Bericht über die Tätigkeit des Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V. für das Vereinsjahr 2017

Liebe Vereinsmitglieder, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Das vergangene Vereinsjahr war gekennzeichnet durch eine Fülle von Vorträgen unterschiedlichster Thematik und hat die geschriebene Stadtgeschichte um viele neue Facetten bereichert. Hervorgehoben werden soll, dass es im Berichtsjahr vor allem die Mitglieder unseres Vereins waren, die sich selbst den historischen Themen stellten und durch eigene stadtgeschichtlichen Forschungen dazu beitrugen.
Unser Verein hat, wie in den Jahren zuvor, auch heute 29 Mitglieder. Durch Tod verloren wir zwei Mitglieder. Am 20. Februar verloren wir unser langjähriges Ehrenmitglied, Herrn Obermuseumsrat Diplom-Ethnograph Joachim Winkler. Bei seiner Beerdigung am 1. April legte Herr Dr. Martin Schieck im Namen unseres Vereins ein Blumenbukett nieder. Am 23. März verstarb in Süsel / Ottendorf das auswärtige Mitglied, der Lehrer Herr Wolfgang Schmidt, der erst im Jahre 2014 zu unserem Verein gefunden hatte. Gedenken wir noch einmal der Verstorbenen.
Erfreulicherweise konnten wir im vergangenen Vereinsjahr zwei neue Mitglieder aufnehmen. Am 31. Jan. fanden der Veterinärmediziner Prof. em. Dr. Franz-Viktor Salomon – vom Stein aus Hilden sowie am 24. Okt. der Diplom Kulturwissenschaftler Karl- Konrad Tschäpe aus Frankfurt (Oder) zu unserem Verein. Hoffen wir, dass auch im neuen Vereinsjahr noch mancher, der kontinuierlich an den öffentlichen Sitzungen des Vereins teilnimmt, auch Mitglied wird und damit selbst aktiv für ein reges Vereinsleben wirken kann.

Schauen wir nachfolgend, wie jedes Jahr, auf das vergangene Vereinsjahr zurück. Es begann mit der Jahreshauptversammlung am 31. Januar 2017 im Stadtarchiv. Wegen der nötigen Neuwahl des Vorstandes wurden alle Mitglieder am 19. Jan. schriftlich sowie über eine Pressemitteilung vom 23. Jan. zur Sitzung eingeladen. An der Versammlung nahmen 16 Mitglieder sowie 2 Gäste teil.
Die Sitzung begann mit dem Vortrag von Herrn Dr. Martin Schieck „Feldpost für Elfriede. Zu einem im Museum Viadrina vorhandenen Album mit Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg“. Postkarten waren ein massenhaftes Kommunikationsmittel, Mittler zwischen der Heimat, der Familie und der Front. Nach einem Überblick über in Frankfurt heute noch vorhandene, einst in den hiesigen Lazaretten geschriebenen Postkarten wurde anhand eines Albums der 1892 in Frankfurt geborenen und 1974 in Fürstenwalde verstorbenen Elfriede Schröter, das 200 von ihren Freunden von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges gesandten Karten enthält, über die Bedeutung und Auswertungsmöglichkeiten gesprochen.
Nach dem Vortrag wurden die Gäste verabschiedet und die 16 anwesenden Mitglieder traten in den nichtöffentlichen Teil der Jahreshauptversammlung ein. Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel verlas ein Schreiben der Abteilung für Registersachen des Amtsgerichtes Frankfurt (Oder) vom 21. November 2016, wonach alle Wahlen nach der ersten Wahl in der Marienkirche, die sämtlich in der Blockwahl erfolgt sind, unwirksam seien. Erst wenn in der Satzung dies ausdrücklich vorgesehen ist, wäre ein nach diesem Modus gewählter Vereinsvorstand rechtmäßig gewählt.
Daraufhin folgte die einstimmige Außerkraftsetzung der gültigen Satzung vom 28. Mai 1991 und mit 15 ja- Stimmen und einer Enthaltung die Annahme einer neuen Satzung (veröffentlicht im Heft 1/2017 unserer Mitteilungen, S. 9ff). Anschließend folgte die Verlesung des Tätigkeitsberichtes 2016 durch den Versammlungsleiter, Herrn Targiel. Nach der Diskussion und dem mit zwei kleinen Ergänzungen einstimmig angenommen Rechenschaftsbericht trug die Schatzmeisterin, Frau Dr. Vera Kliemann, den Kassenbericht 2016 vor und Herr Wolfgang Brisch als Kassenprüfer bestätigte die ordnungsgemäße Kassenführung sowie die satzungsgemäße Verwendung der Vereinsmittel. Ohne gewünschte Diskussion wurden der Kassenbericht und der Bericht der Kassenprüfer einstimmig beschlossen. Damit war der alte Vorstand entlastet – es folgten unter Leitung des dazu gewählten Versammlungsleiters, Herrn Dr. Michael Eichler, die Vorstands-Neuwahlen für die nächste Periode bis zum Januar 2021. Aus der Versammlung wurde vorgeschlagen, die 5 Kandidaten für den Vorstand und die Kassenprüfer in offener Blockwahl zu wählen. Die Anwendung dieses, nach der Satzung möglichen Wahlverfahrens, wurde einstimmig beschlossen. Darauf erfolgte die Wahl des Vorstandes für eine, laut neuer Satzung, vierjährige Amtszeit. Die Kandidaten wurden einstimmig, mit 16 ja-Stimmen ohne Gegenstimme oder Enthaltung, beschlossen.
Danach erfolgte in gleicher Art die einstimmige Wahl der beiden Kassenprüfer.
Zum Abschluss konstituierte sich der neue Vorstand in der folgenden Ämterverteilung

