Bericht über die Tätigkeit des Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V. für das Vereinsjahr 2016

 

Liebe Vereinsmitglieder, sehr geehrte Damen und Herren!

 

Nunmehr können wir auf eine 27jährige Vereinsgeschichte zurückblicken. Unser Verein hat schon bleibende Spuren hinterlassen. Besonders die monatlichen Vorträge und ihre Publikation in unseren Mitteilungen haben weiße Flecken unserer Stadt- und Regionalgeschichte gefüllt, vieles wieder in Erinnerung gebracht. Unser Verein hat, wie im Jahr 2015, 29 Mitglieder. Wenn auch im vergangenen Jahr nicht, wie erhofft, neue Mitglieder zum Verein gekommen sind, garantiert unser reges Vereinsleben und auch der zahlreiche Besuch unserer Monatssitzungen dem Verein eine Zukunft, wenn ich auch nicht so vermessen sein will, wie eine Frankfurter Politikerin öffentlich auf einen 50jährigen Historischen Verein vorauszuschauen.

 

Lassen wir nachfolgend das vergangene Vereinsjahr Revue passieren. Es begann mit der Jahreshauptversammlung am 26. Januar 2016 im Stadtarchiv, zu der mit einer Pressemitteilung vom 18. Januar eingeladen wurde. Die Sitzung, an der 18 Mitglieder und 15 Gäste teilnahmen, begann mit dem Film „Frankfurter Streiflichter“. Der von Vereinsmitglied Herrn Eckard Reiß in den 1960er Jahren selbst gedrehte 8 mm Film, der im Original im Stadtarchiv hinterlegt ist, zeigt wertvolle Dokumentaraufnahmen von Frankfurt und Słubice, darunter auch die letzten bekannten Aufnahmen vom Jüdischen Friedhof. Danach las Vereinsmitglied Herr Horst Voigt ein weiteres Mal aus den bei ihm vorhandenen Originalbriefen des Architekten, Regierungs- und Baurates Martin Kießling und beendete damit seine im Vorjahr begonnene Lesereihe mit Kießlings Briefen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.

Den öffentlichen Teil beendete Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel mit dem Vortrag über das vor 500 Jahren von Nicolaus Teymler geschriebene zweite Frankfurter Stadtbuch. Teymler, der von 1497 bis 1539 als Stadtschreiber im Dienst der Stadt war, vermerkte in dem mit einer Buchmalerei (Christus Rückkehr zum Weltgericht) versehenen prachtvollen Band detailliert sämtliche Rechts- und Vermögensverhältnisse der Stadt (sh. Mitteilungen Heft 1/2016, S. 17ff.). Danach versammelten sich die anwesenden 18 Vereinsmitglieder zum nichtöffentlichen Sitzungsteil.

Als erster Tagesordnungspunkt war ein zweiter Kassenprüfer anzunehmen, zum dem Herr Reinhard Buchholz einstimmig gewählt wurde.

Es folgte die Verlesung des Rechenschaftsberichtes. Der Vorsitzende Herr Targiel verlas im Namen des Vorstandes den Bericht. Der Bericht wurde in der vorgetragenen Fassung mit 17 Ja-Stimmen und einer Enthaltung beschlossen (sh. Mitteilungen Heft 1/2016, S. 2ff.).

Im Anschluss verlas die Schatzmeisterin Frau Dr. Vera Kliemann den Kassenbericht 2015. Herr Wolfgang Brisch gab den Bericht der Kassenprüfer. Nach Bestätigung der ordnungsgemäßen Kassenführung und der satzungsgemäßen Verwendung der Vereinsmittel wurde der Kassenbericht einstimmig beschlossen.

Nach Entlastung des alten Vorstandes folgte die Neuwahl, wofür als Wahlleiter das Vereinsmitglied Herr Dr. Michael Eichler gewählt wurde. Die Wahl des Vorstandes wurde im zuvor einstimmig beschlossenen Wahlverfahren als offene Wahl mit Blockabstimmung durchgeführt.

