte eine rege Diskussion über die Fehler der Stadtentwicklung in den vergangenen zwei Jahrzehnten und der Frage, wie sich Frankfurt mit seiner verringerten Einwohnerzahl und der geringen industriellen Basis angemessen entwickeln kann.

Vereinsmitglied Herr Dr. Andreas Billert spricht über die Stadtentwicklung Frankfurt (Oder).

Als zweiter Referent sprach das langjährige Mitglied Herr Joachim Schneider über den von ihm mittels LiDAR (Laser detection and ranging - Messung mit Laserstrahlen) in Słubice wiederentdeckten Schießplatz. Es handelt sich dabei um den heute mit Wald zugewachsenen ehemaligen Polizeischießplatz aus den 1920er Jahren nördlich von Schwetig.

Vereinsmitglied Herr Joachim Schneider bei seinem Vortrag  vor einem LiDAR-Höhenprofil des Odertals bei Lebus .

 


Die gleichfalls im Museum durchgeführte nächste Sitzung am 26. April war dem bedeutenden Frankfurter Orgelbaumeister Wilhelm Sauer (1831-1916) gewidmet. Sein Nachlass befindet sich im Stadtarchiv. In seinem Nachruf hieß es: „Wilhelm Sauer hat in unermüdlicher Schaffenskraft dem Orgelbau vielfach neue Bahnen gewiesen … [seine Firma erlangte] Weltruf …, wodurch der Name unserer Stadt weit in der Welt genannt wurde.“. Anlässlich seines 100. Todestages am 9. April 1916 konnte der Prokurist der Firma W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) GmbH, Müllrose, Herr Michael Schulz für einen Vortrag gewonnen werden.

Die Sauer- Orgel im Berliner Dom (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Dom).

Sein von den 33 Anwesenden (darunter 14 Mitgliedern) mit großem Interesse aufgenommener Vortrag „Wilhelm Sauer – Königlicher Hoforgelbaumeister aus Frankfurt (Oder)“ ist in den Mitteilungen Heft 2/2016, S. 18ff. veröffentlicht. Im Anschluss an den Vortrag ließ der gleichfalls bei der Orgelbaufima W. Sauer einst beschäftigte Herr Peter Fräßdorf die beiden im Museum ausgestellten Sauer-Orgel-Portative erklingen.

 

 


Am 31. Mai fand die letzte Sitzung vor der Sommerpause wieder im Stadtarchiv statt. Der Abend begann mit der Vorführung des aus der archivischen Filmsammlung stammenden „Journals der Freundschaft“ des AFC Nr. 20 aus dem Jahr 1981 (u.a. mit einem Beitrag zur Schlüsselübergabe zur 10.000 AWG-Wohnung).

Als erster Referent berichtete das Vereinsmitglied Herr Carsten Roman Höft, einer der Organisatoren der Frankfurter Stolperstein-Verlegung, über diese Aktion. Der Frankfurtere Ableger der europaweiten Stolperstein-Aktion startete  am 8. Mai 2006, vor zehn Jahren, als die ersten sieben Steine verlegt wurden. Gegenwärtig sind es bereits 164 Stolpersteine in Frankfurt und Słubice.

Stolpersteine für Familie Simon aus Frankfurt (Oder) (Quelle: Internetseite der Stolperstein-Aktion in Frankfurt (Oder)).

Bei der letzten Verlegung am 13. Mai wurden zehn  Gedenksteine an fünf Verlegeorten eingelassen - so für die Mitglieder der Familie Hirschberg (Buschmühlenweg 21), für Friedrich Jonas (Brunnenplatz 2), Isaak Pick (Forststraße 4), Margarete Landshoff (Dr. Hermann - Neumark – Straße) und für die Familie Simon (Halbe Stadt 5). In der sich dem Vortrag anschließenden regen Diskussion wurden von den Anwesenden neue Namen für Stolpersteine vorgeschlagen, andere kritisch hinterfragt, wie auch mit Aufklebern verschandelte Stolpersteine erwähnt. Außerdem wurde die ursprüngliche, inzwischen abgewandelte Idee des Kölner Künstlers Gunter Demning angesprochen, wonach für jedes in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgte und deportierte Opfer an dessen letzter Adresse ein Stolperstein errichtet werden sollte.