Herr OA Ralf-Rüdiger Targiel – Vorsitzender
Herr Dr. Martin Schieck – Stellvertretender Vorsitzender
Frau Dr. Vera Kliemann – Schatzmeister
Herr Bernhard Klemm – Schriftführer
Herr Horst Voigt – Bibliothekar

Kassenprüfer Herr Wolfgang Brisch
Kassenprüfer Herrn Reinhard Buchholz

Nach der Wahl fasste die Versammlung weitere Beschlüsse. Als neues Mitglied wurde Herr Prof. Dr. Franz-Viktor Salomon-vom Stein, 40723 Hilden, einstimmig aufgenommen. Für den Verein wolle er auch durch eine Buchlesung seines autobiographischen Werkes „Lukas“ sowie durch die Übernahme von historisch-veterinärmedizinischen Vorträgen wirken. Nach der sich anschließenden Diskussion des vom Vorstand als Entwurf vorgelegten neuen Jahresplanes wurde dieser einstimmig beschlossen und bildete somit die Grundlage für die Arbeit des Historischen Vereins für das Jahr 2017.
Mit dem einstimmigen Beschluss über die fünf ausstehenden Beitragszahlungen (Fristgewährung bis März 2017) und den Beschluss zur Höhe des Mitgliedsbeitrages (wie bisher Vollzahler 25,- € sowie Ruheständler, Arbeitslose, Auszubildende, Schüler, Studenten 12,50 €) endete die Mitgliederhauptversammlung.

Die nächste Sitzung am 28. Februar, zu der 24 Personen (darunter 10 Mitglieder) in das Stadtarchiv kamen, war zwei Künstlern gewidmet, welche einst für Frankfurt (Oder) wirkten. Herr Voigt sprach über den Kunstmaler Kurt Dittebrand (1887-1971) (veröff. Mitteilungen Heft 1/2017 S. 28ff.) und Herr Klemm über den Kunst- und Kirchenmaler Robert Sandfort (1880-1945) (veröff. H. 2/2017, S. 24ff.). Dem Vortragsteil schloss sich ein umfangreicher Informationsteil an, auf dem Herr Targiel über den Baufortschritt der Bürgerschule (so auch auf allen weiteren Sitzungen) und neue Schenkungen an das Stadtarchiv (Jürgen Pieplow – Zeichner bei der Zeitung „Neuer Tag“; weitere Stücke zum Nachlass des Hochbaudezernenten und Architekten der RBD Osten Wilhelm Beringer) berichtete sowie eine Publikation über die Privat-Postbriefmarken der „Märkische Post“ vorstellte. Außerdem erinnerte Herr Targiel an den Frankfurter Maler Walter Götze anlässlich dessen 50. Todestages und den Universitätsprofessor J. Chr. Beckmann (300. Todestag). Herr Voigt stellte die ihm von Prof. Dr. Gert Bruhn aus Cape Coral, USA gesandte Kartenkopie mit den eingezeichneten Bombeneinschlägen vom August und September 1940 auf dem Frankfurter Ziegenwerder und in Finkenheerd vor. Herr Dr. Schieck berichtete über die Spendenaktion zugunsten der Kunstwerke der Marienkirche und stellte die neue Ausgabe des „Frankfurter Jahrbuches“ 2016/17 des Museums Viadrina vor. Abschließend informierte Herr Joachim Schneider über seinen Kontakt zum Unternehmen „Die Kulturingenieure“ zur Korrektur der Todesursache des Frankfurter Turners und Badeanstalt-Besitzers Hermann Weingärtner.