Bei der folgenden Abstimmung über den neuen Vorstand und die Kassenprüfer wurden mit 18 Ja-Stimmen einstimmig die vorgeschlagenen Kandidaten für die Kassenprüfung sowie des neuen Vorstandes gewählt, der sich anschließend mit folgender Aufstellung konstituierte:

 

OA Ralf-Rüdiger Targiel, Vorsitzender

Dr. Martin Schieck, Stellvertretender Vorsitzender

Bernhard Klemm, Schriftführer

Dr. Vera Kliemann, Schatzmeisterin

Horst Voigt, Bibliothekar

 

Kassenprüfer:

Wolfgang Brisch

Reinhard Buchholz

 

Im Namen des neugewählten Vorstandes übernahm der neue Vorsitzende die Leitung der Sitzung. Er dankte dem Wahlleiter.

Im Folgenden wurden die Beschlüsse über ausstehende Beitragszahlungen und die Beitragshöhe gefasst: Mit 17 Ja-Stimmen und einer Enthaltung beschlossen die Mitglieder Beitragsschuldnern eine Frist bis März 2016 zu gewähren.

Zur Höhe des Beitrages 2016 wurde einstimmig beschlossen, die bisherige Beitragshöhe beizubehalten. (25,00 € Vollzahler/ 12,50 € Ruheständler, Arbeitslose, Auszubildende, Schüler, Studenten).

 Als letzter Tagungsordnungspunkt wurde der vom Vereinsvorstand vorgelegte neue Sitzungsplan beraten und beschlossen.

 

Auf der nächsten Sitzung am 23. Februar, zu der 47 Personen (dar. 14 Mitglieder) in das Stadtarchiv kamen, sprach der Stellvertretende Vereinsvorsitzende, amt. Direktor der Städtischen Museen Herr Dr. Schieck über den Beginn des umfassenden Restaurierungs- und Ausstellungsprojektes „Bürger-Pfarrer- Professoren. St. Marien in Frankfurt (Oder) und die Reformation in Brandenburg“. Anfang Mai 2017 werden an verschiedenen Standorten in Frankfurt Ausstellungen beginnen, mit denen die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag des Beginns der Reformation im Land Brandenburg ihre Eröffnung finden. Dazu wird auch eine Spendenaktion durchgeführt, mit dessen Erlös die sich einst in der Marienkirche und heute in der St. Gertraudkirche befindlichen Epitaphien restauriert werden sollen. Herr Dr. Schieck berichtete dann auf jeder Sitzung vom Fortgang der Vorbereitungen und dem Spendenstand.

Anschließend sprach Vereinsmitglied Herr Lothar Meyer über den Wasserturm der Gasanstalt Am Graben (sh. Mitteilungen, Heft 1/2016, S. 13ff.) Der Vortrag über den 1905 errichteten Wasserturm versteht sich als Ergänzung seines im Heft 2/ 2013 veröffentlichten Beitrages über Frankfurts Wassertürme. Dem Vortragsteil schloss sich eine nichtöffentliche Mitglieder-Hauptversammlung an. Da auf Forderung des Finanzamtes die Vereinssatzung in einigen Punktes verändert werden musste, hatten 11 Mitglieder und damit mehr als das erforderliche Drittel der Mitglieder die Einberufung der außerordentlichen Hauptversammlung beantragt. Zwar erfolgte die Einberufung der Versammlung satzungsgerecht, es wurde jedoch mit den 13 anwesenden Vereinsmitglieder nicht das erforderliche Quorum von 2/3 der Mitglieder erreicht, weshalb die Satzungsänderungen für die nächste Mitgliederversammlung zurückgestellt werden mussten.