Herr Frank Hühner und Herr Höft von der Aktion Stolpersteine Frankfurt (Oder) beim Vortrag im Historischen Verein.

Nach dem Vortrag von Herrn Höft sprach Herr Targiel über zwei Frankfurter Bibliothekare – zum 150. Geburtstag von Stadtrat und Bibliotheksdirektor Felix Plage (1866-1939) und zum 50. Todestag des Bibliotheksdirektors Dr. Franz Schriewer (1893-1966). Felix Plage, der 1906 Frankfurts Stadtbücherei begründete und bis 1933 leitete und Dr. Franz Schriewer als sein Nachfolger und Amtsinhaber bis 1945 haben die Entwicklung der Frankfurter Stadtbücherei von der Gründung bis zur Annahme als Leitbücherei des Regierungsbezirkes bestimmt. Bei der Betrachtung der Lebensleistung von Dr. Franz Schriewer als weithin bekannter und auch heute noch anerkannter Bibliotheksfachmann wurde deutlich, dass sich Bibliotheksdirektor Schriewer nicht gänzlich den Nationalsozialisten entzog (vgl. Mitteilungen, Heft 1, S. 21ff.).

Zum Abschluss des Vereinsabends folgte erstmals der neue Informationsteil. Jedes Mitglied hat fortan die Möglichkeit, nach den eigentlichen Vorträgen, über ein alle interessierendes Problem, sei es über ein besonderes Ereignis, ein neues Exponat oder Vorhaben in einem bis zu fünf Minuten langen Redebeitrag zu informieren. In der Maisitzung sprachen Herr Joachim Schneider (sein Vorschlag für einen „Hermann von Wissmann Weg), Herr Targiel (zum Stand des Sanierung der ehem. Bürgerschule als neues Stadtarchiv), Herr Dr. Schieck (Stand der Spendenaktion für die Restaurierung der Epitaphien: 15.000 € der benötigten 41.000 € wurden erreicht). Zum Abschluss stellte Herr Targiel die romanhafte Autobiographie „Lukas – Eine deutsche Erzählung“ von Prof. Dr. Franz-Viktor Salomon-vom Stein aus Hilden vor. Der mit zehn Jahren im Jahr 1953 nach Frankfurt gekommene spätere Veterinärmediziner, der bis zu seiner Emeritierung 2009 Leiter der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig war, skizziert in seinem Buch seine Jugend in Frankfurt und damit ein Jahrzehnt Stadtgeschichte.


Die erste Sitzung nach der Sommerpause fand am 27. September statt. Die 15 Mitglieder und 12 Gäste sahen im Stadtarchiv vor dem Vortragsteil den AFC-Film „Journal der Freundschaft“ Nr. 21 von 1981. Als erster Referent des Abends sprach Vereinsmitglied Herr Roland Semik anlässlich des 120. Todestages des Geheimen Sanitätsrates Dr. Goepel (gest. 3. Juni 1896) über „Dr. med. Heino Goepel und die Marienbäder einst und heute“ (sh. Mitteilungen, Heft 2/2016, S. 34ff.). Neben der Darstellung des Marienbades I (1901 eingeweiht, 1974 abgerissen) und II (eingeweiht 1905) stießen die Ausführungen zum Marienbad III auf besonderes Interesse. Das 1913 in der Dammvorstadt, Neuer Markt 37 (heute Johannes-Paul-Platz1) eingerichtete Bad dient heute als katholisches Studentenzentrum.

Ehemaliges Marienbad III (Quelle Google StreetView Februar 2017).

Anschließend sprach Herr Targiel anlässlich des 300. Geburtstages des ersten Predigers der Frankfurter reformierten Gemeinde Prof. theol. Eberhard Heinrich Stosch (1716-1781) über dessen Biographie und sein Reistagebuch von 1740 bis 1743. Prof. Stosch besuchte auf seiner Reise zahlreiche Universitätsstädte in Deutschland, Holland und England und hielt detailreich sein Begegnungen fest. Sein im Vortrag vorgestelltes, im Stadtarchiv im Original überliefertes Reisejournal ist heute für uns ein „Wer ist wer“ der Wissenschaft am Anfang der 1740er Jahre.