Am 28. März fand die nächste Sitzung im Stadtarchiv statt. Daran nahmen 14 Mitglieder und 4 Gäste teil. Herr Dr. Schieck würdigte in einem Nachruf den verstorbenen Obermuseumsrat Joachim Winkler, Gründungs- und Ehrenmitglied unseres Vereins und Direktor des Bezirksmuseums von 1978 bis 1990. (siehe Mitteilungen H. 1/2017, S. 36).
Anschließend wurde der AFC-Film des Stadtarchivs „Alltagsepisode“ aus dem Jahr 1969 gezeigt. Danach lasen Herr Targiel und Herr Voigt aus dem tagebuchartigen Manuskript des Frankfurter Lehrers Gustav Gloatz (1821-1893) „Aus meinem Leben“. Das Gesamtmanuskript besteht aus kleinen, inhaltlich zusammengefassten Berichten, die gerade durch ihre zeitnahe Schreibung hohe Authentizität besitzen - herausragende Geschehnisse in der Stadt, ebenso wie kleine Ereignisse in der Familie und Schule statt. Der in Züllichau geborene Gloatz trat 1842 sein Lehramt zuerst an der hiesigen städtischen Oberschule an und konnte 1892 noch sein 50jähriges Dienstjubiläum begehen. Im Rahmen des folgenden Informationsteiles berichtete Herr Voigt, wie er als Kind 1955 die Rückkehr der letzten einstigen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion erlebte. Herr Lothar Meyer gab zwei Nachsätze zu seinem in den Mitteilungen H. 2/2016 gedruckten Beitrag über die Chausseehäuser (siehe Mitteilungen Heft 1/2017, S. 27). Herr Schneider berichtete über den 1945 verschütteten und später fortgeschafften Handwerkerbrunnen auf dem Hof der Handwerkskammer. Herr Targiel informierte schließlich über den Baufortschritt beim neuen Archivgebäude, über den Abschluss der Digitalisierung der NSDAP-Kartei im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde, über neu in das Stadtarchiv übernommene Personenstandsunterlagen vom Standesamt, stellte neue, für die Regionalgeschichte wichtige Bücher vor („Zur Geschichte des Dorfes Kliestow – Mittelalter und frühe Neuzeit“ von Henning Krüger; Hans-Joachim Hein „Biographische Skizzen aus meinem Leben“; Oliver Maye „Aus den Aufzeichnungen von Gertrude Althoff) und korrigierte schließlich das Sterbedatum der historischen Persönlichkeit Carl Zeitner, das nach einer Fehlinterpretation eines Schildes seiner Grabstelle mit 1867 bekannt ist, auf den 1. August 1898.