 

Die nächste Sitzung fand zum veränderten Termin am 5. April im Museum statt. Anwesend waren 13 Mitglieder und 24 Gäste. In der von Herrn Dr. Schieck geleiteten Sitzung sprach das Vereinsmitglied Herr Dr. Andreas Billert über „Frankfurt (Oder) im 21. Jahrhundert, doch anders als man denkt oder eher  - als man es macht“. Seinem reich illustrierten Vortrag folgte eine rege Diskussion über die Fehler der Stadtentwicklung in den vergangenen zwei Jahrzehnten und der Frage, wie sich Frankfurt mit seiner verringerten Einwohnerzahl und der geringen industriellen Basis angemessen entwickeln kann (vgl. Mitteilungen Heft 2/2016, S. 28ff.). Als zweiter Referent sprach das langjährige Mitglied Herr Joachim Schneider über den von ihm mittels LiDAR (Laser detection and ranging - Messung mit Laserstrahlen) in Słubice wiederentdeckten Schießplatz. Es handelt sich dabei um den heute mit Wald zugewachsenen ehemaligen Polizeischießplatz aus den 1920er Jahren nördlich von Schwetig.

Zum Abschluss berieten die 13 anwesenden Mitglieder in nichtöffentlicher Sitzung über die notwendigen Satzungsveränderungen. Die Änderungen wurden einzeln zur Abstimmung gestellt und jeweils einstimmig beschlossen (Satzung in der Fassung vom 5. April 2016 sh. Mitteilungen, Heft 1/2016, S. 8ff.).

 

Die gleichfalls im Museum durchgeführte nächste Sitzung am 26. April war dem bedeutenden Frankfurter Orgelbaumeister Wilhelm Sauer (1831-1916) gewidmet. Sein Nachlass befindet sich im Stadtarchiv. In seinem Nachruf hieß es: „Wilhelm Sauer hat in unermüdlicher Schaffenskraft dem Orgelbau vielfach neue Bahnen gewiesen … [seine Firma erlangte] Weltruf …, wodurch der Name unserer Stadt weit in der Welt genannt wurde.“. Anlässlich seines 100. Todestages am 9. April 1916 konnte der Prokurist der Firma W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) GmbH, Müllrose, Herr Michael Schulz für einen Vortrag gewonnen werden. Sein von den 33 Anwesenden (darunter 14 Mitgliedern) mit großem Interesse aufgenommener Vortrag „Wilhelm Sauer – Königlicher Hoforgelbaumeister aus Frankfurt (Oder)“ ist in den Mitteilungen Heft 2/2016, S. 18ff. veröffentlicht. Im Anschluss an den Vortrag ließ der gleichfalls bei der Orgelbaufima W. Sauer einst beschäftigte Herr Peter Fräßdorf die beiden im Museum ausgestellten Sauer-Orgel-Portative erklingen.

 

Am 31. Mai fand die letzte Sitzung vor der Sommerpause wieder im Stadtarchiv statt. Der Abend begann mit der Vorführung des aus der archivischen Filmsammlung stammenden „Journals der Freundschaft“ des AFC Nr. 20 aus dem Jahr 1981 (u.a. mit einem Beitrag zur Schlüsselübergabe zur 10.000 AWG-Wohnung). Als erster Referent berichtete das Vereinsmitglied Herr Carsten Roman Höft, einer der Organisatoren der Frankfurter Stolperstein-Verlegung, über diese Aktion. Die Stolperstein-Aktion begann in Frankfurt am 8. Mai 2006, vor zehn Jahren, als die ersten sieben Steine verlegt wurden. Gegenwärtig sind es bereits 164 Stolpersteine in Frankfurt und Słubice. Bei der letzten Verlegung am 13. Mai wurden zehn  Gedenksteine an fünf Verlegeorten eingelassen - so für die Mitglieder der Familie Hirschberg (Buschmühlenweg 21), für Friedrich Jonas (Brunnenplatz 2), Isaak Pick (Forststraße 4), Margarete Landshoff (Dr. Hermann - Neumark – Straße) und für die Familie Simon (Halbe Stadt 5). In der sich dem Vortrag anschließenden regen Diskussion wurden von den Anwesenden neue Namen für Stolpersteine vorgeschlagen, andere kritisch hinterfragt, wie auch mit Aufklebern verschandelte Stolpersteine erwähnt. Außerdem wurde die ursprüngliche, inzwischen abgewandelte Idee des Kölner Künstlers Gunter Demning angesprochen, wonach für jedes in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgte und deportierte Opfer an dessen letzter Adresse ein Stolperstein errichtet werden sollte.

