Zur Geschichte des "Historischen Vereins für Heimatkunde zu Frankfurt an der Oder"

Die Aufzeichnungen des Vereins begannen am 20. November 1860. An diesen Tag sandten vier Frankfurter - Regierungsrat Zitelmann, Rektor Dr. Schmidt, Oberlehrer Schwarze und Stadtrat Dr. Erich - an den Archivar Einbeck, an Dr. Harttung und acht weitere Herren die Einladung zu einer Besprechung an 4. Dezember d.J. "in dem Lokale des Steuergebäudes, Junkerstraße 11, eine Treppe hoch". Es sollte die Gründung eines Vereins zur Geschichte und Landeskunde vorbereitet werden. Bei dem Haus, indem diese Zusammenkunft stattfand. handelte es sich um das sogenannte Junkerhaus, unser heutiges Museumsgebäude. Nach Ausarbeitung und Annehme einer Satzung sowie der Wahl das Vorstandes war im Mai 1861 der Historische Verein gebildet.
Nun wandten sich die Mitglieder mit einen bei Trowitzsch und Sohn gedruckten Blatt an die interessierte Öffentlichkeit mit der Bitte, dem Verein beizutreten oder durch Übermittlung von Forschungsergebnissen das Unternehmen fördern zu wollen. Der Historische Verein hoffte, ein neuer Mittelpunkt der Forschung für den gesamten Regierungsbezirk Frankfurt zu werden. Dabei stand in der 80jährigen Existenz des Vereine immer die Frankfurter Geschichte im Vordergrund. Zu deren Erforschung bildete sich schon im Juni des Jahres 1851 eine besondere Abteilung des Historischen Vereins heraus. Den Mitgliedern gestattete der Magistrat die Benutzung dar städtischen Archivalien.
Der Historische Verein fand rasch in der Stadt und außerhalb von Frankfurt Anerkennung und so stieg die Zahl seiner Mitglieder schon im ersten Jahr auf 61 einheimische und 20 auswärtige. von der 2. Sitzung an, werden auf allen Zusammenkünften neue Forschungsergebnisse vorgetragen und die für die Veröffentlichung als geeignet befundenen in den "Mitteilungen des Historischen Vereins" publiziert. Das 1. Heft (= 1.. Jahresbericht 1861) enthielt - und das sollte ein wichtiges Thema bleiben - eine Arbeit zur Geschichte der Frankfurter Universität sowie eine Abhandlung über die Ortsnamen in Kreis Lebus. 35 weitere Hefte folgten, die nicht zuletzt durch die umfangreichen Archivstudien ihrer Autoren, noch heute zu den wichtigsten stadtgeschichtlichen Publikationen gehören.
Der Historische Verein erwarb sich bleibende Verdienste um die Erforschung der Vergangenheit, bei der Sammlung von Zeugnissen dieser Vergangenheit und um die Entwicklung des städtischen Archiv- und Museumswesens.
Darüber hinaus verfolgte der Verein auch "praktische Ziele". Als erstes sorgte er für den Erhalt und die Restaurierung des "im Park befindlichen Denkmals von Daries'', einem Werk von Gottfried Schadow.
Später wirkte er für die Anbringung von Gedenktafeln, für den Erhalt der Leopold- Schule (heute Kleist- Museum) und die Errichtung des Denkmals für Heinrich von Kleist.

OA Targiel

Alte Mitgliedkarte des "Historischen- statistischen Vereins zu Frankfurt a. d. O."