Die Aprilsitzung (25. April) wurde erneut im Stadtarchiv durchgeführt. Daran nahmen 19 Personen, darunter 11 Mitglieder teil. Am Anfang der Sitzung konnte der Vereinsvorsitzende unserem Mitglied, Herrn Eckard Reiß gratulieren, welcher am Vortag im Logensaal der Universität mit der Leopold-Medaille des Rotary Club Frankfurt (Oder) ausgezeichnet wurde.
Als Hauptredner widmete sich Herr Meyer der „Entwicklung der Stromversorgung für Frankfurt (Oder), unter besonderer Berücksichtigung der katastrophalen Einflüsse des Zweiten Weltkrieges“. Den ansprechenden Vortrag siehe unser Mitteilungsheft 1/2017, Seite 16ff. Im letzten Vortragsbeitrag der Sitzung würdigte Herr Targiel den Frankfurter Oberschullehrer und einstigen Vorsitzenden des alten Historischen Vereins Karl Seilkopf (1867-1939) anlässlich dessen 150. Geburtstages. (siehe Mitteilungen. Heft 1/2017, S. 13ff.). Im Informationsteil sprach Herr Targiel über die 11 neuen Stolpersteine, die am 19. Juni verlegt werden, stellte Neuerwerbungen im Stadtarchiv vor (Fotografien des Eichwald-Restaurants von Frau Eva Fuchs, der Enkelin des letzten Besitzers Rudolf Scheibel; Jahresberichte der Staatlichen Baugewerkschule aus dem Nachlass des Architekten Hans Lilge; Frankfurter Abzeichen von Herrn Frank-Peter Brenne); sowie einen im Stadtarchiv entdeckten Lageplan des Dammfriedhofes (1928). Zum Abschluss informierte Herr Targiel über den in der vorigen Sitzung erwähnten und am 15. Okt. 1937 eingeweihten Handwerkerbrunnen.

Die nächste Sitzung fand am 30. Mai im Museum statt. Daran nahmen 27 Personen (darunter 13 Mitglieder) teil. Auf dieser Sitzung führte Herr Dr. Schieck durch die Reformationsausstellung im Museum und informierte über weitere Ausstellungsschwerpunkte in der Marien- und Gertraudkirche zum Reformationsjubiläum. Bei der Fertigung der Museumsausstellung wurde neben der Darstellung des eigentlichen Reformationsgeschehens besonderen Wert auf die Darstellung der Stadt in landesgeschichtlichen Zusammenhang gelegt.

Die erste Sitzung nach der Sommerpause fand am 26. September statt. 11 Mitglieder und 14 Gäste, darunter 3 aus Słubice konnten dazu im Stadtarchiv begrüßt werden. Am Anfang der Sitzung ehrten die Anwesenden unseres am 23. März verstorbenen Mitgliedes Herrn Wolfgang Schmidt durch eine Schweigeminute. Der Vortragsabend begann mit einem in Deutsch und Polnisch gehaltenen Forschungsbeitrag von Herrn Roland Semik über „Maximilian Loboda (1909-1980), Kaplan der Frankfurter Katholischen Kirche zum Heiligen Kreuz und erster Priester in Słubice. (siehe Mitteilungen Heft 2/2017 S. 29ff.). Daran schloss sich der gleichfalls mit großem Interesse aufgenommene Vortrag von Herrn Klemm an, der über das vor 150 Jahren eingeweihte Marienstift sprach. Der Vortrag über das Marienstift, das mit seinen beiden Standorten nahe der katholischen Kirche gelegen war, ist inzwischen gleichfalls in unseren Mitteilungen gedruckt. (Heft 2/2017, S. 17ff.). Wie gewohnt beschloss ein Informationsteil den Abend. Der Vereinsvorsitzende Herr Targiel informierte, dass das Amtsgericht den neuen Vereinsregistereintrag gesandt hatte; dass im Stadtarchiv der Konfirmationsschein des späteren Militärmusikers und Komponisten Johann Gottfried Piefke (1815-1884) entdeckt werden konnte und dass dort als Neuzugang Dokumente von Anton von Werner aus dem Nachlass seines Frankfurter Freundes Herrmann Waehlert eingetroffen sind. An neuer Literatur konnte der neue historische Bild-Text-Kalender 2018 des Stadtarchivs, eine Broschüre zur Geschichte der Konzerthalle – gefertigt zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ – sowie die Biographie „Erinnerungen“ von Ulrich Ehlert, einst Vorsitzender der Stadtplankommission, vorgestellt werden. Zum Abschluss informierte und verteilte Herr Wolfgang Buwert eine ihm dafür von Herrn Dieter Rother aus Essen als CD zur Verfügung gestellten Auszug von 2016 aus seiner unveröffentlichten Biographie (Biographische Notizen Teil 1).