Bekanntlich unterstützt unser Verein die Aktion. So wie ich Herrn Höft für sein großes Engagement bei der Stolperstein-Aktion danke, möchte ich zugleich der Schatzmeisterin unseres Verein, Frau Dr. Kliemann danken, welche auch im vergangenen Vereinsjahr die gesamte Ein- und Ausgaberechnung der Aktion betreute.

Nach dem Vortrag von Herrn Höft sprach Herr Targiel über zwei Frankfurter Bibliothekare – zum 150. Geburtstag von Stadtrat und Bibliotheksdirektor Felix Plage (1866-1939) und zum 50. Todestag des Bibliotheksdirektors Dr. Franz Schriewer (1893-1966). Felix Plage, der 1906 Frankfurts Stadtbücherei begründete und bis 1933 leitete und Dr. Franz Schriewer als sein Nachfolger und Amtsinhaber bis 1945 haben die Entwicklung der Frankfurter Stadtbücherei von der Gründung bis zur Annahme als Leitbücherei des Regierungsbezirkes bestimmt. Bei der Betrachtung der Lebensleistung von Dr. Franz Schriewer als weithin bekannter und auch heute noch anerkannter Bibliotheksfachmann wurde deutlich, dass sich Bibliotheksdirektor Schriewer nicht gänzlich den Nationalsozialisten entzog (vgl. Mitteilungen, Heft 1, S. 21ff.).

Zum Abschluss des Vereinsabends folgte erstmals der neue Informationsteil. Jedes Mitglied hat fortan die Möglichkeit, nach den eigentlichen Vorträgen, über ein alle interessierendes Problem, sei es über ein besonderes Ereignis, ein neues Exponat oder Vorhaben in einem bis zu fünf Minuten langen Redebeitrag zu informieren. In der Maisitzung sprachen Herr Joachim Schneider (sein Vorschlag für einen „Hermann von Wissmann Weg), Herr Targiel (zum Stand des Sanierung der ehem. Bürgerschule als neues Stadtarchiv), Herr Dr. Schieck (Stand der Spendenaktion für die Restaurierung der Epitaphien: 15.000 € der benötigten 41.000 € wurden erreicht). Zum Abschluss stellte Herr Targiel die romanhafte Autobiographie „Lukas – Eine deutsche Erzählung“ von Prof. Dr. Franz-Viktor Salomon-vom Stein aus Hilden vor. Der mit zehn Jahren im Jahr 1953 nach Frankfurt gekommene spätere Veterinärmediziner, der bis zu seiner Emeritierung 2009 Leiter der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig war, skizziert in seinem Buch seine Jugend in Frankfurt und damit ein Jahrzehnt Stadtgeschichte.

 

Die erste Sitzung nach der Sommerpause fand am 27. September statt. Die 15 Mitglieder und 12 Gäste sahen im Stadtarchiv vor dem Vortragsteil den AFC-Film „Journal der Freundschaft“ Nr. 21 von 1981. Als erster Referent des Abends sprach Vereinsmitglied Herr Roland Semik anlässlich des 120. Todestages des Geheimen Sanitätsrates Dr. Goepel (gest. 3. Juni 1896) über „Dr. med. Heino Goepel und die Marienbäder einst und heute“ (sh. Mitteilungen, Heft 2/2016, S. 34ff.). Neben der Darstellung des Marienbades I (1901 eingeweiht, 1974 abgerissen) und II (eingeweiht 1905) stießen die Ausführungen zum Marienbad III auf besonderes Interesse. Das 1913 in der Dammvorstadt, Neuer Markt 37 (heute Johannes-Paul-Platz1) eingerichtete Bad dient heute als katholisches Studentenzentrum. Anschließend sprach Herr Targiel anlässlich des 300. Geburtstages des ersten Predigers der Frankfurter reformierten Gemeinde Prof. theol. Eberhard Heinrich Stosch (1716-1781) über dessen Biographie und sein Reistagebuch von 1740 bis 1743. Prof. Stosch besuchte auf seiner Reise zahlreiche Universitätsstädte in Deutschland, Holland und England und hielt detailreich sein Begegnungen fest. Sein im Vortrag vorgestelltes, im Stadtarchiv im Original überliefertes Reisejournal ist heute für uns ein „Wer ist wer“ der Wissenschaft am Anfang der 1740er Jahre.