Im Informationsteil sprach Herr Schneider zur exakt bezeichneten Todesursache von Hermann Weingärtner in der 2. Auflage der MOZ/Stadtarchiv DVD. Herr Targiel informierte über die Verzögerung beim Umbau der ehem. Bürgerschule um ¼ Jahr, womit sich derzeit der Einzugstermin des Stadtarchivs auf den Frühjahr 2018 verändert. Es folgte Herr Dr. Schieck zum Stand der Spendenaktion St. Marien. Anschaulich informierte Herr Klemm über die von ihm in der Turnhalle der Erich-Kästner-Grundschule wiederentdeckte Malerei (zwei Hähne als Stadtzeichen) und ihre Neuanbringung. Zum Abschluss stellte Herr Targiel das von dem als Gast anwesenden Herrn Frank-Peter Brenner aus Berlin dem Stadtarchiv geschenkte Fotoalbum aus den 1950er Jahren mit Fotografien zu den Meisterprüfungen im Bereich der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) vor.


 An der Sitzung am 25. Oktober im Stadtarchiv nahmen 10 Mitglieder und 14 Gäste teil. Der Abend begann mit zwei kleineren Beiträgen aus der archivischen Filmsammlung. Der erste Film wurde 1999 vom Verein „Inter Nationes“ aufgenommen. Der im Ausland über deutsches Kulturgut informierende Verein berichtete in dem Film über die neue Universität in Frankfurt (Oder). Der Film wurde anlässlich des 25. Jahrestages der neuen Viadrina gezeigt. Danach folgte eine kleine, 10 minütige Filmproduktion der SVF/ Video & CD Studio Wolfgang Brach mit dem Titel “Die Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft macht mobil“.

An diesem Abend wurde nur ein Vortrag gehalten. Der ursprünglich geplante Vortrag über den vor 175 Jahren verstorbenen Karl Friedrich Schinkel wurde auf das nächste Vereinsjahr verlegt. Diesmal sprach als Gastreferent Herr Frank Retzlaff, ehrenamtlicher Leiter des Stadtarchivs Erkner, über das Wirken des Architekten und königlichen Beamten Martin Friedrich Knoblauch in Frankfurt und Umgebung. Dem einst in Frankfurt wohnenden Bauinspektor Knoblauch verdanken wir nicht nur die Garnisonschule, das heutige Kleistmuseum, sondern auch dass heute älteste Bauwerk Erkners. Der Referent berichtete von seinen Recherchen zur Biographie Knoblauchs (geb. 18. Nov. 1717 Spandau, gest. 21. Jan. 1791 Frankfurt).

Herr Retzlaff (Erkner) berichtet über das Wirken von Martin Friedrich Knoblauch.

Im Informationsteil berichtete Herr Dr. Schieck zum Spendenstand St. Marienkirche sowie zu einem Brief von Herrn Prof. Knauthe aus Berlin an das Museum zu einem der ersten Transporte von Heimkehrer nach Frankfurt Ende Juli 1945. Herr Targiel informierte über das Tätigkeitsende der „Märkischen Post“ zum 31. Oktober 2016 sowie zum Stand des Baugeschehens an der ehem. Bürgerschule (vorübergehender Baustopp) und zur Ausstellung „Neue Horizonte“, eine vom Frankfurter Kunstverein gemeinsam mit dem Stadtarchiv ab 27. Oktober gezeigte Ausstellung zum Lichtspieltheater der Jugend. Weiterhin informierte als Gast Herr Dr. Klaus Ziedler über den im Heft 24 / 2016 der Beiträge zur brandenburgisch preußischen Numismatik enthaltenen Beitrag über die von Otto Bernhard Jochem (1899-1976) entworfene und 1923 vom Frankfurter Magistrat herausgebrachte Notgeldserie. Herr Voigt verlas einen kurzen Bericht von Herrn Dr. Gert Bruhn, Literatur-Professor an der Universität Boston, der als ehemaliger Finkenheerder über einen Angriff von 12 zweimotorigen Bombern der RAF auf das dortige Großkraftwerk in der Nacht vom 23. zum 24. September 1940 berichtete. Die Mehrzahl der Bomben fiel in den Brieskower See, ein Dutzend explodierte nur ca. 200 m vom Kraftwerk entfernt.