An der Sitzung am 24. Oktober im Stadtarchiv nahmen 12 Mitglieder und 9 Gäste teil. Dieser Abend war dem vor 100 Jahren, am 8. Oktober 1917 in Frankfurt, geborenen Sohn des Bettfedernfabrikanten Siegfried Neumann, Gerhard Neumann gewidmet. Dabei erinnerten wir uns an den 11. Mai 1992, als wir Gerhard Neumann als Gast begrüßen konnten. Nach einer Skizzierung seines Lebens und insbesondere seiner späteren Besuche in Frankfurt durch Herrn Targiel (veröffentlicht im Heft 2/2017 S. 27f.) wurde der 1994 vom ZDF gedrehte Film über sein Leben gezeigt. Im Film blieb unklar, wo sich genau die Autowerkstatt Schroth in der Dammvorstadt befand, in die einst Gerhard Neumann Lehrling war. Im Informationsteil wies Herr Schneider die Lage der Autowerkstatt anhand von Plänen nach. Mit dem Bericht von Herrn Klemm über sein neuestes Restaurierungsprojekt, das ehem. Postamt V in der August-Bebel-Str. und den dabei entdeckten alten Luftschutzanlagen endete der öffentliche Teil der Sitzung. In dem sich anschließenden nichtöffentlichen Teil beschlossen die Mitglieder einstimmig die Aufnahme von Herrn Karl-Konrad Tschäpe als neues Vereinsmitglied. Das seit 1995 in Frankfurt lebende neue Mitglied arbeitet seit August 2016 als Volontär für das Museum Viadrina (Gedenkstätte „Opfer politischer Gewaltherrschaft“).

Die nächste Veranstaltung fand am 7. November statt. Außerhalb unserer monatlichen Sitzungen trafen sich die Mitglieder um 17 Uhr am Haus Halbe Stadt 20. In diesem Haus wohnte von 1871 bis 1879 Dr. Eduard von Simson, Reichstagspräsident, Chefpräsident des Frankfurter Appellationsgerichts und erster Präsident des neugegründeten Reichsgerichts in Leipzig. 1905 hatte der alte Historische Verein ihm zu Ehren eine Tafel am Haus anbringen lassen. Nachdem der heutige Eigentümer Herrn Marco Wegner das Haus denkmalgerecht sanierte, sollte die alte (von unserem Mitglied Herrn Klemm restaurierte) Tafel erneut angebracht werden. Nach kurzen Einführungen durch den Vorsitzenden, Herrn Targiel (zum Leben und zur Bedeutung von Eduard von Simson) und dem Eigentümer, Herrn Wegner (zum Baugeschehen) konnten die Anwesenden mit einem Glas Sekt die Tafel an der originalen Stelle neu enthüllen. Es schloss sich eine Besichtigung des Hauses und des Gartens an.

Die eigentliche Novembersitzung fand am 28. Nov. im Stadtarchiv statt. Anwesend waren 14 Mitglieder und 9 Gäste. Vereinsmitglied Eckhard Reiß, der für seine fotografischen Gegenüberstellungen von Alt-Frankfurter Fotografien mit neuen Aufnahmen seit den 1950er Jahren bekannt ist, nahm die Anwesenden mit seinen Gegenüberstellungen auf eine Reise durch das alte Frankfurt und zugleich neue Frankfurt und Słubice mit. Herr Reiß hat inzwischen die Bilder an das Stadtarchiv zur dauerhaften Bewahrung übergeben. Ihm schloss sich der Vortrag von Herrn Dr. Michael Eichler an. Der Verantwortliche für die Internetseite unseres Vereins und zugleich für die Vereinsdarstellung auf YouTube zeigte und erläuterte den neu gestalteten Internetauftritt, zeigte neue Rubriken, wie die Filme von den früheren, von 1992 bis 2002 veranstalteten Vereinsexkursionen zu Wohn- und Wirkungsstätten verdienstvoller Mediziner in Ostbrandenburg und Berlin. Beide Beiträge wurden mit großer Anteilnahme und lebhafter Diskussion aufgenommen. Der Abend schloss mit dem Informationsteil, in dem Herr Dr. Schieck zuerst ein Resümee der erfolgreichen Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum zog. Fast 70.000 Besucher sahen sich die Ausstellungen in der Marienkirche, der Gertraudkirche und dem Museum Viadrina an und besuchten die dazugehörigen Veranstaltungen. Insbesondere die Nachhaltigkeit der Aktivitäten wurde hervorgehoben – die gespendeten Mittel ermöglichten die Restaurierung der mittelalterlichen Epitaphien der Marienkirche (heute in St. Gertraud). Herr Targiel informierte, nach den erforderlichen Bemerkungen zum Baufortschritt (jetzt geplanter Fertigstellungstermin Dezember 2018), über neue Literatur, darunter das Buch „Reformation vor Ort“ im Band 20 der „Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte“ und der Biographie „Das war ein Leben“ – Erinnerungen von Heinz Gielisch“.