Im Informationsteil sprach Herr Schneider zur exakt bezeichneten Todesursache von Hermann Weingärtner in der 2. Auflage der MOZ/Stadtarchiv DVD. Herr Targiel informierte über die Verzögerung beim Umbau der ehem. Bürgerschule um ¼ Jahr, womit sich derzeit der Einzugstermin des Stadtarchivs auf den Frühjahr 2018 verändert. Es folgte Herr Dr. Schieck zum Stand der Spendenaktion St. Marien. Anschaulich informierte Herr Klemm über die von ihm in der Turnhalle der Erich-Kästner-Grundschule wiederentdeckte Malerei (zwei Hähne als Stadtzeichen) und ihre Neuanbringung. Zum Abschluss stellte Herr Targiel das von dem als Gast anwesenden Herrn Frank-Peter Brenner aus Berlin dem Stadtarchiv geschenkte Fotoalbum aus den 1950er Jahren mit Fotografien zu den Meisterprüfungen im Bereich der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) vor.

 

An der Sitzung am 25. Oktober im Stadtarchiv nahmen 10 Mitglieder und 14 Gäste teil. Der Abend begann mit zwei kleineren Beiträgen aus der archivischen Filmsammlung. Der erste Film wurde 1999 vom Verein „Inter Nationes“ aufgenommen. Der im Ausland über deutsches Kulturgut informierende Verein berichtete in dem Film über die neue Universität in Frankfurt (Oder). Der Film wurde anlässlich des 25. Jahrestages der neuen Viadrina gezeigt. Danach folgte eine kleine, 10 minütige Filmproduktion der SVF/ Video & CD Studio Wolfgang Brach mit dem Titel “Die Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft macht mobil“.

An diesem Abend wurde nur ein Vortrag gehalten. Der ursprünglich geplante Vortrag über den vor 175 Jahren verstorbenen Karl Friedrich Schinkel wurde auf das nächste Vereinsjahr verlegt. Diesmal sprach als Gastreferent Herr Frank Retzlaff, ehrenamtlicher Leiter des Stadtarchivs Erkner, über das Wirken des Architekten und königlichen Beamten Martin Friedrich Knoblauch in Frankfurt und Umgebung. Dem einst in Frankfurt wohnenden Bauinspektor Knoblauch verdanken wir nicht nur die Garnisonschule, das heutige Kleistmuseum, sondern auch dass heute älteste Bauwerk Erkners. Der Referent berichtete von seinen Recherchen zur Biographie Knoblauchs (geb. 18. Nov. 1717 Spandau, gest. 21. Jan. 1791 Frankfurt).

Im Informationsteil berichtete Herr Dr. Schieck zum Spendenstand St. Marienkirche sowie zu einem Brief von Herrn Prof. Knauthe aus Berlin an das Museum zu einem der ersten Transporte von Heimkehrer nach Frankfurt Ende Juli 1945. Herr Targiel informierte über das Tätigkeitsende der „Märkischen Post“ zum 31. Oktober 2016 sowie zum Stand des Baugeschehens an der ehem. Bürgerschule (vorübergehender Baustopp) und zur Ausstellung „Neue Horizonte“, eine vom Frankfurter Kunstverein gemeinsam mit dem Stadtarchiv ab 27. Oktober gezeigte Ausstellung zum Lichtspieltheater der Jugend. Weiterhin informierte als Gast Herr Dr. Klaus Ziedler über den im Heft 24 / 2016 der Beiträge zur brandenburgisch preußischen Numismatik enthaltenen Beitrag über die von Otto Bernhard Jochem (1899-1976) entworfene und 1923 vom Frankfurter Magistrat herausgebrachte Notgeldserie. Herr Voigt verlas einen kurzen Bericht von Herrn Dr. Gert Bruhn, Literatur-Professor an der Universität Boston, der als ehemaliger Finkenheerder über einen Angriff von 12 zweimotorigen Bombern der RAF auf das dortige Großkraftwerk in der Nacht vom 23. zum 24. September 1940 berichtete. Die Mehrzahl der Bomben fiel in den Brieskower See, ein Dutzend explodierte nur ca. 200 m vom Kraftwerk entfernt.