An der nächsten Sitzung am 29. Nov. nahmen 13 Mitglieder und 12 Gäste teil. Als erster Referent sprach das Mitglied Herr Meyer über das Thema Meilensteine, ein Thema, das ihn schon länger beschäftigt. In seinem Vortrag „Chausseehäuser und Meilensteine im Bereich um Frankfurt (Oder)“ skizzierte der Referent die Entwicklung der Wegenetze und des Chausseebaus in Preußen im beginnenden 19. Jahrhundert. Sein reich illustrierter Vortrag stellte die Bedeutung der Post-, Chausseemeilensteine und Chausseehäuser für die Post-, Verkehrs- und Straßenbaugeschichte sowie Vermessungstechnik dar. Der Vortrag ist veröffentlicht in unseren Mitteilungen, Heft 2/2016, S.2ff.

Herr Meyer beim Vortrag über Chausseehäuser und Meilensteine.

Anschließend gaben Herr Dr. Schieck und Herr Dr. Klaus Eichler einen Bericht über das Zustandekommen der ständigen Ausstellung „Willkommen in der Heimat“ und deren besonderen Besuche in den 15 Jahren ihres bisherigen Bestehens. In einem dazu gezeigten Film der „Deutschen Welle“ waren Originalaufnahmen aus den späten 1940er Jahren zu sehen. Der Bericht von Herrn Dr. Klaus Eichler, als DVD mit Hilfe seines Sohnes, unseres Mitgliedes Herrn Dr. Michael Eichler unter Verwendung zahlreicher Fernseh- und anderer Medienberichte zusammengestellt, führte nicht nur durch die 15jährige Geschichte dieser Ausstellung, sondern zeigte auch, welchen Stellenwert diese in der öffentlichen Berichterstattung einnahm. Die jetzt zu aktualisierende Ausstellung „Willkommen in der Heimat“ bedarf künftig einer anderen Unterbringung. Die Mitglieder des Historischen Vereins stimmen mit Herrn Dr. Schieck als Verantwortlicher seitens des als Träger fungierenden Museums überein, dass für diese wichtige Ausstellung, mit der Frankfurt als der erste Ort für alle aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft Zurückkehrenden beleuchtet wird, eine neue, sachgerechte Unterbringungslösung geschaffen werden muss.

Im Informationsteil informierte Herr Schneider über das von Hubertus Godeysen herausgegebene Buch „Piefke Kulturgeschichte einer Beschimpfung“, erschienen 2010 in Wien-Klosterneuburg. Das Buch, dass jetzt auch in der Havard Universität in Cambridge angeschafft wurde, entstand unter Verwendung seiner auch schon in unserem Verein vorgetragenen Forschungsergebnissen über Gottfried Piefke als den „Karajan der Volksmusik“. Weiterhin informierte Herr Targiel, dass die Tätigkeit auf der Baustelle Neues Stadtarchiv mit der Beseitigung des kontaminierten Putzes wieder aufgenommen wurde. Herr Dr. Schieck berichtete über den Fortgang der Spendenaktion. Trotz neuveranschlagter Mehrkosten zur Restaurierung der wertvollen Epitaphien ist das erfolgreiche Ende in Aussicht. Zum Abschluss verlas Herr Targiel einen Kurzbericht von Herrn Semik über die am 1. Oktober am Słubicer Oderufer (zwischen den Buhnen 6 – 8 südlich der Oderbrücke) geborgenen 40 Grabsteine des alten Dammfriedhofes. Der älteste Stein stammt aus dem Jahr 1867.


Traditionell fand die letzte Sitzung des Jahres 2016 wieder im Museum statt. Von Herrn Dr. Schieck als nichtöffentliche Sitzung für die Mitglieder mit ihren Lebenspartnern organisiert, trafen sich am 20. Dezember 14 Teilnehmer im Museum.

Besuch der weihnachtlichen Ausstellung "Schneekugeln" im Museum Viadrina.

Dem von der Kuratorin Frau Dr. Sonja Michaels geleiteten Rundgang durch die Weihnachtsausstellung des Museums „Schneekugeln“ folgte eine Zusammenkunft in „Uromas Küche“ des Museums. Bei Glühwein, heiterem Raten über den Verwendungszweck historischer Gegenstände und angeregter Diskussion verging schnell die Zeit und stimmte die Mitglieder auf das Weihnachtsfest ein.

 

Zusammenkunft in "Uromas Küche" des Museums.