Einer guten Tradition entsprechend fand die letzte Sitzung des Jahres 2017 wieder im Museum statt. Von Herrn Dr. Schieck als nichtöffentliche Sitzung für die Mitglieder mit ihren Lebenspartnern organisiert, trafen sich am 19. Dezember 19 Teilnehmer (15 Mitglieder und 4 Gäste) im Museum. Dem von der Kuratorin Frau Dr. Sonja Michaels sachkundig geführten Rundgang durch die Weihnachtsausstellung des Museums „Weihnachtskrippen … verbinden Völker“ folgte eine Zusammenkunft in „Uromas Küche“ des Museums. Und wie schon im vergangenen Jahr kam es wieder bei reichlich Glühwein und Pfefferkuchen zu angeregten Gesprächen zwischen den Anwesenden und dem Wunsch, es in gleicher Art auch 2018 fortzusetzen.

Zum Abschluss des Überblickes über die Veranstaltungen möchte ich noch die am 6. November durchgeführte Gemeinschaftsveranstaltung in der Universität erwähnen. Prof. Dr. Vladimir Vsevolodov war Gast des Lehrstuhls für Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas der Europa-Universität, unseres Vereins und des Museums. Anteil an der Fortführung der langen bestehenden Kontakte und der Vorbereitung des Besuches von Prof. Vsevolodov haben unsere Mitglieder Herr Wolfgang Buwert und Herr Karl-Konrad Tschäpe. Zu seinem Vortrag „Russische Tage“ in Frankfurt (Oder) (1945-1949): Alltag im Spiegel von Dokumenten aus russischen Archiven“, damit zur Situation am Ende des Zweiten Weltkrieges in Frankfurt aus russischer Sicht, waren fast 100 Interessierte erschienen. Seine Forschungsergebnisse sind Bestandteil des Forschungsprojektes "Heimkehrerlager Frankfurt (Oder)/Gronenfelde". Aus den Mitteln für dieses Projekt sind für die Reise und den Aufenthalt von Prof. Vsevolodov anteilmäßig Kosten in Höhe von 238 € vom Historischen Verein übernommen worden. Damit sind die seitens der Stadt Frankfurt (Oder) für das Gronenfelde-Projekt zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel ausgeschöpft. Hauptsächlich wurden Reisekosten und Honorare von der Europa-Universität und vom Museum Viadrina finanziert. Schon jetzt möchte ich mitteilen, dass Herr Prof. Vsevolodov einverstanden ist, seinen Beitrag in unseren Mitteilungen zu veröffentlichen. Der in Krasnogorsk lebende Historiker konnte als Partner für das Museumsprojekt „Herausforderung Heimat“ gewonnen werden.

Soweit zum Verlauf des Vereinsjahres 2017. Ich möchte allen Referenten im Namen des Vorstandes herzlich für ihren aktiven Beitrag für unser Vereinsleben danken. Natürlich möchte ich dem Stadtarchiv und dem Museum für die weiterhin kostenfrei zur Verfügung gestellten Räume und Ressourcen danken.

