Nachruf

 

Der Historische Verein zu Frankfurt (Oder) e. V: trauert um sein langjähriges Mitglied

 

Herrn OMR Dr. med. habil. Klaus Eichler.

Am 19. Dezember 2018 verstarb in Frankfurt unser Ehrenmitglied Herr OMR Dr. med. habil. Klaus Eichler. Geboren am 5. Mai 1929 in Berlin-Lichterfelde, war er nach Stationen in Cottbus, Spremberg, Hennigsdorf und Schwedt im September 1975 als Leiter der Arbeitshygieneinspektion des Bezirkes nach Frankfurt (Oder) gekommen, der Stadt, in der er bis zu seinem Lebensende wirken sollte. Neben seiner dienstlichen Tätigkeit galt sein Interesse vornehmlich der Medizingeschichte. Auf diesem Feld reicht unsere Bekanntschaft zum Jahr 1980 zurück, als Herr Dr. Eichler – gleich nach dem Erscheinen eines archivischen Zeitungsartikels zum 65. Todestag von Friedrich Loeffler – erstmals in das Stadtarchiv kam. Seinem 1982 verfassten Manuskript zum bevorstehenden 100. Jahrestag der Entdeckung des Diphtherie- Erregers durch Loeffler entsprang die Idee für eine wissenschaftliche Tagung, das wir dann als Bezirkskomitee der Historiker-Gesellschaft im März 1984 zusammen mit dem Bezirkskrankenhaus und dem Bezirkshygieneinstitut veranstalteten und auf der er den ersten Hauptvortrag zum „Leben, Zeit und Leistung von Prof. F. Loeffler“ hielt. Sein nächstes Augenmerk richtete er auf den Arzt und Forstmann Prof. Dr. August Bier anlässlich dessen 125. Geburtstages 1986. Als sich mit der Wende bisherige Strukturen durch neue ablösten und Herr Dr. Eichler fortan als Betriebsarzt des arbeitsmedizinischen Dienstes der Berufsgenossenschaften sowie als Gutachter für das Versorgungsamt tätig war, führte er seine medizinhistorischen Arbeiten fort. Und so war es nur folgerichtig, dass er am 25. September 1990, noch im ersten Jahr unseres Historischen Vereins, den Weg zum Verein fand. Im November 1991 hielt er seine ersten Vorträge über Matthäus Gottfried Purmann und August Bier. Diesen Vorträgen sollten bis zu seinem letzten Beitrag über Frankfurts Lazarette im Ersten Weltkrieg im Oktober 2014 mehr als 34 Vorträge folgen. Er profilierte sich als der Bearbeiter medizinhistorischer Themen, wobei er durch Archivrecherchen und Kontakt zu den Nachkommen der dargestellten Mediziner viel bisher Unbekanntes publizieren konnte. Dass seine Arbeiten bald über den engeren medizinhistorischen Bereich hinausgingen, belegen seine Arbeiten zum Heimkehrlager – wobei er sich von Anfang an der Arbeit der 1992 „Arbeitsgruppe Gronenfelde“ beteiligte –, zur Geschichte des Lutherstiftes und zu der in Frankfurt verstorbenen Witwe des letzten Kaisers. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Durchführung der jährlichen Exkursionen von 1992 bis 2002, die uns in den jährlichen Sommerpausen an Wirkungsorte bedeutender Persönlichkeiten führten. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand intensivierte er sein medizinhistorisches- und stadthistorisches Engagement. Sein wichtigstes Werk dürfte dabei die von ihm initiierte, auch als Sprecher des Kreisverbandes der Heimkehrer maßgeblich von ihm mit anderen zusammen erarbeitete und fast bis zum Ende seines Lebens betreute Ausstellung „Willkommen in der Heimat“ sein, die ab 2001 in der ehem. Hornkaserne (Polizeipräsidium) gezeigt wird und heute Teil der Gedenkstätte „Opfer der Gewalt“ des Museums Viadrina ist. Für seine langjährige Mitgliedschaft, seinem Wirken um die Stadtgeschichte – wobei er manche Arbeit im Eigenverlag herausbrachte - und seinem Anteil am regen Vereinsleben wurde Herr Dr. Eichler im Jahr 2014 als Ehrenmitglied unseres Vereins angenommen. Schon zuvor, im Jahr 2007, zeichnete ihn der Rotary Club Frankfurt mit der Leopoldmedaille aus. Solange es im gesundheitlich möglich war, beteiligte er sich historischen Projekten, wie zuletzt der Wiederherstellung des Frankfurter Friedhofes für die Kriegsgefangenen des Ersten Weltkrieges. Mit Herrn Dr. Eichler verliert unser Verein eines seiner rührigsten Mitglieder. Die Mitglieder des Historischen Vereins werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.


OA Ralf-Rüdiger Targiel als Vorsitzender im Namen des Vorstandes und der Mitglieder des Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V.