 

An der nächsten Sitzung am 29. Nov. nahmen 13 Mitglieder und 12 Gäste teil. Als erster Referent sprach das Mitglied Herr Meyer über das Thema Meilensteine, ein Thema, das ihn schon länger beschäftigt. In seinem Vortrag „Chausseehäuser und Meilensteine im Bereich um Frankfurt (Oder)“ skizzierte der Referent die Entwicklung der Wegenetze und des Chausseebaus in Preußen im beginnenden 19. Jahrhundert. Sein reich illustrierter Vortrag stellte die Bedeutung der Post-, Chausseemeilensteine und Chausseehäuser für die Post-, Verkehrs- und Straßenbaugeschichte sowie Vermessungstechnik dar. Der Vortrag ist veröffentlicht in unseren Mitteilungen, Heft 2/2016, S.2ff.

Anschließend gaben Herr Dr. Schieck und Herr Dr. Klaus Eichler einen Bericht über das Zustandekommen der ständigen Ausstellung „Willkommen in der Heimat“ und deren besonderen Besuche in den 15 Jahren ihres bisherigen Bestehens. In einem dazu gezeigten Film der „Deutschen Welle“ waren Originalaufnahmen aus den späten 1940er Jahren zu sehen. Der Bericht von Herrn Dr. Klaus Eichler, als DVD mit Hilfe seines Sohnes, unseres Mitgliedes Herrn Dr. Michael Eichler unter Verwendung zahlreicher Fernseh- und anderer Medienberichte zusammengestellt, führte nicht nur durch die 15jährige Geschichte dieser Ausstellung, sondern zeigte auch, welchen Stellenwert diese in der öffentlichen Berichterstattung einnahm. Die jetzt zu aktualisierende Ausstellung „Willkommen in der Heimat“ bedarf künftig einer anderen Unterbringung. Die Mitglieder des Historischen Vereins stimmen mit Herrn Dr. Schieck als Verantwortlicher seitens des als Träger fungierenden Museums überein, dass für diese wichtige Ausstellung, mit der Frankfurt als der erste Ort für alle aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft Zurückkehrenden beleuchtet wird, eine neue, sachgerechte Unterbringungslösung geschaffen werden muss.

Im Informationsteil informierte Herr Schneider über das von Hubertus Godeysen herausgegebene Buch „Piefke Kulturgeschichte einer Beschimpfung“, erschienen 2010 in Wien-Klosterneuburg. Das Buch, dass jetzt auch in der Havard Universität in Cambridge angeschafft wurde, entstand unter Verwendung seiner auch schon in unserem Verein vorgetragenen Forschungsergebnissen über Gottfried Piefke als den „Karajan der Volksmusik“. Weiterhin informierte Herr Targiel, dass die Tätigkeit auf der Baustelle Neues Stadtarchiv mit der Beseitigung des kontaminierten Putzes wieder aufgenommen wurde. Herr Dr. Schieck berichtete über den Fortgang der Spendenaktion. Trotz neuveranschlagter Mehrkosten zur Restaurierung der wertvollen Epitaphien ist das erfolgreiche Ende in Aussicht. Zum Abschluss verlas Herr Targiel einen Kurzbericht von Herrn Semik über die am 1. Oktober am Słubicer Oderufer (zwischen den Buhnen 6 – 8 südlich der Oderbrücke) geborgenen 40 Grabsteine des alten Dammfriedhofes. Der älteste Stein stammt aus dem Jahr 1867.