Die Sitzungen wurden durch Vorstandssitzungen vorbereitet. Der Vorstand traf sich sechs Mal, jeweils am Dienstag zwei bis drei Wochen vor der jeweiligen Monatssitzung. Für ihre rege und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Vorstand danke ich herzlich den Mitgliedern des Vorstandes, Frau Dr. Kliemann (Vereinsfinanzen), Herrn Dr. Schieck (Stellvertretender Vorsitz, Sitzungen im Museum), Herrn Voigt (Bibliothek, dabei auch die Verwaltung, Verteilung und Versendung unserer Vereinsmitteilungen), sowie Herrn Klemm (Schriftführung).

Zur Führung der Vereinsfinanzen wird mitgeteilt, dass sich unsere Beitragszahlung weiterhin positiv entwickelt hat. Unser Verein verfügt über ein Guthaben, Näheres dazu gleich aus dem Finanzbericht. Dieses Guthaben rührt vor allem aus der pünktlichen Beitragszahlung. So haben wir keine Beitragsrückstande über das Jahr 2016 hinaus (37,50 € ausstehende Beiträge für 2016, 62,50 € für 2017). Unser Verein erhielt 2017 Spenden von Vereinsmitgliedern. Unsere auswärtigen Mitglieder Herr Udo Harttung und Herr Prof. Dr. Salomon-vom Stein spendete jeweils 37,50 €. Dafür vielen Dank.

Für ihre Tätigkeit bei der Fertigung unserer Mitteilungshefte dankt der Vorstand dem Redaktionskollegium Herrn Buwert und Herrn Reiß. Mit dem heute ausgegebenen Heft 2/2017 gelang es auch im vergangenen Vereinsjahr wieder zwei Hefte herauszubringen, wobei, wie Sie sicher selbst festgestellt haben, sich die Qualität der Abbildungen in letzter Zeit merklich verbessert hat. Positiv ist auch anzumerken, dass fast alle gehaltenen Beiträge des Vereinsjahres den Weg in die Mitteilungen fanden.

Unsere Internetseite, die über den Provider 1 & 1 mit Hilfe des Museums nun schon seit 12 Jahren geführt wird, wurde erneut in bewährter Art von unserem Webmaster Herrn Dr. Michael Eichler bearbeitet. Mindestens einmal im Monat (abgesehen von der Sommerpause) wurde die erforderlichen Stellen aktualisiert und die Rubriken Vereinssitzungs-Rückblick und Heftreihe: Mitteilungen - Historischer Verein zu Frankfurt (Oder) e.V. ergänzt. Der Sitzungsplan für das Jahr wurde wieder für das Aufgaben- und Terminverwaltung- Programm „Lightning“ (das im Rahmen des Open Source Projektes Mozilla realisiert wurde) und als HTML-Datei aufbereitet und als Download auf unserer Internetseite unseren Vereinsmitgliedern und der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Außerdem wurden die Vereinsseiten mit multimedialen Inhalten in Form von Audiodateien erweitert und die bereits vorhandenen Videoinhalte überarbeitet und ergänzt.
Weiterhin wurden die Internetseiten des Vereins um einen interaktiven Stadtplan erweitert, der mit einigen von Herrn Michael Eichler gefertigten Fotografien zum Thema Fassadengestaltung in Frankfurt (Oder) verlinkt ist.
Wegen einer technischen Umstellung des Internetsauftrittes des Museum waren die Vereinsseiten im September 2017 für etwa zwei Wochen nicht erreichbar.
Mit 1.500 Zugriffen brachte das Jahr ein mittleres Ergebnis in unserer Statistik. Somit besuchten seit dem Beginn der Zählung 2008 insgesamt 12.500 Interessierte unsere Seite.

Zum Ende des Tätigkeitsberichtes möchte ich wieder darauf verweisen, dass die Mitglieder unseres Historischen Vereins, wie Herr Buwert, Herr Dr. K. Eichler, Herr Klemm, Herr Meyer, Herr Reiß, Herr Schneider, Herr Semik (besonders in Słubice), Herr Dr. Schieck, Herr Targiel und Herr Voigt, sich auch über den Verein hinaus an stadtgeschichtlichen Aktionen beteiligten.

Damit möchte ich den Tätigkeitsbericht schließen. Im Namen des gesamten Vorstandes wünsche ich uns für 2018 ein interessantes Vereinsjahr.


OA Ralf-Rüdiger Targiel
Vorsitzender des Historischen
Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V.