 

Traditionell fand die letzte Sitzung des Jahres 2016 wieder im Museum statt. Von Herrn Dr. Schieck als nichtöffentliche Sitzung für die Mitglieder mit ihren Lebenspartnern organisiert, trafen sich am 20. Dezember 14 Teilnehmer im Museum. Dem von der Kuratorin Frau Dr. Sonja Michaels geleiteten Rundgang durch die Weihnachtsausstellung des Museums „Schneekugeln“ folgte eine Zusammenkunft in „Uromas Küche“ des Museums. Bei Glühwein, heiterem Raten über den Verwendungszweck historischer Gegenstände und angeregter Diskussion verging schnell die Zeit und stimmte die Mitglieder auf das Weihnachtsfest ein.

 

Soweit zum Verlauf des Vereinsjahres 2016. Ich möchte allen Referenten im Namen des Vorstandes herzlich für ihre Beiträge danken. Auch in diesem Jahr möchte ich dem Stadtarchiv und dem Museum für die kostenfrei zur Verfügung gestellten Räume und Ressourcen danken.

Die Sitzungen wurden durch Vorstandssitzungen vorbereitet. Der Vorstand traf sich sieben Mal, jeweils am Dienstag zwei bis drei Wochen vor der jeweiligen Monatssitzung. Für ihre Arbeit im Vorstand danke ich herzlich den Mitgliedern des Vorstandes, Frau Dr. Kliemann (Vereinsfinanzen), Herrn Dr. Schieck (Stellvertretender Vorsitz, Sitzungen im Museum), Herrn Voigt (Bibliothek, dabei auch die Verwaltung, Verteilung und Versendung unserer Vereinsmitteilungen – in diesem Jahr konnten sogar 7 Hefte in die USA gesandt werden) sowie Herrn Klemm (Schriftführung).

 

Zur Führung der Vereinsfinanzen wird mitgeteilt, dass sich unsere Beitragszahlung positiv entwickelt hat. Das vorhandene Guthaben rührt vor allem aus der pünktlichen Beitragszahlung. So haben wir keine Beitragsrückstande über das Jahr 2016 hinaus (fünf ausstehende Beiträge für 2016). Unser Verein erhielt 2015 Spenden von Vereinsmitgliedern. Unsere auswärtigen Mitglieder Herr Udo Harttung und Herr Joachim Wagner spendete jeweils 37,50 €. Dafür vielen Dank.

 

Für ihre Tätigkeit bei der Fertigung unserer Mitteilungshefte dankt der Vorstand dem Redaktionskollegium Herrn Buwert und Herrn Reiß. Nachdem Heft 1/2016 in der Septembersitzung und Heft 2/2016 heute, am 31. Januar 2017 an die Mitglieder kostenfrei verteilt werden konnte, ist festzustellen, dass es auch in diesem Vereinsjahr wieder gelang, zwei Hefte herauszubringen. Da jedoch nicht alle gehaltenen Beiträge zum Druck vorlagen, möchte ich erneut an alle Referenten appellieren, gleich nach ihrem Vortrag an Herrn Reiß das Manuskript mit den zur Veröffentlichung möglichen Abbildungen zum Druck zu geben. Gleiches sollte auch an den Vorsitzenden gesandt werden, da das Stadtarchiv für eine weitergehende gewünschte Bebilderung des Aufsatzes in der Regel helfen kann.

 

Unsere Internetseite, die über den Provider 1 & 1 mit Hilfe des Museums nun schon seit 11 Jahren geführt wird, wurde erneut in bewährter Art von unserem Webmaster Herrn Dr. M. Eichler bearbeitet. Mindestens einmal im Monat wurde die Seite aktualisiert. Dabei wurde besonders die Rubriken „Vereinssitzung-Rückblick“ und „Heftreihe: Mitteilungen – Historischer Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V.“ aktualisiert.

Mit 1.000 Zugriffen auf heute insgesamt 11.000 Zugriffen seit 2005 hat sich leider erstmals die Beanspruchung unserer Internetseite durch die Nutzer gegenüber dem Vorjahr verringert.

 

Über die Internetseite erhielt unser Verein auch in diesem Jahr zahlreiche Mails. Diese wurden – soweit sie nicht SPAM-Mail oder Mailnachrichten zur Verbesserung unserer Suchreihenfolge darstellten - vom Vorsitzenden beantwortet oder an das Stadtarchiv, an das Museum oder an andere Spezialisten zur Beantwortung weitergeleitet. Wie von Herrn Dr. Michael Eichler angekündigt, wurden für den Webauftritt des Vereins Links zu Videoinhalten auf YouTube installiert. Unter der Rubrik Organisatorisches / Vereinssitzungs- Rückblick kann man seitdem zum Thema der Novembersitzung des Jahres 2015 über das Wirken des Garten- und Landschaftsarchitekten Friedrich Wilhelm Hirsch zu zwei Videosequenzen auf YouTube gelangen, die über den Frankfurter Anger und das ehemalige Ostmarkstadion in Słubice berichten. Vereinsmitglied Herr Semik, der dieses Thema in der Novembersitzung 2015 behandelte (sh. Mitteilungen, Heft 1/2016m S. 31ff), hat jetzt auch den kompletten Videoschnitt und das Hochladen der Clips realisiert. Dazu verwendete er unter anderem das durch Herrn Dr. Michael Eichler bereitgestellte Videomaterial, welches im Wesentlichen aus einem globalen Zoom auf die behandelten Lokalitäten mit Hilfe von Google-Earth Animationen, eigenen Aufnahmen mit einer Handkamera und - als Besonderheit - auch einigen Luftbildaufnahmen mit der eigenen Drohne bestand. Da bislang nur 100 bzw. knapp 200 Zugriffe auf diese Videosequenzen erfolgten, bleibt abzuwarten, ob diese Einbindung von Videoinformationen über YouTube in den Webauftritt des Historischen Vereins der richtige Weg ist. Für die Installierung der Videosequenzen danke ich den Herren Semik und Dr. Michael Eichler.

 

Zum Ende des Tätigkeitsberichtes möchte ich wieder darauf verweisen, dass Mitglieder unseres Historischen Vereins, wie Herr Buwert, Herr Dr. K. Eichler, Herr Klemm, Herr Meyer, Herr Reiß, Herr Schneider, Herr Semik (besonders in Słubice), Herr Dr. Schieck, Herr Targiel und Herr Voigt, sich auch über den Verein hinaus an stadtgeschichtlichen Aktionen beteiligten. Besonders erwähnt werden soll auch die Kooperationsveranstaltung der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität mit der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. Die Veranstalter haben das von unserem Verein schon gleich nach 1990 aufgenommen Thema der Stadt der Heimkehrer erneut aufgegriffen und dazu am 5. Dezember im Hauptgebäude der Universität die Vortragsveranstaltung „Die Oderstadt als Drehscheibe für Hunderttausende – Heimkehrer, Kriegsgefangene, Zivilinternierte und die besondere Rolle von Frankfurt (Oder) 1945 – 1956“ durchgeführt. Vereinsmitglied Herr Buwert hielt auf dieser Veranstaltung unter dem Titel „´1945 bis 1956: So viele Menschen – so viele Wege …´ Frankfurt (Oder) als Schicksalsort für Hunderttausende und Zentrum des Zeitgeschehens“ den ersten der beiden Hauptvorträge. Desweiteren soll erwähnt werden, dass die Herren Buchholz, Klemm und Schneider die Initiativgruppe zur Wiederherstellung der Beschriftung des Eisenbahnerdenkmals am Hauptbahnhof unterstützten.

 

Zum Abschluss möchte ich noch die Aufforderung der Abteilung für Registersachen des Amtsgerichtes vom 21. November 2016 erwähnen, in dem unser Verein aufgefordert wurde, statt der nach Meinung des Amtsgerichts noch gültigen Satzung vom 28. Mai 1991 eine neue Satzung zu verabschieden, was wir mit unserem Beschluss auf der heutigen Hauptversammlung realisierten.

 

Damit möchte ich den Tätigkeitsbericht schließen. Im Namen des gesamten Vorstandes wünsche ich uns für 2017 wieder ein schönes und erkenntnisreiches Vereinsjahr.

 

OA Ralf-Rüdiger Targiel

 

Vorsitzender des Historischen

Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V.